Eigenwillige Fragen: Einbürgerungstest sorgt für Kopfschütteln

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Eigenwillige FragenEinbürgerungstest sorgt für Kopfschütteln

Ausländer, die Schweizer werden wollen, müssen hohe Hürden meistern. Eine richtige Herausforderung wird es aber, wenn man Frutiger werden will.

von
Mira Weingartner
Fragen rund um Frutigen werden im zusätzlichen Test der Gemeinde gestellt.

Fragen rund um Frutigen werden im zusätzlichen Test der Gemeinde gestellt.

Was bedeutetet das Frutiger Wappen, welche Spissen führen Richtung Adelboden oder welches sind die wichtigsten örtlichen Unternehmen? Auf solche Fragen müssen Ausländer, die in Frutigen den roten Pass mit weissem Kreuz beantragen, eine Antwort wissen. Ob da nicht sogar die heimischen Urgesteine in Verlegenheit geraten?

Nebst dem vom Kanton vorgeschriebenen Einbürgerungstest führt die Gemeinde unterhalb der Niesenkette nämlich zusätzlich einen eigenen schriftlichen Test über das Dorfleben durch – und entwirft nun auch eine Prüfung für ausländische Schulkinder, die bei der Gemeinde ein eigenständiges Gesuch stellen. «Bis anhin mussten die 11- bis 15-Jährigen, die ein eigenständiges Einbürgerungsgesuch ohne Einbezug der Eltern einreichten, die selben Fragen wie die Erwachsenen beantworten», so Erika Thönen vom Frutiger Einwohneramt. Und diese waren happig: «Ich war überrascht, wie schwierig die gestellten Fragen sind», sagt eine eingebürgerte Person im breiten Frutigländer Dialekt zu 20 Minuten. «Sogar meine Schweizer Freunde wussten die Antworten nicht.» So soll der Test in diesem Jahr zumindest für die Kinder ihrem Alter entsprechend angepasst werden.

Stirnrunzeln in Berner Gemeinden

«In ländlichen Gemeinden ist es wichtiger als in einer Grossstadt wie Bern, dass man eine Ahnung von lokaler Geografie, Brauchtum und Kultur hat», so Thönen, «wir sind hier noch eine Gemeinschaft.» Im nahegelegenen Thun findet man einen solchen Test jedoch unnötig: «Die obligatorischen Fragen verlangen den Gesuchstellern bereits genügend Schweizerisches Allgemeinwissen ab», so Karin Ochsenbein, Leiterin der Thuner Einwohnerdienste. Auch in der Stadt Bern runzelt man die Stirn: «Eine Überprüfung der Integration muss von den Gemeinden erfolgen, dabei geht es in erster Linie um Werte, die wir in der Schweiz vertreten», so der Berner Polizeiinspektor Jean-Claude Hess. So sind normalerweise Schweizer Tugenden wie Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit wichtiger als ortstypische Speisen wie der Frutiger Blaukuchen, der ebenfalls in einer Testfrage auftauchte.

Ob der Frutiger Test überhaupt rechtens ist, kann Karin Schifferle vom Amt für Migration und Personenstand nicht einschätzen. Gemeinden hätten zwar eine Autonomie für die Eignungs-Abklärungen, «in der Regel erfolgt dies aber in einem persönlichen Gespräch», sagt Schifferle zum «Bund». Dienstchefin Thönen begründet das umstrittene Verfahren: «Mit dem schriftlichen Test hat die Gemeinde ein Instrument in der Hand, mit dem sie die Integration der Einbürgerungswilligen messen kann.»

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