Frida Kahlo: Eine 103-Jährige würde heuer 100 werden
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Frida KahloEine 103-Jährige würde heuer 100 werden

Eigentlich wurde die mexikanische Malerin Frida Kahlo 1907 geboren. Doch da sie ihr Geburtsdatum auf 1910 festlegte, wäre ihr 100. Geburtstag erst dieses Jahr.

von
Susanne Gabriel

Stolz, tapfer, unabhängig und schön selbst im Leiden, so hat sich Frida Kahlo stets präsentiert. Als eigenwillige Malerin im Mexiko der 1930er und 40er Jahre, die auf die Liebschaften ihres Mannes Diego Rivera mit eigenen Affären reagierte. So ist sie zu einer Ikone der Frauenbewegung geworden und hat Rivera längst an Berühmtheit übertroffen. Aber ihre Werke zeigen auch eine andere Seite: Eine zerrissene Persönlichkeit voller Abgründe, gefangen in einer entwürdigenden, selbstzerstörischen Beziehung zu einem 20 Jahre älteren Frauenhelden, der sie mit der eigenen Schwester betrog.

Am 6. Juli würde Frida Kahlo ihren 100. Geburtstag feiern: Eigentlich 1907 geboren, legte sie ihr Geburtsjahr selbst auf 1910 fest - in Gedenken an die mexikanische Revolution. Ihr Vater, ein gebürtiger Deutscher, der nach Mexiko ausgewandert war, verdiente sein Geld überwiegend als Fotograf. Die Familie lebte in Coyoacán, damals ein Vorort von Mexiko-Stadt. In ihrem Elternhaus, dem sogenannten Blauen Haus, sollte Frida 1954 auch sterben.

Aus Langeweile Bilder gemalt

Ein Busunfall im Jahr 1925 bestimmte fortan ihr Leben: Bei dem Unglück bohrte sich eine Stahlstange durch ihr Becken. Monatelang war sie ans Bett gefesselt. Zwar konnte sie später wieder laufen, litt aber Zeit ihres Lebens an den Folgen der Verletzungen. «Es hängt mir zum Hals heraus, so gebrechlich zu sein wie eine alte Frau. Ich führe ein Leben als Blumentopf und komme nicht über den Balkon hinaus; mir ist sooooo langweilig!», schrieb sie ihrem damaligen Freund Alejandro Gomez Arias.

Vor lauter Langeweile begann sie, im Bett liegend, zu malen. Das erste Bild wird auf 1926 datiert. Ihr liebstes Motiv war sie selbst: Von den knapp 200 Werken, die sie bis zu ihrem Tod schuf, waren etwa ein Drittel Selbstporträts.

Vor allem mit diesen Bildern ist sie berühmt geworden; sie verarbeitete darin immer wieder ihren Unfall, die schweren Verletzungen, die Operationen, die sie über sich ergehen lassen musste - mehr als 30 in weniger als 30 Jahren - die Fehlgeburt und die Abtreibungen, die sie auf Anraten der Ärzte vornehmen liess, weil ihr geschwächter Körper eine Schwangerschaft nicht durchgestanden hätte. Und natürlich ihre Beziehung zu Diego Rivera.

Betrogen mit der eigenen Schwester

Als sich Frida und Diego kennenlernten, war er bereits ein über die Landesgrenzen hinweg berühmter Maler. 1929 heirateten die beiden. Die Beziehung war von Anfang an schwierig - immer wieder hatte Rivera Affären. Im Jahr 1934 - während der dritten Schwangerschaft Frida Kahlos - begann er eine Liaison mit ihrer jüngeren Schwester Cristina, mit der Frida sehr eng verbunden war. Es war ein Schock für sie, und sie trennte sich vorübergehend von Rivera.

Nach der Versöhnung unterstützte sie gemeinsam mit Rivera den russischen Revolutionär Leo Trotzki, der zeitweise im Blauen Haus wohnte. Mit Trotzki hatte sie eine kurze Liebesaffäre, sehr viel tiefer ging die Beziehung zum Fotografen Nickolas Muray, von dem auch viele der Fotos von Frida Kahlo stammen.

In all den Jahren beschäftigte sich Frida Kahlo auch viel mit ihrer eigenen Malerei. 1931 wurden ihre Bilder in den USA erstmals öffentlich gezeigt, 1937 nahm sie an einer Ausstellung in Mexiko-Stadt teil, ein Jahr später an einer in New York. Zu dieser Zeit wurde der Surrealist André Breton auf sie aufmerksam, der in ihren Bildern surrealistische Elemente erkannte. Frida widersprach. Sie sei keine Surrealistin erklärte sie: «Ich male keine Träume. Das, was ich male, ist meine eigene Wirklichkeit.»

Weitermalen - ans Bett gefesselt

1939 liessen sich Frida Kahlo und Diego Rivera scheiden, heirateten aber ein Jahr später erneut. «In meinem Leben gab es zwei grosse Unfälle», erklärte Frida Kahlo einmal. «Der erste war der Bus, der zweite war Diego Rivera.»

Schliesslich zog das Ehepaar ins Blaue Haus nach Coyoacán. Frida Kahlos gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich zusehends, zugleich wurde ihre Kunst immer mehr anerkannt. 1943 erhielt sie einen Lehrstuhl an der Kunstschule La Esmeralda, unterrichtete ihre Schüler aber häufig bei sich daheim, weil sie das Haus nicht verlassen konnte. 1946 erhielt sie den Nationalpreis für Malerei vom Kultusministerium.

Allein im Jahr 1950 wurde sie sieben Mal an der Wirbelsäule operiert, nach der Entlassung aus dem Krankenhaus war sie an den Rollstuhl gefesselt. Sie malte weiter, bettlägrig. Gegen die Schmerzen musste sie starke Medikamente einnehmen, ausserdem trank sie viel Alkohol. Als 1953 die erste Einzelausstellung ihrer Bilder in Mexiko stattfindet, liess sie sich in einem Bett zur Eröffnung tragen. Kurz darauf musste ihr rechter Fuss amputiert werden. Als sie am 13. Juli 1954 nach einer Lungenembolie starb, wurde nich tausgeschlossen, dass sie Selbstmord begangen hatte. In ihren Tagebuchaufzeichnungen hatte sie so etwas angedeutet. Diego Rivera, der seine Frau um drei Jahre überlebte, lehnte eine Obduktion ab.

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