Heinz Huber folgt auf Patrik Gisel: Ein «Wiederkäuer» übernimmt bei Raiffeisen
Aktualisiert

Heinz Huber folgt auf Patrik GiselEin «Wiederkäuer» übernimmt bei Raiffeisen

Wer ist Heinz Huber, der Nachfolger von Patrik Gisel? Ein erfahrener Banker – aber kein Entscheider: Seine Lieblingsthemen bespricht er laut Mitarbeitern gern mehrfach.

von
R. Knecht
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Heinz Huber wird neuer Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz.

Heinz Huber wird neuer Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz.

Daniel Ammann
Er ersetzt somit Patrik Gisel.

Er ersetzt somit Patrik Gisel.

Davide Agosta
Die Raiffeisenbank musste sich in den vergangene Wochen ans Aufräumen machen. Das ging nebst Huber unter anderem nur mit einer neuen Person auf dem Präsidentenposten.

Die Raiffeisenbank musste sich in den vergangene Wochen ans Aufräumen machen. Das ging nebst Huber unter anderem nur mit einer neuen Person auf dem Präsidentenposten.

Keystone/Gaetan Bally

Kaum etwas liegt der Raiffeisenbank momentan mehr am Herzen, als die Ära Vincenz und Gisel hinter sich zu lassen. Die Namen sind mit Skandalen und Korruptionsvorwürfen behaftet, vorwärts kann es nur mit neuen Namen gehen. Der neuste lautet Heinz Huber. Er tritt als CEO die Nachfolge von Patrik Gisel an. Doch wer ist der Neue an der Raiffeisenspitze, der einer breiten Öffentlichkeit gänzlich unbekannt ist?

Der 54-jährige Banker, der vom CEO-Posten der Thurgauer Kantonalbank (TKB) zu Raiffeisen wechselt, ist laut einem TKB-Mitarbeiter ein angenehmer Manager und ein «Wiederkäuer». Bei Sitzungen lasse Huber gern alle Leute ausreden. Doch die Themen, die Huber besonders gefielen, würden gleich drei oder viermal besprochen, heisst es aus dem Innern der Bank.

Damit steht der Banker in starkem Kontrast zur bisherigen Chefetage bei Raiffeisen. Der TKB-Mitarbeiter, der früher bei der Genossenschaftsbank tätig war, sagt über Pierin Vincenz: «In seiner Ära gab es nur sehr wenig Mitsprachemöglichkeiten, denn Vincenz entschied oft allein.» Im Gegensatz dazu sei Huber überhaupt kein Entscheider.

Huber betritt ein «Schlachtfeld»

Im Thurgau sorgt die Wahl Hubers für Verwunderung: Nicht nur erwarteten viele, dass Hansruedi Köng, CEO der Postfinance, zum Zug kommen werde. In den Gängen der TKB fragen sich die Angestellten auch, ob Huber sich bewusst sei, «was die Raiffeisenbank derzeit für ein Schlachtfeld ist».

Das soll aber nicht heissen, dass Huber für den Job ungeeignet ist. Die Genossenschafter reagieren optimistisch: Fredi Zwahlen, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet, sagt zu 20 Minuten, der Banker verkörpere Bodenständigkeit und Bescheidenheit: «Wir können den Blick jetzt wieder nach vorne richten.»

Auch ehemalige Mitarbeiter von Huber glauben, dass gerade seine weniger dominierende Art Ruhe in die St. Galler Raiffeisen-Zentrale bringen werde. Zudem seien mit der Neuaufstellung merklich mehr Eingriffe vom Verwaltungsrat zu erwarten: Präsident Guy Lachappelle werde im Hintergrund die Fäden ziehen.

Der ausdauernde Banker

Eines hat Heinz Huber in seiner Karriere bewiesen: Er hat Ausdauer. Bei der TKB sass er fast zwölf Jahre lang in der Geschäftsleitung. Er begann seine Karriere mit einer KV-Lehre 1981 bei der UBS und blieb insgesamt über 15 Jahre dort. Daraufhin wechselte er zur Credit Suisse, wo er knapp fünfeinhalb Jahre lang Manager war.

Zwischen jahrelangem Engagement bei den grössten Schweizer Banken und Weiterbildung an prominenten Institutionen wie der Harvard Business School und University of Rochester ist der einzig wirklich auffällige Punkt in Hubers Karriere sein Ausflug auf die Unternehmerseite: Ende 2001 wurde er Mitglied der Geschäftsleitung der britischen IT-Firma Dicom und gründete vier Jahre später ein Schweizer Spin-off: Sydoc. Nach eineinhalb Jahren als CEO verkaufte er Sydoc: «Ich gründete, führte und verkaufte Sydoc mit Erfolg», sagt Huber auf LinkedIn.

Pünktlich zur Finanzkrise zurück ins Banking

Nach dem Verkauf der Firma zog der damals 42-Jährige mit seiner Frau und seinen drei Kindern aus dem Kanton Zürich in den Thurgau. Dort trat er Anfang 2007 seinen Posten bei der TKB an – direkt vor der Finanzkrise. Er war für das Geschäftskundensegment zuständig und nahm die Krise gelassen. 2010 bilanzierte er, dass die Firmen im Kanton sehr gut auf die Krise reagiert hätten. Weder für ihn noch die Unternehmer gebe es Grund für schlaflose Nächte.

Bei der TKB erhielt Heinz Huber im vergangenen Jahr 868'838 Franken. Bei Raiffeisen wird er 1,1 Millionen Franken Bruttolohn haben, der auf maximal 1,5 Millionen Franken aufgestockt werden kann, wie ein Sprecher der Bank zu 20 Minuten sagt. Hubers Vorgänger Patrik Gisel erhielt 2017 eine Gesamtsumme von 1'813'187 Franken.

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