Aktualisiert 27.07.2015 17:01

Basel-LandschaftEinbrecher holen sich teure Velos aus Kellern

In mehreren Gemeinden des Kantons werden seit einigen Wochen die Velokeller von Wohnblocks ausgeräumt. Die fachkundigen Täter gehen dabei äusserst gezielt vor.

von
cs
Immer mehr Keller- und Veloabstellräume in Mehrfamilienhäusern werden Opfer von Einbrechern. Die Täter verschaffen sich oft via Tiefgarage Zugang zu den Räumlichkeiten.

Immer mehr Keller- und Veloabstellräume in Mehrfamilienhäusern werden Opfer von Einbrechern. Die Täter verschaffen sich oft via Tiefgarage Zugang zu den Räumlichkeiten.

Seit mehreren Wochen kommt es in Baselbieter Gemeinden gehäuft zu Kellereinbrüchen in Mehrfamilienhäusern. Allein in Allschwil wurden laut Angaben der Behörden zwischen dem 1. Februar und dem 8. Juli 2015 gesamthaft 42 Fälle von Einbrüchen in Kellerräumlichkeiten gemeldet – davon allein 28 Fälle seit Anfang Juni.

Laut Polizei Basel-Landschaft sind vor allem grenznahe Gemeinden betroffen. «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Täter vom Elsass her über die Grenze kommen», sagt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin auf Anfrage. Allerdings habe man zur Täterschaft bislang noch überhaupt keine Hinweise.

«Schwachstelle Tiefgarage»

Die Täter brechen dabei in den meisten Fällen in Kellerabteile und Velokeller ein und entwenden Zweiräder – oft besonders hochwertige Exemplare. «Die Täter gehen äusserst minutiös vor. Es macht den Anschein, als ob sie bereits im Vorfeld wissen, welche Velos sie sich schnappen oder zumindest das Wissen haben, wertvolle von normalen Rädern zu unterscheiden», bestätigt Stöcklin. Solche High-End-Velos können einen Wert bis zu 15'000 Franken haben. Doch bei Velos allein bleibt es nicht. Auch Maschinen und Wein entwenden die Diebe aus den Kellerräumlichkeiten.

Mehrfamilienhäuser mit Tiefgaragen sind für die Diebe leichte Ziele. Die Täter bräuchten laut Stöcklin nur zu warten, bis ein Fahrzeug in die Garage fährt oder diese verlässt: So bekämen die Täter ohne Lärm und Aufwand direkten Zugang zum Gebäude. In den geschützten Räumlichkeiten gehen sie dann ans Werk. «Das sind Profis. Die brauchen nur wenige Minuten und sind wieder weg», sagt Stöcklin. Und sie kommen nicht etwa nachts, sondern am hellichten Tag: Am häufigsten schlugen die Diebe über den Mittag oder am frühen Abend zu.

«Kein Schloss ist unknackbar»

Laut Veloexperten gibt es keine Variante, mit man einen Diebstahl mit einem Schloss verhindern könnte: «Es gibt kein Veloschloss, dass nicht geknackt werden kann. Mit einem Winkelschleifer öffnet man jedes Schloss innerhalb einer Minute», bestätigt Dominique Metz von Pro Velo Schweiz. Klar gebe es grosse Qualitätsunterschiede, aber unüberwindbar sei keines.

Ob das Velo zum Zeitpunkt des Einbruchdiebstahls abgeschlossen war oder nicht ist versicherungstechnisch relevant. Laut Tanja Roth, Mediensprecherin der Mobiliar Schweiz, komme es darauf an, ob der Veloraum im Gebäude frei zugänglich ist oder nicht: «Wenn man einen Schlüssel braucht, um in den Veloabstellraum zu kommen, muss man das Velo nicht abschliessen. Wenn der Abstellraum allerdings frei zugänglich ist, sollte man das Velo zusätzlich sichern», so Roth. Das gelte ansonsten als Fahrlässigkeit – spätestens im Wiederholungsfall müssen Bestohlene mit Abzügen seitens der Versicherung rechnen.

Anzeige via Online-Plattform

Die Polizei bittet darum Anwohner und Bevölkerung zur Vorsicht. «Besonders beim Öffnen von Tiefgaragen appellieren wir an die Menschen, die Augen offen zu halten und zu warten, bis das Tor sich hinter einem wieder schliesst», so Stöcklin. Jede verdächtige Beobachtung, sei es eine Person oder auch nur ein Geräusch, solle man so rasch wie möglich melden. Zusätzlich empfiehlt die Polizei den Velobesitzern, die Rahmennummer ihres Velos zu notieren, das Velo nach Möglichkeit zu fotografieren und jeden Diebstahl sofort anzuzeigen. Dies kann auch via Online-Plattform «Suisse ePolice» erfolgen.

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