Adliswil: Ein verlorener Handschuh als «Kronzeuge»

Aktualisiert

AdliswilEin verlorener Handschuh als «Kronzeuge»

Ein Räuber soll die gleiche Bank zwei Mal überfallen haben. DNA-Spuren auf einem verlorenen Handschuh könnten den Mann überführen.

von
Attila Szenogrady
Filiale einer Raiffeisenbank: In Adliswil wurde die Bank gleich zweimal überfallen. (Symbolbild)

Filiale einer Raiffeisenbank: In Adliswil wurde die Bank gleich zweimal überfallen. (Symbolbild)

Das gibt es nur selten: Laut Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis hat ein heute 35-jähriger Kosovo-Albaner aus Deutschland mit der Adliswiler Filiale der Raiffeisenbank im Mai und Juli 2014 gleich zwei Mal dasselbe Geldinstitut überfallen. Er war jeweils verkleidet und bedrohte das Personal mit einer Pistole. Der Täter konnte schon beim ersten Coup vom 19. Mai über 35'000 Franken erbeuten und unerkannt entkommen.

Gemäss Anklage schlug derselbe Räuber am 29. Juli erneut zu. Wiederum verhüllt, mit einer Pistole bewaffnet und am Vormittag. Auch diesmal bedrohte er zwei Angestellte und erbeutete über 38'000 Franken. Auch diesmal konnte sich der Mann mit Balkan-Akzent vom Tatort absetzen.

Verlorener Handschuh als Tatbeweis

Doch diesmal hatte der mutmassliche Täter Pech. So verlor er auf der Flucht einen Handschuh, den die Polizei am Tatort sicherstellen konnte. Die ermittelten DNA-Spuren führten zum Erfolg. So traf der genetische Fingerabdruck exakt auf einen mehrfach vorbestraften Kosovo-Albaner aus Deutschland zu. Der verdächtige Mann wurde polizeilich ausgeschrieben und am 22. Dezember 2014 an der Grenze zwischen Mazedonien und dem Kosovo von der Polizei festgenommen.

Alles bestritten

Am Mittwoch zeigte sich der arbeitslose Gewohnheitskriminelle vom Strafprozess am Bezirksgericht Horgen wenig beeindruckt und stellte die happigen Vorwürfe des mehrfachen Raubes in Abrede. Er gab lediglich zu, dass er sich im letzten Jahr als Begleiter einer Prostituierten wiederholt in der Schweiz aufgehalten habe.

Auf Vorhalt des zentralen Beweismittels erklärte er, dass er den Handschuh gar nicht kenne. Auch die belastenden Aussagen einer Bankangestellten, welche den mutmasslichen Täter anhand seiner Nase identifiziert hatte, wies er zurück.

Vier Jahre oder Freisprüche

Die zuständige Staatsanwältin Simone Brändli zeigte sich von der Schuld des geschiedenen Mittdreissigers überzeugt. Dabei legte sie auch die Videoaufnahmen beider Überfälle als Beweise ins Recht. Darauf war der Beschuldigte zwar nicht direkt erkennbar. Gestik, Statur und Bewegungen der Räuber seien jedoch identisch, plädierte sie. Die Anklägerin verlangte wegen mehrfachen Raubes eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Verteidiger Matthias Brunner ging dagegen lediglich von Indizien aus, forderte Freisprüche und eine Genugtuung von 24'000 Franken. Der Rechtsanwalt zog selbst den Beweiswert des verlorenen Handschuhs in Zweifel. So habe die mit seinem Mandanten befreundete Prostituierte auch andere Männer in ihrer Wohnung beherbergt. Gut möglich, dass einer dieser Männer den Handschuh entwendet und am Tatort verloren habe, argumentierte Brunner.

Das Gericht zog sich nach den Plädoyers zur geheimen Urteilsberatung zurück. Es wird den Entscheid den Parteien demnächst schriftlich zustellen.

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