Aktualisiert 27.05.2019 07:56

Wetter

Ein zweiter Hitzesommer wäre fatal für die Natur

Einem US-Wetterdienst zufolge droht der Schweiz eine grosse Hitze. Doch schon ein normaler Sommer könnte für die Natur kritisch sein.

von
B. Zanni
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Geht es nach dem US-Wetterdienst AccuWeather, kennt auch der kommende Sommer keine Gnade: Es soll noch trockener und noch heisser werden.

Geht es nach dem US-Wetterdienst AccuWeather, kennt auch der kommende Sommer keine Gnade: Es soll noch trockener und noch heisser werden.

Keystone/Salvatore di Nolfi
AccuWeather hat auf einer Europakarte illustriert, wo welches Sommerwetter zu erwarten ist. Die Schweiz liegt angeblich inmitten eines Gebiets von hoher Waldbrandgefahr und langen Hitzeperioden.

AccuWeather hat auf einer Europakarte illustriert, wo welches Sommerwetter zu erwarten ist. Die Schweiz liegt angeblich inmitten eines Gebiets von hoher Waldbrandgefahr und langen Hitzeperioden.

AccuWeather
Während die Temperaturen im Sommer 2018 stiegen, sank der Wasserpegel zusehends. Aus einst saftig grünen Wiesen wurden gelbbräunliche Dürrefelder.

Während die Temperaturen im Sommer 2018 stiegen, sank der Wasserpegel zusehends. Aus einst saftig grünen Wiesen wurden gelbbräunliche Dürrefelder.

Leser-Reporter

Die Hitze hatte die Schweiz im Sommer 2018 fest im Griff. Während die Temperaturen stiegen, sank der Wasserpegel zusehends. Aus einst saftig grünen Wiesen wurden gelbbräunliche Dürrefelder. Vielerorts sprachen die Behörden wegen Brandgefahr Feuerverbote aus. Geht es nach dem US-Wetterdienst AccuWeather, kennt auch der kommende Sommer keine Gnade: Es soll noch trockener und noch heisser werden – die Schweiz liegt angeblich inmitten eines Gebiets von hoher Waldbrandgefahr und langen Hitzeperioden.

Auch das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage ECMWF prognostiziert, dass die Temperaturen zwischen Juni und August 2019 die monatlichen Mittelwerte mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 Prozent übertreffen. Als Vergleichsbasis gilt dabei der Zeitraum ab 1993.

«Die plötzliche Wärme ist auffällig»

Dominik Jung, Diplom-Meteorologe beim Wetterinformationsdienst Wetter.net, schliesst einen Hitzesommer nicht aus. Er macht darauf aufmerksam, dass in der ersten Juniwoche warme Luftmassen aus Spanien und Portugal in die Schweiz strömen, womit Temperaturen von 25 bis 30 Grad möglich sind.

«Die plötzliche Wärme ist sehr auffällig und könnte der Vorbote eines überdurchschnittlich warmen Sommer sein», so Jung. Angesichts des Klimawandels tippe er auf einen wechselhaften Sommer. «Das Wetter schlägt von einem Extrem ins andere: Extreme Hitzephasen wechseln sich mit kühlen Temperaturen, Gewittern und Schauern ab.»

Überdurchschnittliche Niederschläge wären nötig

Fakt ist jedoch, dass bereits ein durchschnittlicher Sommer in der Natur langfristige Schäden verursachen kann, wenn der vorhergehende Sommer extrem trocken und heiss war. In Mauensee LU etwa mangelt es aufgrund der Trockenheit im vergangenen Hitzesommer nach wie vor an Grundwasser.

«Bewegen sich die Temperaturen zwischen 22 und 27 Grad mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge, erholt sich der Grundwasserspiegel nicht. Um das Defizit auszugleichen, wären nämlich überdurchschnittliche Niederschlagsmengen nötig», sagt Ludwig Z'graggen von Meteo Schweiz. Nicht nur die Quellen drohten so, zurückzugehen. «Auch Bäume wie etwa einzelne Fichten könnten absterben, weil sie letztes Jahr unter der extremen Trockenheit litten und sie sich dieses Jahr nicht ausreichend erholen könnten.»

Prognosen treffen auf Skepsis

Auch laut dem Saisonausblick von Meteo Schweiz fallen die kommenden Monate Juni bis August im langjährigen Vergleich eher warm aus. Gleichzeitig merken die Meteorologen aber an, dass Langfristprognosen zur Klimaentwicklung naturgemäss mit einer hohen Unsicherheit behaftet sind. «Mehr als eine allfällige Tendenz für einen warmen Sommer lässt sich daraus nicht ableiten», präzisiert Daniel Gerstgrasser, Meteorologe bei Meteo Schweiz.

Auf die Prognose von AccuWeather reagieren die Schweizer Meteorologen und Klimatologen deshalb auch mit Skepsis. «Solche Prognosen sind ähnlich wie der Blick in die Glaskugel», sagt Stefan Scherrer von Meteonews. Die Daten basierten auf dem amerikanischen Wettermodell, aus dem man einen Trend abgeleitet habe. «Zuverlässig sind Wetterprognosen für einen Zeitraum von fünf bis maximal zehn Tagen, bei ganz stabiler Wetterlage ist gegebenenfalls ein Trend bis 14 Tage möglich», hält Scherrer fest.

«Prognosen für die nächsten drei Monate sind spekulativ»

Reto Knutti, Klimaforscher am Institut für Atmosphäre und Klima an der ETH Zürich, pflichtet bei: «Wetterprognosen für die nächsten drei Monate sind spekulativ.» Je weiter im Voraus eine Prognose erstellt werde, desto unzuverlässiger sei diese. «Im Mai eine Aussage über die künftige Trockenheit des Sommers zu machen, grenzt zudem an Scharlatanerie.» Gerade Niederschläge fielen sehr lokal. «Ist es in Zürich heiss, ist es in Bern auch heiss. Regnet es in Zürich, kann in Bern aber auch die Sonne scheinen.»

Fest steht für Knutti, dass der Klimawandel die Häufigkeit von heissen und trockenen Sommern beeinflusst. «Die Tendenz von heissen Sommern nimmt langfristig zu. Man kann aber kaum sagen, welcher Sommer heiss und trocken wird.»

Gute Aussichten für Auffahrt

Warme Temperaturen und Sonnenschein lassen zurzeit noch auf sich warten. Am Montag erwartet die Schweiz ein Mix aus Sonne, hohen Wolken und Quellwolken. Dabei bleibt es im Mittelland meist trocken. Erst im Laufe des Abends fallen im Osten erste Tropfen. Die Temperaturen erreichen 20 bis 22 Grad. Der Dienstag fällt dann ins Wasser. Es ist meist stark bewölkt und zeitweise nass. Dazu gehen die Höchstwerte auf rund 15 Grad zurück.

«Auch am Mittwoch ist es noch ab und zu nass, für das Auffahrtswochenende sieht es dann aber nicht schlecht aus. Ab Samstag sind Höchsttemperaturen von teils über 25 Grad möglich, dazu scheint oft die Sonne», sagt Stefan Scherrer von Meteonews.

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