Novartis-CEO Jimenez: «Ein Viertel der Kosten für die Gesundheit ist unnütz»
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Novartis-CEO Jimenez«Ein Viertel der Kosten für die Gesundheit ist unnütz»

Novartis-Chef Joe Jimenez prangert die Verschwendung bei den Gesundheitsausgaben an und propagiert ein neues Bezahlsystem.

von
Isabel Strassheim
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Novartis-Chef Joe Jimenez: «Studien gehen davon aus, dass etwa 25 Prozent der Gesundheitskosten in den USA unnütz sind.»

Novartis-Chef Joe Jimenez: «Studien gehen davon aus, dass etwa 25 Prozent der Gesundheitskosten in den USA unnütz sind.»

Keystone/Georgios Kefalas
Die Kosten für Medikamente stehen nach Arzthonoraren und Spitalkosten an dritter Stelle bei den Krankenkassenleistungen.

Die Kosten für Medikamente stehen nach Arzthonoraren und Spitalkosten an dritter Stelle bei den Krankenkassenleistungen.

Keystone/Gaetan Bally
Bislang gilt für ein Medikament in der Schweiz immer der gleiche Preis, egal, wie es beim einzelnen Patienten wirkt. Auch zwischen einer möglicherweise unterschiedlich starken Wirkung bei verschiedenen Krankheiten, für die es zugelassen ist, wird nicht differenziert.

Bislang gilt für ein Medikament in der Schweiz immer der gleiche Preis, egal, wie es beim einzelnen Patienten wirkt. Auch zwischen einer möglicherweise unterschiedlich starken Wirkung bei verschiedenen Krankheiten, für die es zugelassen ist, wird nicht differenziert.

Barbara Gindl

Nicht nur für Prämienzahler sind die steigenden Krankenkassenkosten ein Thema. Auch für den Chef des Basler Pharmakonzerns Novartis. «Studien gehen davon aus, dass etwa 25 Prozent der Gesundheitskosten in den USA unnütz sind», sagt Jimenez. Er bezog sich dabei auf eine US-Studie, die vergangenes Jahr die Krankheitsausgaben analysierte. Demnach wird ein Viertel der Kosten verschwendet, weil sie nichts für die Therapie bringen. Auch für die Schweiz gehen Experten davon aus, dass die heutigen Leistungen ohne Qualitätseinbussen rund 20 Prozent günstiger erbracht werden könnten, so eine Studie des Bundesamtes für Gesundheit.

Jimenez zielt mit seiner Aussage nicht auf die Pharmabranche, sondern auf die anderen Kostenverursacher – vor allem auf stationäre Spitalkosten. In der Schweiz machen sie inklusive Spitex/Pflege mit 45 Prozent den Löwenanteil der Krankheitsausgaben aus.

Überalterung bedeutet mehr Kranke

Der allgemeine Druck auf unsere Gesundheitssysteme wird steigen. Das zeigen allein schon die Prognosen zur Entwicklung der Bevölkerung weltweit, die Jimenez zitiert: Bis 2030 wird nicht nur die Weltbevölkerung auf rund 8 Milliarden Menschen ansteigen, sondern jeder Dritte wird auch über 50 Jahre alt sein. Allein schon wegen der Überalterung werden die Krankheitskosten rapide steigen.

Das Rezept von Novartis dagegen: den Nutzen seiner Medikamente aufzeigen. Das neue Herzmittel Entresto etwa soll die Hospitalisierung der Patienten vermeiden und deswegen einen Kostenvorteil haben. Und: Medikamente sollen vermehrt ihrer Wirkung entsprechend bezahlt werden. Nützt eine Arznei nichts, gibt es Rabatte. Wirkt sie, gibt es mehr Geld für Novartis.

Der gläserne Patient

Dafür braucht es allerdings eine Überprüfung der Wirksamkeit. Das heisst in erster Linie Daten über den Krankheitsverlauf der Patienten. «Wir arbeiten daran, die Voraussetzungen für eine Medikamentenpreiserstattung je nach Wirkung zu verbessern: Wir schaffen etwa eine Datenbasis für die Beurteilung des Therapieerfolges», sagt Jimenez. Das könne allerdings noch einige Jahre dauern.

Novartis und auch Roche arbeiten beide am neuen Bezahlsystem nach Wirksamkeit. Dieses kommt ihnen entgegen. Ihre neuen (Krebs-)Medikamente sind personalisiert, sodass Fehlbehandlungen seltener werden sollen. Und: Die Preise für die Mittel sind hoch. Trotz der hohen Forschungsausgaben erzielt Novartis eine Betriebsgewinn-Marge von rund 20 Prozent. Roche kommt gar auf etwa 30 Prozent.

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