Schweizer Corona-Strategie: «Ein zweiter Lockdown wäre das Horrorszenario»
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Schweizer Corona-Strategie«Ein zweiter Lockdown wäre das Horrorszenario»

Israel ist im zweiten Lockdown, auch in Grossbritannien ist ein erneuter Lockdown im Oktober ein Thema. Was muss die Schweiz jetzt tun, damit es bei uns nicht so weit kommt?

von
Daniel Waldmeier
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In Israel machen die Geschäfte wieder dicht, weil die Corona-Pandemie ausser Kontrolle geraten ist. 

In Israel machen die Geschäfte wieder dicht, weil die Corona-Pandemie ausser Kontrolle geraten ist.

Keystone
Auch die Strände sind abgesperrt. 

Auch die Strände sind abgesperrt.

Keystone
Leere Strassen in Jerusalem. 

Leere Strassen in Jerusalem.

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Darum gehts

  • Israel rasselt in einen neuen Lockdown, weitere Länder steuern direkt darauf zu.
  • Politiker und Wissenschaftler wollen es in der Schweiz nicht so weit kommen lassen.

In Israel bleiben Schulen, Kindergärten, Hotels, Einkaufszentren oder Fitnessclubs in den kommenden drei Wochen zu. Die Leute dürfen noch in den Supermarkt oder zum Arzt, dürfen sich aber nur in Ausnahmefällen mehr als einen Kilometer vom Haus entfernen.

Auch in weiteren Ländern werden die Corona-Massnahmen wegen explodierender Ansteckungen wieder verschärft. In Grossbritannien etwa raten Topforscher der Regierung gemäss der «Financial Times» zu einem zweiwöchigen Lockdown im Oktober.

Zweiter Lockdown als «Horrorszenario»

Die Entwicklung im Ausland beunruhigt Schweizer Politiker und Wissenschaftler. Für GLP-Nationalrat Jörg Mäder etwa zeigen die Lockdowns, dass die Pandemie schnell ausser Kontrolle geraten kann und der Staat auf alle Szenarien vorbereitet sein muss. «Derzeit ist es bei uns eher ruhig, was die Hospitalisationen und Todesfälle angeht.» Man wisse aber nicht, ob die Todesrate nicht wieder steige, sodass erneut harte Massnahmen nötig würden: «Das Horrorszenario wäre ein zweiter Lockdown.»

Mäder geht allerdings davon aus, dass die Schweiz dank neuer Erkenntnisse besser reagieren kann als noch im März: «Einige Massnahmen waren übertrieben, weil man nicht wusste, wo Übertragungen passieren. Auch die Spitäler sind heute besser gerüstet.» So könne man mit weniger harten Massnahmen den gleichen Effekt erzielen wie während des Lockdown. «Wir laufen nicht unausweichlich in einen zweiten Lockdown.»

«Massnahmen auf Risikopersonen beschränken»

Laut dem Basler Epidemiologen Marcel Tanner, Mitglied der wissenschaftlichen Covid-Taskforce des Bundes, ist die Schweizer Strategie von Tests und Tracing derzeit erfolgreich. «Eine zweite Welle ist da, wenn man nicht mehr feststellen kann, wo Übertragungen stattfinden, um gezielt zu intervenieren. Die Kantone müssen dies um jeden Preis verhindern.» Gelinge dies nicht, seien auch in der Schweiz breitflächige Lockdowns nicht auszuschliessen.

Denkbar wären laut Tanner mildere und stufenweise Varianten, nicht wie im Frühjahr, als die Politik überrumpelt worden sei: Lockdowns etwa, die auf eine Gemeinde oder eine Region beschränkt sind, um lokale Ausbrüche unter Kontrolle zu bringen. «Es müssten auch nicht zwingend alle Läden schliessen. Man könnte die Massnahmen zum Beispiel auf Risikopersonen beschränken.» Für Tanner ist klar, dass es nicht zu einem zweiten nationalen Lockdown kommen darf: «Das wäre sozial und wirtschaftlich fatal.»

Bersets Strategie

Gesundheitsminister Alain Berset schloss kürzlich in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» nicht aus, dass in der Grippesaison grössere Versammlungen wieder eingeschränkt würden. Laut Berset muss ein zweiter Lockdown jedoch um jeden Preis verhindert werden: «Es muss uns gelingen, dies mit leichteren, gezielteren und möglichst regionalen Massnahmen sowie einem guten Contact-Tracing zu verhindern.»

Massiver Einbruch der Wirtschaft

Wegen der Corona-Krise schrumpft der Wohlstand in der Schweiz: Das Staatssekretariat für Wirtschaft rechnet im laufenden Jahr wegen der Corona-Krise mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Schweiz um rund 5 Prozent. Im zweiten Quartal 2020 ging das Bruttoinlandprodukt um 8,2 Prozent zurück. Auch die Arbeitslosigkeit ist wegen der Corona-Krise gestiegen.

Deine Meinung

733 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Oje

20.09.2020, 23:19

Ist die Komödie immer noch nicht zu Ende?

Adelina

20.09.2020, 14:25

Wer ist gelangweilt? Suchen Sie hier nach Mätressen für den Abend. Seite - Getbаdgіrl.соm 💞

Beobachter

20.09.2020, 12:01

Kultur und Infektionsrate hangen offenbar zusammen.