Für Sauro und Diaz: Ein Übersetzer hilft Vogel bei der Taktik
Aktualisiert

Für Sauro und DiazEin Übersetzer hilft Vogel bei der Taktik

Gaston Sauro und Marcelo Diaz stehen in der 2. Quali-Runde der Champions League gegen Flora Tallinn vor ihrem ersten Pflichtspiel für den FCB. Wenn da nur nicht die Sprachbarriere wäre.

von
Eva Tedesco
Tallinn

FCB-Trainer Heiko Vogel lässt sich vor dem Hinspiel in Estland wie gewohnt nicht in die Karten schauen. Zur Aufstellung sagte der Pfälzer lediglich «Yann Sommer spielt» und lachte über das ganze Gesicht. Der FCB-Trainer verriet aber noch, das sicher nicht die gleiche Elf auf dem Platz stehen wird, die letzten Freitag im ersten Meisterschaftsspiel 1:0 gegen Servette gewonnen hat und liess Interpretationsspielraum, als er über einen möglichen Einsatz seiner beiden Verstärkungen aus Südamerika sprach. «Es könnte sein, dass sie spielen», so Vogel.

«Die beiden kommen direkt aus der Meisterschaft und nicht aus einer Pause. Sie wären bereit und sofort einsetzbar», so der Pfälzer weiter. Redseliger war der 36-Jährige, als er über seine Freude an den Neuzugängen berichtete. «Es ist wunderbar wie schnell sich die beiden Spieler integriert haben.» Das liege erstens an den Spielern selbst, da beide sehr offen und zugänglich seien und zweitens daran, dass sie von der Mannschaft bildlich gesprochen mit offenen Armen empfangen worden seien. «Es läuft super. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie erst eine Woche bei uns sind.»

Saures Mühe mit dem Schweizer Sommer

Ähnlich begeistert sind Sauro und Diaz selbst. «Ausser dem Schweizer Wetter haben wir uns gut eingewöhnt», bestätigt Sauro lachend. Sehr viele habe er natürlich noch nicht von der Stadt sehen können, aber das, was er gesehen hat, habe ihm gefallen. Für die kurze Führung in Basel war Sport-Direktor Georg Heitz höchstpersönlich in die Rolle des Stadtführers geschlüpft. Dass der Casino-Balkon und ein Stammlokal der Bebbi am Barfüsserplatz dazu gehörten, ist selbstredend.

«Die Stadt ist schön, die Leute sind sehr nett und der Klub ist ganz toll geführt», unterstützt der Chilene Diaz seinen argentinischen Kumpel. Einzig seine Frau Karen und Söhnchen Maximiliano vermisse er schon sehr. Sobald in Santiago alles verkauft, der Hausrat aufgelöst und die nötigen Behördengänge erledigt sind, reist seine Familie nach Basel. Ausserdem hat sich Diaz vorgenommen, so rasch wie möglich Deutsch zu lernen. Obwohl die Sprachbarriere eigentlich keine ist. Denn Sauro kann sich neben spanisch noch auf italienisch verständigen. Diaz versteht etwas englisch. Vogel: «Ausserdem sprechen Yann Sommer und Germano Vailati spanisch. Ich unterhalte mich englisch-deutsch mit ihnen. Sie interessieren sich sehr für die Sprache und schnappen immer mehr Worte auf.»

Vogel hält nichts von Sprachkursen

Von Sprachkursen wie es sie unter Trainer Thorsten Fink gegeben hat, hält Vogel wenig. «In diesem Punkt appelliere ich an die Eigenständigkeit des Spielers. Er muss kapieren, dass das Erlernen der Sprache auch seiner Karriere zuträglich ist. Ausserdem ist da noch ein anderer Aspekt: In Anbetracht dessen, dass wir derzeit viel auf Reisen sind, ist es mir lieber, wenn sie den Kopf bei der Sache haben. Denn es wird einiges an Strapazen auf sie zukommen.»

Wenn es aber um Taktik-Besprechungen und Spezialaufgaben geht, ist Schluss mit Radebrechen. «Da will ich nichts Schwammiges». Deshalb ist Roberto Crausaz stets mit dabei: Am Trainingsplatz, bei Teambesprechungen und auch in der Kabine. Der Argentinien-Scout des FCB ist mit einer Schweizerin verheiratet und lebt sonst in Argentinien. Ihm hat der FCB auch zu verdanken, dass der 4,5-Millionen-Einkauf Diaz überhaupt in der Schweiz gelandet ist; Crausaz hat FCB-Scout Ruedi Zbinden im Frühjahr auf den Chilenen aufmerksam gemacht.

Es ist alles gesagt

Sauro und Diaz brennen auf ihren ersten Einsatz beim neuen Klub. Ob Vogel seine Südamerikaner in der A. Le Coq Arena (nach einer Brauerei benannt) in Tallinn von Beginn an laufen lässt oder erst zu einem späteren Zeitpunkt einwechselt ist offen. Klar ist aber, dass Heiko Vogel mit den beiden unter der Woche noch zu Mittag gegessen hat und in den Trainings ein zusätzliches Augenmerk auf die Arbeit mit den Südamerikanern gelegt hat. Vielmehr an Zuwendung brauchte es laut Coach vor dem ersten Qualifikationsspiel nicht.

Fakt ist auch, dass der FCB-Coach in Zukunft vermehrt rotieren lassen wird. Denn verläuft beim FCB alles nach Wunsch, wird er bis zur Winterpause 33 Wettbewerbsspiele absolvieret haben. Darunter mindesten zwölf Spiele in der Champions League werden. Das ist das erklärte Ziel von Trainer Heiko Vogel und seiner Basler Mannschaft. «Das geht nur, wenn man dosiert und rotiert», so Vogel, «anders ist die Belastung nicht zu bewältigen.» Ein Sieg gegen Flora Tallin soll der erste Schritt zur Erfüllung des Wunsches sein.

Champions League ist Reisezeit Heilloses Durcheinander bei den Anstosszeiten. In der Meisterschaft geht es mal um 13.45 Uhr, 16 Uhr oder 19.45 Uhr los. Bei Spielen kann es auch 20.30 Uhr sein. In der Champions League ist Kickoff in der Regel um 20.45 Uhr. In Estland muss der FCB nun aber um 18.45 Uhr Ortszeit (17.45 Uhr Schweizer Zeit) antreten. Andere Betten, fremdes Essen, neues Stadion. Champions League ist Reisezeit und auch die Zeit, wo sich die Spieler laufend auf neue Umstände einstellen müssen. Wie geht FCB-Trainer Heiko Vogel damit um? Vogel: «Gewohnheiten können gut sein, aber meist fördern sie die Lethargie und können auch einschläfernd wirken. Deshalb halte ich nichts von Gewohnheiten. Vielmehr hat alles Neue seinen Reiz». (ete)

Champions League ist Reisezeit Heilloses Durcheinander bei den Anstosszeiten. In der Meisterschaft geht es mal um 13.45 Uhr, 16 Uhr oder 19.45 Uhr los. Bei Spielen kann es auch 20.30 Uhr sein. In der Champions League ist Kickoff in der Regel um 20.45 Uhr. In Estland muss der FCB nun aber um 18.45 Uhr Ortszeit (17.45 Uhr Schweizer Zeit) antreten. Andere Betten, fremdes Essen, neues Stadion. Champions League ist Reisezeit und auch die Zeit, wo sich die Spieler laufend auf neue Umstände einstellen müssen. Wie geht FCB-Trainer Heiko Vogel damit um? Vogel: «Gewohnheiten können gut sein, aber meist fördern sie die Lethargie und können auch einschläfernd wirken. Deshalb halte ich nichts von Gewohnheiten. Vielmehr hat alles Neue seinen Reiz». (ete)

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