BMW M5: Ein veritabler Wolf im Schafspelz

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BMW M5Ein veritabler Wolf im Schafspelz

1984 präsentierte BMW den ersten M5 mit dem Motor eines Supersportwagens. Und begründete damit das Segment der Hochleistungslimousinen.

von
B. v. Rotz

Der erste BMW M5 wurde 2014 30 Jahre alt, er prägte wie kaum ein anderes Auto die moderne Sportlimousine, die Familienreisekomfort mit Supersportwagen-Fahrleistungen koppelte.

Doch der M5 hatte Wegbereiter. Bereits im Jahr 1979 erschien die erste in grösseren Stückzahlen gefertigte Sport-Variante der Fünferreihe (E12) namens M535i als gelungenes Baukastenprodukt. Motor (3453 cm3, 218 PS) und Bremsanlage stammten vom 635 CSI Coupé, das Fünfganggetriebe aus dem Zubehörprogramm. Dazu kamen Schalensitze und das Lederlenkrad aus dem M1.

Die 1415 kg schwere Limousine beschleunigte in 7,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, Spitzengeschwindigkeit war 217 km/h. Ein gelungener Einstand, der aber nur rund zwei Jahre lange gebaut wurde und mit 1650 produzierten Exemplaren selten blieb.

Verbesserte Aerodynamik

Mit dem Ersatz der Baureihe E12 durch den Nachfolger E28 im Jahr 1981 entstand vorerst ein Vakuum, dessen Grund nicht zuletzt auch in der Energiekrise der frühen Achtzigerjahre zu suchen war. Nicht umsonst geriet der E28 etwas kompakter und sogar leichter als sein Vorgänger.

Es sollte 1984 werden, bis wieder eine M-Version angeboten wurde. Als Motor wurde nun eine 3430 cm3 grosse Variante des Reihensechszylinders eingesetzt. Die ECE-Variante schaffte 237 km/h, während die Sprint-Werte etwa dem Vorgänger entsprachen. Wer aber wirklich auf sportliche Fahrleistungen aus war, der wählte ab 1985 den M5.

Stärkerer M1-Motor

Als die Ingenieure der BMW Motorsport GmbH 1984 mit der Entwicklung des BMW M5 für die Baureihe E28 begannen, griffen sie auf die Antriebstechnologie des zwischen 1978 und 1981 produzierten Supersportwagens BMW M1 zurück. Dank jetzt zwei oben liegender Nockenwellen und sechs Einzeldrosselklappen leistete der Vierventil-Motor mit 210 kW/286 PS inzwischen neun Pferdestärken mehr als noch im M1.

Die Markteinführung im Sommer 1985 begründete ein neues Segment von Hochleistungs-Limousinen. Der M5 geriet deutlich teurer als der parallel gebaute M535i. Gleichzeitig wirkte er überraschenderweise weniger auffällig, ein veritabler Wolf im Schafspelz. Lediglich die grössere Rad-Reifen-Kombination, die leichte Tieferlegung der Karosserie und je ein dezentes Typenschild am Kühlergrill und am Kofferraumdeckel unterschieden ihn von seinen Serienbrüdern.

0 auf 100 in 6,3 Sekunden

Mit dem Starten des Motors legte der BMW M5 aber jegliche Zurückhaltung ab: 6,5 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h lauteten die für die damalige Zeit geradezu unvorstellbaren Herstellerangaben.

Die Automobil Revue beschleunigte den in der Schweiz vorerst nicht erhältlichen M5 sogar noch vehementer: 6,3 Sekunden reichten für den Standardsprint. Als Spitzengeschwindigkeit wurden 246 km/h notiert, als Durchschnittstestverbrauch 15 Liter pro 100 km. Bei konstanter Vollbeschleunigung genehmigte sich die 1490 kg schwere Limousine 41 Liter pro 100 km.

«Der BMW M 5 ist ein eindrückliches Beispiel dafür, dass leistungsmässig weit überlegene Autos auf jede Art von Show-Tuning getrost verzichten können. Ihre Stärken bleiben dem Betrachter weitgehend verborgen, und gerade das macht sie für Leute, denen Protz ein Gräuel ist, ausserordentlich begehrenswert», lautete das Fazit der AR-Tester. Der BMW M5 der ersten Generation blieb eine Rarität, nur 2200 Exemplare wurden gebaut.

Weitere Informationen (auch zu seinen Nachfolgern) und viele Bilder zum BMW M5 E28 finden sich auf www.zwischengas.com.

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