Zigarettenmafia: Ein Urteil, das keinem passt
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ZigarettenmafiaEin Urteil, das keinem passt

Das bisher grösste Verfahren gegen das organisierte Verbrechen in der Schweiz hatte im vergangenen Juli vor dem Bundesstrafgericht mit sieben Freisprüchen geendet. Sowohl Ankläger als Angeklagte wollen die Urteile weiterziehen.

Nach dem Bundesstrafgericht wird sich auch das Bundesgericht mit der internationalen Zigarettenmafia befassen. Die Bundesanwaltschaft zieht das erstinstanzliche Urteil weiter, wie es auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp hiess. Auch sieben weitere Personen wollen das Urteil trotz Freisprüchen nicht akzeptieren.

Lediglich zwei Angeklagte wurden wegen Unterstützung einer kriminellen Organisation verurteilt. Den acht Männern und einer Frau war vorgeworfen worden, zu Gunsten der italienischen Mafia-Organisationen Camorra oder Sacra Corona Unita allein in den Jahren 1996 bis Ende 2000 215 Millionen Stangen Zigaretten geschmuggelt und Gelder in Milliardenhöhe gewaschen zu haben.

Auch Verteidiger wollen Berufung einlegen

Die Bundesanwaltschaft (BA) will nun dieses Urteil nicht akzeptieren. Die BA habe nach eingehender Prüfung entschieden, das Urteil an das Bundesgericht in Lausanne weiterzuziehen, sagte Mediensprecherin Jeannette Balmer am Dienstag auf Anfrage. Zur Begründung machte sie keine Angaben. Die Beschwerdeschrift sei in Bearbeitung und Angaben zu deren Inhalt könnten im jetzigen Zeitpunkt nicht gemacht werden.

Auch die Verteidiger der sieben freigesprochenen Personen wollen beim Bundesgericht Beschwerde einlegen, wie sie auf Anfrage erklärten. Sie wollen sich insbesondere dagegen wehren, dass die Freigesprochenen die Verfahrenskosten und die Kosten der amtlichen Verteidigung von insgesamt über zwei Millionen Franken selber berappen müssen und keine Entschädigung für die Untersuchungshaft erhalten. Das Bundesstrafgericht hatte argumentiert, dass die Angeklagten die Strafuntersuchung durch leichtfertiges oder verwerfliches Handeln selber verursacht hätten.

Noch offen ist, ob die beiden Verurteilten das Verdikt ans Bundesgericht weiterziehen. Der 70-jährige Paolo Savino war zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden, davon neun Monate unbedingt. Der 64-jährige Pietro Virgilio erhielt eine zweijährige bedingte Strafe. (dapd)

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