Guerdats Goldpferd Nino: Ein Wallach zwischen Genie und Wahnsinn
Aktualisiert

Guerdats Goldpferd NinoEin Wallach zwischen Genie und Wahnsinn

Die ganze Schweiz freut sich mit Steve Guerdat über die zweite Goldmedaille von London. Den grössten Anteil am Erfolg leistete aber Wallach Nino des Buissonnets, das störrische Sprunggenie.

von
pre

Steve Guerdat wusste, wem er seine olympische Goldmedaille zu verdanken hat. Als der nach der Medaillenübergabe wieder auf seinem Pferd sass, zeigte der stolz auf seinen Franzosen-Wallach. Nino des Buissonnets leistete sich im Einzel-Springreiten keinen einzigen Abwurf und war der Garant für den Olympiasieg. «Mein Pferd sprang hier von Runde zu Runde besser, er ging fantastisch», freute sich der eher zurückhaltende Guerdat.

Dass der Romand mit Wohnsitz in Herrliberg ZH bei Olympia auf den 11-jährigen Nino des Buissonnets setzen wird, war lange nicht klar. Mit Nasa und Carpalo hat der 30-Jährige zwei weitere Top-Pferde in seinem Stall. Erst beim Weltcup-Final in 's-Hertogenbosch, als sich Guerdat im Stechen nur vom Amerikaner Rich Fellers mit Flexible bezwingen lassen musste, wurde klar, dass Nino auch bei Olympia zum Zug kommen wird.

Eigenwilliges Ausnahmepferd

Der braune Franzosen-Wallach - Nachkommen wird es also keine geben - ist nicht einfach zu reiten. Für ein Springpferd ist er nicht allzu gross, doch das macht er mit Kraft locker weg. Zwischen den Hindernissen kann der eigenwillige und ungestüme Nino heftig werden, über dem Sprung ist er aber fantastisch. «Zwischen Genie und Wahnsinn», beschreibt Guerdat selbst sein Goldpferd. «Nino kann alles. Er ist ein Ausnahmepferd. Kein Hindernis ist ihm zu hoch. Im Wettkampf wird er jeden Tag besser. Er bekommt Vertrauen in die Umgebung, wird einfacher zu reiten. Da er ein sehr schnelles Pferd ist, kann er zudem auch am ersten Tag schnell gehen, ohne dass man zu viel Risiko eingehen muss, was eine gute Ausgangslage für die folgenden Tage bedeutet.»

Medaillenfeier Steve Guerdat

Im Juni 2010 kaufte Guerdats Förderer, Milliardär Urs E. Schwarzenbach, den talentierten Wallach für einen siebenstelligen Betrag aus Deutschland. Geboren wurde Nino im Januar 2001 in Frankreich als Sohn von Kannan und Nachkomme der Narcos Linie. Als er auf den Rütihof nach Herrliberg kam, war er noch nicht ganz «fertig». Anfänglich hatten Guerdat und Nino Mühe sich aneinander zu gewöhnen. Viel Arbeit und Geduld war nötig. «Nach einigen Wochen der Anpassung fanden wir uns immer besser», so der Olympiasieger. «Jetzt harmonieren wir perfekt.»

Steve Guerdats letzte Hindernisse

Der King im «Stall»

Den Anteil von Nino am Olympiasieg schätzt Guerdat auf ungefähr 50 Prozent. Manchmal sei es aber auch 70:30 oder 30:70. Das Goldpferd kriegt nun einige Wochen Ferien. «Nino ist kein Pferd, das gerne lange im Stall bleibt. Er ist derzeit so gut in Form. Wenn in den nächsten zwei Tagen gesundheitlich alles in Ordnung ist, wird er in drei, vier Wochen wieder langsam an Turnieren eingesetzt.»

Zu Hause in Herrliberg wird der braune Wallach nun definitiv der Star im Stall sein. «Wir werden ihn verwöhnen. Dann wird er schon merken, dass er jetzt der ‹King› ist», sagt Guerdat stolz und erklärt, wie sein Pferd tickt: «Beim Handführen geht er nach links, wenn er nach rechts sollte. Will dann Gras fressen, wenn er nicht sollte. Aber das sind Dinge, die man einem besseren Pferd eben erlaubt. Daran wird er in den nächsten paar Tagen merken, dass er etwas Tolles geleistet hat.»

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