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VW K 70Ein VW, wie es ihn zuvor noch nie gegeben hat

Er sollte das neue Flaggschiff von NSU werden, doch dann übernahm VW den Hersteller und der K 70 wurde zum ungeliebten Kind der Wolfsburger.

von
B. von Rotz
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Der VW K 70 sah dem nie produzierten NSU K 70 so ähnlich wie ein eineiiger Zwilling dem anderen.

Der VW K 70 sah dem nie produzierten NSU K 70 so ähnlich wie ein eineiiger Zwilling dem anderen.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com
Das Design des VW K 70 entstammte der Feder des Ro-80-Designers Claus Luthe.

Das Design des VW K 70 entstammte der Feder des Ro-80-Designers Claus Luthe.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com
Die Schweiz war ein guter K-70-Markt.

Die Schweiz war ein guter K-70-Markt.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com

Die Sensation fand nicht statt. Geplant war sie für den Genfer Autosalon 1969 gewesen und der Star war der NSU K 70, die neue Mittelklasse-Limousine aus Neckarsulm. Kurzfristig wurde die Premiere abgesagt, nicht von NSU, sondern von Volkswagen, denn diese hatte kurz vorher NSU von Daimler-Benz übernommen.

Dabei hatte die Geschichte des K 70 vielversprechend begonnen: Um die Lücke zwischen Prinz und Ro 80 zu schliessen, begann die Firma NSU trotz beschränkter Mittel im Januar 1965 mit der Entwicklung eines neuen Mittelklasse-Personenwagen. Das Design vertraute man Claus Luthe an, der bereits mit dem Prinz 4 und dem Ro 80 Ausserordentliches geleistet hatte.

Für den K 70 konzipierte Luthe ein fast schon geometrisch wirkendes Design, das mit grossen Fensterflächen und beispielhafter Übersichtlichkeit brillieren konnte, insgesamt aber ein wenig die Raffinesse des Ro-80-Entwurfs vermissen liess. Beim Motor griff man, so weit möglich, auf Bewährtes zurück, es entstand ein wassergekühlter Vierzylinder mit 1605 cm3 und 90 PS, der längs eingebaut die Vorderräder antrieb.

Bereits im Spätherbst 1968 waren Erlkönige, also Versuchsfahrzeuge, gesichtet worden. Prospekte waren bereits gedruckt, der Publikumsvorstellung stand eigentlich nichts mehr entgegen.

Wiedergeburt als VW

Im Februar 1969 aber platzte die Bombe. Volkswagen gab bekannt, NSU übernehmen zu wollen und mit der Konzerntochter Audi zu fusionieren. Und das erste Opfer hiess K 70, sehr zum Missmut der Autojournalisten, die für den neuen Wagen bei VW-Audi die perfekte Lücke identifiziert hatten.

Volkswagen hatte schliesslich ein Einsehen. Einige Detailretuschen wurden angebracht, bevor der Wagen ab Herbst 1970 von den Produktionsbändern im neuen Werk in Salzgitter lief – als erster VW mit Frontmotor überhaupt. Im Kühlergrill, der weiterhin Rechteckscheinwerfer zeigte, prangte nun ein Volkswagen-Logo. Zudem gab es eine Luxus-Ausführung. Im Grossen und Ganzen war der VW K 70 aber eigentlich ein NSU geblieben.

Doch kein Wunderauto?

Die Vorschusslorbeeren waren also gross, die Erwartungen der Kunden und der Autojournalisten genauso. Folgerichtig wurde eifrig getestet, der K 70 zwar für gut, aber nicht überragend befunden. Etwas durstig war er und es gab allerlei Detailmängel zu notieren.

Dabei war der K 70 nicht billig. 13'340 Franken musste man in der Schweiz für die Luxusausführung zahlen, da gab es anderswo schon Sechszylinder.

Volkswagen liess dem Neuling kontinuierlich Verbesserungen angedeihen, doch nach gut vier Jahren und 210'000 produzierten Exemplaren lief der K 70 bereits wieder aus. Seine Erben – VW Passat und Audi 80 – aber folgten ähnlichen Bauprinzipien, die Zeit der heckgetriebenen Luftgekühlten ging auch bei Volkswagen zu Ende.

Fast ausgestorben

Vierzig Jahre später ist ein K 70 auf der Strasse seltener zu sehen als ein Ferrari-Sportwagen der Sechzigerjahre.

Am Lenkrad eines VW K 70 L erkennt man erst, wie modern und zukunftsweisend der Wagen damals gewesen sein muss. Die Rundumsicht ist fast perfekt, die Karosserieenden sind aus der Fahrerposition problemlos einsehbar. Die Schaltung lässt zwar etwas Präzision vermissen, die Gänge lassen sich damit aber problemlos sortieren.

Die Ergonomie war für die Zeit vorbildlich, selbst heute kommt man ohne grosse Eingewöhnung mit dem Auto zurecht. Und geräumig war er noch dazu.

Die Sensation blieb damals aus, aber aus heutiger Sicht war der K 70 trotz seiner bekannten Schwächen ein sehr gut konzipiertes und intelligent gebautes Auto, dem eigentlich eine grössere Zukunft gehört hätte.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Verkaufsprospekt finden sich auf www.zwischengas.com.

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