Aktualisiert 09.01.2012 11:52

Hildebrand-Affäre

«Ein wirres Verständnis von Kommunikation»

Nach medialem Druck ist Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand an die Öffentlichkeit getreten. Wir haben den Auftritt mit einem Experten für Krisenkommunikation verfolgt.

von
S. Spaeth/P. Rüegg

Grosser Showdown der Nationalbankspitze: Der im Zuge einer Devisenspekulationsaffäre schwer angeschuldigte Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand und der «Boss» der Aufsichtsbehörde – Bankratspräsident Hansueli Raggenbass – sind am Donnerstagabend in Zürich vor die Medien getreten. 20 Minuten Online hat den Auftritt Hildebrands mit Roger Huber, Präsident des Schweizerischen Verbandes für Krisenkommunikation, unter die Lupe genommen (siehe Video).

Das Urteil des Kommunikationsprofis fällt eher schlecht aus: «Es war kein grosser Befreiungsschlag», analysiert Huber. Der Notenbanker habe unter einem enormen Druck gestanden und sich wie ein angeschossenes Tier verhalten. «Teilweise zeigte sich Hildebrand sogar angriffslustig – aber wenig überzeugend», so Huber weiter. Hildebrand zielte mit seiner Kritik auf jene Kreise ab, die sich bisher als Verfechter des Bankgeheimnisses in Szene gesetzt hatten, womöglich aber wegen der Weitergabe von Hildebrands Kontodaten gegen dasselbe Gesetz verstossen haben.

Dass dem Nationalbankpräsidenten der Auftritt schwerfiel, zeigen laut Huber die Schweisstropfen auf seiner Stirn und seine teilweise brüchige Stimme. Zudem wirkten Hildebrands Hände insbesondere zu Beginn der Pressekonferenz sehr nervös.

«Eingeständnis eines Fehlers»

Vor versammelter Medienschar bestätigte der Nationalbankpräsident den bereits gerüchteweise bekannten Umstand, seine Familie habe den Gewinn von 75 000 Franken aus den Devisenspekulationen der Berghilfe gespendet. Huber interpretiert das als Eingeständnis der Schuld. «Hildebrand gibt damit zu, dass er einen Fehler begangen hat», so Huber. Der beschuldigte Notenbanker räumte zudem ein, dass er heute anders handeln würde. Und forderte eine Verschärfung der Bestimmungen, die Eigengeschäfte der Nationalbankspitze regulieren.

Reicht diese Reue? Das sei keine richtige Reue, findet Huber. «Ein bisschen entschuldigen, sich leicht demütig geben und dann zur Tagesordnung übergehen – das funktioniert nicht», so der Kommunikationsexperte weiter. Kritik übt Huber zudem am Umstand, dass Hildebrand sich stets hinter Reglementen versteckte, wenn er von Journalisten auf moralische Aspekte angesprochen wurde. «Fühlten Sie sich als Nationalbankpräsident wohl bei den Devisentransaktionen?», wollte etwa ein Journalist wissen – Hildebrand argumentierte vor allem mit Reglementen. «Paragrafen zu zitieren, ist eine Vernebelungstaktik», so der langjährige Journalist Huber, der heute auch Banken berät.

Insgesamt stellt Huber der Nationalbank in der Devisen-Affäre eine ungenügende Note aus. «Bei der Notenbank hat man ein wirres Verständnis von Kommunikation.»

«Schwarzer für Frau Hildebrand und Bankrat»

Rechtsexperten finden die Devisengeschäfte von Philipp Hildebrand grundsätzlich heikel. «Er hätte gar nicht in Devisen anlegen sollen. Das war falsch», sagte Monika Roth, Professorin für Finanzmarktrecht dem «St. Galler Tagblatt». Er sollte selber gar keine Anlageentscheide fällen und die Verwaltung seines Privatvermögens einem Dritten überlassen. Auch für Angehörige des Präsidenten müssten besondere Zurückhaltung und Sorgfalt gelten. «Juristisch gesehen handelt sie als seine Stellvertreterin», sagte Roth. Man dürfe von ihr erwarten, keine Währungsgeschäfte zu tätigen. Diesen Punkten habe der Bankrat nur ungenügend Beachtung geschenkt, sagte Roth weiter. Auch die Revisionsstellen hätten die Motive der Devisentransaktion nicht genügend durchleuchtet, sondern schlicht die Version Hildebrands übernommen, bemängelte die Juristin. Der Berner Strafrechtsprofessor Peter Kunz kritisierte in Interviews mit dem «Landboten» und der «Berner Zeitung» wegen der laschen Reglemente die Rolle des SNB-Bankrates und wegen ihrer Unvorsichtigkeit jene von Kashya Hildebrand. «Den schwarzen Peter hat, offen gesagt, nicht Herr Hildebrand, sondern seine Frau und der Bankrat», sagte Kunz dem «Landboten». Kunz hält es für nicht tolerierbar, wenn ein SNB-Präsident «Spekulationsgeschäfte im grossen Stil» betreibt. Darür brauche es aber klare Regeln und Strafnormen. (SDA)

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