Aktualisiert 14.06.2008 23:02

Kander-DramaEin Vermisster in der Kander gefunden

Traurige Gewissheit: Eines der bis anhin vermissten Opfer des tragischen Bootsunfalls ist in der Kander im Berner Oberland tot aufgefunden worden.

Das vierte Todesopfer des Unfalls vom vergangenen Donnerstag war in der Kander im Bereich des Seeeintritts gefunden worden. Die Bergung des Getöteten mit Tauchern sowie mit Hilfe eines Helikopters ist im Gange, wie Werner Sulzer von der Seepolizei des Kantons Bern sagte. Fünf Männer waren bei den Unfall verletzt worden; vermisst wird noch ein Opfer. Laut Sulzer wird davon ausgegangen, dass der Mann in den See getrieben worden war. Dies weil er bereits am Unfalltag von einem Helikopter aus im Fluss rund einen Kilometer vor dem Seeeintritt kurz gesichtet worden war. Für die Suche im vom Schmelzwasser getrübten Kanderdelta wird in den kommenden Tagen ein hochmodernes elektronisches Sonargerät eingesetzt. Das Geräte der Wasserpolizei Rhein sei um 08.00 Uhr in Basel eingetroffen. Ab kommendem Montag soll dann der Grund des klaren Sees mit einer Unterwasserbildkamera der Seepolizei des Kantons Zürich abgesucht werden. Laut Sulzer gestaltete sich die Suche auf der Kander schwierig. So sei am Unfalltag vom Donnerstag eine Abflussmenge von 41 Kubikmetern Wasser pro Sekunde gemessen worden. Mit den wärmeren Temperaturen habe sich die Menge am (gestrigen) Freitag auf 54 Kubikmeter erhöht. Neben den zivilen Blaulichtorganisationen standen am Samstag für die Suche insgesamt rund 100 Angehörige der Armee im Einsatz.

Untersuchung gegen Kadi

Die Voruntersuchung des zuständigen militärischen Untersuchungsrichters Michael Leutwyler gegen den Kompaniekommandanten lautet auf allfällige mehrfache fahrlässige Tötung und allfällige mehrfache fahrlässige Körperverletzung. Eine Ausdehnung auf weitere Personen und weitere Sachverhalte ausserhalb des Bootsunglücks ist vorbehalten, wie Silvia Schenker, Sprecherin der Militärjustiz, sagte. Der verletzte Kommandant sei vom Untersuchungsrichter mittlerweile besucht worden. Eine Einvernahme habe aber noch nicht stattgefunden, da der Betroffene gemäss den Ärzten noch nicht einvernahmefähig sei. Er hatte einen Kieferbruch erlitten. Zu Medienberichten, wonach der Kompaniekommandant der Swiss Army Group angehöre (20 Minuten Online berichtete), sagte Knutti, er orte in diesem Zusammenhang keine Auswirkungen auf die Übung. Die Gruppe betreibe seriöse Weiterbildung.

Gedenkgottesdienst

Die zehn 25- bis 33-jährigen Kadermitglieder der Lufttransport Sicherungskompagnie 3 mit Heimbasis Militärflugplatz Alpnach hatten auf der Kander gemäss Informationen der Armee einen Anlass zur Teambildung durchgeführt. Die Männer waren dabei gekentert. Gemäss Schenker sind die sich im Fluss befindenden Schwellen flussaufwärts nummeriert. Nach den bisherigen Ermittlungen sei zuerst das hintere Boot bei der Schwelle neun gekentert. Bei Schwelle fünf sei auch das zweite Boot verunfallt. Dies zeigt, dass die Armeeangehörigen mehrere Schwellen ohne Unfall überwunden hätten. Vier der fünf Verletzten konnten das Spital bereits am (gestrigen) Freitag wieder verlassen. Laut Knutti findet der Gedenkgottesdienst für die Opfer am kommenden Dienstag um 10.00 Uhr in der Thuner Stadtkirche statt. (sda)

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