Handelskammer: Ein Viertel der Firmen plant einen Personalabbau

Aktualisiert

HandelskammerEin Viertel der Firmen plant einen Personalabbau

Die meisten Unternehmen, die in deutschen Märkten handeln, sehen sich von der Aufhebung der Euro-Untergrenze betroffen. Abwandern wollen sie aber nicht.

Präsident Gottlieb Keller spricht an der Jahrespressekonferenz der Handelskammer Deutschland-Schweiz 2015.

Präsident Gottlieb Keller spricht an der Jahrespressekonferenz der Handelskammer Deutschland-Schweiz 2015.

In einer im Februar stichprobenweise durchgeführten Umfrage bei Mitgliedsfirmen der Handelskammer Deutschland-Schweiz gaben 74 Prozent der Unternehmen an, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Aufhebung des Euromindestkurses beeinträchtigt sei. 43 Prozent rechnen mit einem Exportrückgang nach Deutschland, 10 Prozent sogar mit einem starken Rückgang. Immerhin 47 Prozent rechnen mit gleich bleibenden Umsätzen.

Etwa zwei Drittel der Firmen sehen sich gezwungen, unmittelbar auf die neue Währungssituation zu reagieren. Die meisten (58 Prozent) wollen Prozesse optimieren und dadurch die Effizienz beim Arbeitseinsatz steigern. 41 Prozent wollen die Arbeitszeiten erhöhen oder die Löhne senken. Ein Viertel plant einen Personalabbau. An eine Produktionsverlagerung denkt etwa ein Fünftel. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen gaben zudem an, dass sie ihre Einkaufsquellen in die EU verlagern wollen.

Die Importe aus Deutschland fielen 2014 um 0,9 Prozent auf 51,3 Mrd. Fr. zurück. Die Exporte wuchsen um 2,8 Mrd. Fr. auf 38,6 Mrd. Franken. Im Februar, dem ersten Monat, in dem die Aufhebung der Euro-Untergrenze voll zum Tragen kam, gingen die Exporte um 3,1 Prozent und die Importe um 11,3 Prozent zurück.

Deutschland bleibt Nummer 1

Deutschland sei nach wie vor der wichtigste Handelspartner der Schweiz, betonte Gottlieb Keller, Präsident der Handelskammer Deutschland-Schweiz an der Jahresmedienkonferenz, die am Montag in Zürich stattfand. Gleichzeitig übte Keller Kritik an der EU, die nicht bereit sei über eine Anpassung des Personenfreizügigkeitsabkommens zu verhandeln.

Die Basis und die Voraussetzung für den Handel stelle das Rahmenwerk der bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU dar. Aber auch ein Jahr nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative sei keine Lösung in Sicht, sagte Keller.

«Geblieben ist die grosse Verunsicherung bei deutschen und schweizerischen Unternehmen über die Frage, welches Regelwerk und welches künftige Integrationsniveau zwischen der Schweiz und der EU zu erwarten ist», fügte er an. Zusammen mit der Aufhebung der Euro-Untergrenze beeinträchtige dies die Planungssicherheit für die Unternehmen zusehends.

Kritik am Volksentscheid

Keller, der das Präsidium der Handelskammer Deutschland-Schweiz neu inne hat, übte aber auch Kritik am Schweizer Stimmvolk, das für die Ausgangslage mitverantwortlich ist. «Ich denke, man realisiert in der Schweiz nicht immer, wie stark die Schweiz in die EU und in die Weltwirtschaft allgemein eingebunden ist», sagte er.

In wirtschaftlich guten Zeiten könne man sich den Luxus leisten, etwas eigenbrötlerisch zu sein. Keller berichtete von einer persönlichen Erfahrung im Spital, wo die Mehrheit der Pflegenden aus Deutschland stammten. «Wer diese Erfahrung macht, fragt sich, wie die Schweiz nur so abstimmen konnte.» (sda)

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