Ein V8-Motor machte den Sunbeam Alpine zum Ampelschreck
Beim Sunbeam Tiger trifft britische Strassenlage auf amerikanische V8-Power.

Beim Sunbeam Tiger trifft britische Strassenlage auf amerikanische V8-Power.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Publiziert

UpgradeEin V8-Motor machte den Sunbeam Alpine zum Ampelschreck

Nach dem Rezept, das schon bei der Shelby Cobra funktioniert hatte, wurde dem, normalerweise mit Vierzylinder ausgerüsteten Sunbeam Alpine, ein Ford-V8-Motor implantiert, was zu konkurrenzlosen Fahrleistungen führte.

von
Paul Krüger
Bruno von Rotz

Einen grossen Motor in ein kleines Auto einbauen, führte immer wieder zu interessanten und reizvollen Sportwagen. Die berühmteste dieser Schöpfungen ist vermutlich der Shelby Cobra – kein Wunder also, dass sich die englische Rootes-Gruppe an Carroll Shelby wandte, um auch aus dem kleinen Sunbeam Alpine einen achtzylindrigen Ampelschreck zu machen. Entstanden war der Sunbeam Tiger auf Initiative des Rootes-Vertreters Ian Garrard in Los Angeles, der Shelby beauftragte, den 4,3-Liter-V8 des Ford Falcon irgendwie unter die Haube des kleinen Sunbeam zu zwängen. William Rootes war zunächst nicht erfreut über die Guerilla-Entwicklung hinter seinem Rücken und liess den weissen Prototypen im Juli 1963 nach London fliegen, um ihn selbst testen zu können. Rootes war so beeindruckt, dass er persönlich bei Henry Ford II anrief, um einen Preis für die ersten 3000 Motoren mit ihm auszuhandeln.

Wenige Änderungen

Im April 1964 wurde das Serienmodell auf der New York International Auto Show präsentiert. Obwohl die USA der angestrebte Haupt-Absatzmarkt waren und Carroll Shelby die Machbarkeit der V8-Implantation gezeigt hatte, wurde der Tiger ab Juni 1964 nicht in seinem Hangar in Los Angeles, sondern bei Jensen in West Bromwich montiert. Beim Umbau vom Vierzylinder auf den Achtzylinder wurde nicht zuletzt aus Kostengründen so wenig wie möglich geändert, was bei der Verdreifachung des Drehmoments durchaus für hochgezogene Brauen sorgen konnte. Allerdings stieg das Gewicht nur um rund 150 kg auf 1163 kg. Am Fahrwerk wurde mit Ausnahme eines zusätzlichen Querstabilisators hinten ebenfalls alles gelassen wie es war. Nur die Lenkung musste von Kugelumlauf auf Zahnstange umgebaut werden, da der breitere Motor mehr Platz benötigte.

Sunbeam Tiger 260 mit nachgerüsteten Slot-Mag-Rädern.

Sunbeam Tiger 260 mit nachgerüsteten Slot-Mag-Rädern.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Zwei Auspuffrohre verraten den Achtzylinder.

Zwei Auspuffrohre verraten den Achtzylinder.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Der Flankenschmuck wurde komplett entfernt.

Der Flankenschmuck wurde komplett entfernt.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com

Der «kleine» V8 mit 260 Kubikzoll bietet mit 164 PS und 343 Nm bei knapp über einer Tonne Tigergewicht Kraft im Überfluss. Der Wucht aus 4,3 Litern Leerlauf hat der leichte Sunbeam nichts entgegenzusetzen. Lässt man es gemächlich angehen, schaltet man ohne gross darüber nachzudenken bei 2000 Umdrehungen in den nächsthöheren Gang, der dann mit Leerlaufdrehzahl vor sich hingrummelt. Selbst im Vierten ist der Antritt bei einem spontanen Bodenblech-Tritt im untersten Drehzahlmesser-Fünftel beeindruckend. Man sagt ja gemeinhin englischen Langhubern guten Durchzug nach, aber das hier ist eine völlig neue Dimension.

Kein Rennwagen

Wenn man die vollen 4700 Touren ausnutzt, fliegen die Nadeln der beiden grossen Smiths Instrumente nach oben und Sekunden später ist die Drehzahl-Skala auch schon zu Ende. Fahrer und Sunbeam verschnaufen kurz. Dann geht der Tiger wieder in die Knie und stürmt brüllend weiter. Was im 1,4 Tonnen schweren Mustang für ordentlichen Vortrieb sorgt, ist in zarter Roadster-Hülle eine echte Waffe. Doch so wild gibt sich der Sunbeam nur, wenn man ihn dazu auffordert, fast schon provoziert. Nein, wie ein Rennwagen fühlt sich der Sunbeam Tiger trotzdem nicht an; mehr wie ein schneller Tourenwagen.

Erfolgreicher als Shelbys Cobra

Mit dem Wechsel auf den 289er-V8 des Ford Mustang erhielt der Tiger 1967 den gleichen Motor, den auch die Shelby Cobra bis 1965 spazieren führte. Da die Rootes-Gruppe aber inzwischen zu Chrysler gehörte und folglich kein Auto mit Ford-Motor mehr im Programm haben sollte, verschwanden zuerst die «Powered by Ford»-Badges von den Kotflügeln und schliesslich der Tiger ganz aus dem Sortiment. So entstanden bis Juni 1967 nur noch 633 Zweitserien-Tiger. Trotzdem war der kleine Kraftprotz mit insgesamt 7085 Exemplaren in drei Jahren deutlich erfolgreicher als Shelbys Cobra.

Einen ausführlichen Fahrbericht sowie viele weitere Bilder gibt es auf www.zwischengas.com zu lesen und zu sehen.

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