Aktualisiert 08.03.2004 23:39

Einbürgerungs-Test vor laufenden TV-Kameras

Ein Tamile wird vor laufender Kamera eingebürgert. Eine neue Fernseh-Show? Nein, Ostermundigen BE demonstriert den umstrittenen Deutschtest, der über den roten Pass mitentscheidet.

«Joseph Deiss». Leise beantwortet Tamile G. die Frage nach dem Bundespräsidenten. Fünf Kameras und sieben Mikrofone sind auf

G. gerichtet: Er hat sich bereit erklärt, seinen Einbürgerungstest öffentlich abzulegen.

Das Interesse der Medien und Politiker ist gross. Denn: Ostermundigen testet als erste Gemeinde die Deutschkenntnisse bei Einbürgerungen – versuchsweise seit Anfang Jahr. «Wir wurden vom Echo überrascht», sagt Gemeinderätin Ursula Norton. «Wir hatten über hundert Anfragen von Gemeinden aus der ganzen Schweiz.»

Im schriftlichen Deutschtest muss G. Aufgaben lösen wie: «Ich wünsche Ihnen einen .... Tag!». Oder: «.... liegt die Zeitung?» 30 Punkte sind das Maximum, wer 17 erreicht, hat bestanden. «Der Test bringt mehr Objektivität», ist Peter Burkhardt, Chef Öffentliche Sicherheit, überzeugt. «Er soll aber kein Killerkriterium werden, sondern ein Mosaikstein bleiben.» Wers nicht schafft, soll nochmals die Schulbank drücken. Erste Zwischenbilanz: Fünf von 28 Personen konnten den Test nicht lösen. Übrigens: G. erreichte 29 von 30 Punkten – trotz des Medienrummels.

Andrea Abbühl

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