26.10.2020 19:39

Unfallfahrer lässt Auto einfach stehen«Eine absolute Katastrophe, das Auto einfach auf der A2 zurückzulassen»

In Buochs NW verursachte ein 20-jähriger Autofahrer einen Unfall auf der Autobahn. Er verliess den Unfallort und meldete sich erst elf Stunden später bei der Polizei. Ein Verkehrsexperte sagt, welche Motivation diesem Verhalten zugrunde liegen könnte.

von
Martin Messmer
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So fand die Polizei den verlassenen Sportwagen auf der A2 bei Buochs NW am Samstag um 3 Uhr.

So fand die Polizei den verlassenen Sportwagen auf der A2 bei Buochs NW am Samstag um 3 Uhr.

Kapo NW
«Ich glaube, der Unfallverursacher geriet in Panik und fürchtete sich vor den Konsequenzen», sagt Verkehrspsychologe Uwe Ewert.

«Ich glaube, der Unfallverursacher geriet in Panik und fürchtete sich vor den Konsequenzen», sagt Verkehrspsychologe Uwe Ewert.

Kapo NW
Der Unfall geschah bei Buochs NW in Fahrrichtung Süden auf der A2.

Der Unfall geschah bei Buochs NW in Fahrrichtung Süden auf der A2.

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Darum gehts

  • Am Samstag verursachte ein 20-jähriger Mann einen Selbstunfall auf der A2 bei Buochs. Sein Auto liess er einfach stehen. Elf Stunden später meldete er den Unfall.

  • Er zeigte sich geständig und reuig, heisst es bei der Polizei auf Anfrage.

  • Ein Verkehrspsychologe spricht von einem «absolut irrationalen Verhalten, wie man es nicht oft sieht bei Unfällen wie hier, wo massiver Sachschaden entstand».

Mitten auf der Autobahn, ohne Licht, das vordere linke Rad weggerissen: So fand eine Patrouille der Nidwaldner Kantonspolizei am Samstagmorgen um 3 Uhr auf der A2 bei Buochs NW einen Unfall-Sportwagen vor. Vom Fahrer hingegen keine Spur. Dieser meldete sich erst elf Stunden später auf einem Polizeiposten, am Samstagnachmittag um 14 Uhr. Er und seine Beifahrerin wurden nicht verletzt.

Wie es am Montag auf Anfrage bei der Nidwaldner Kantonspolizei hiess, sei der 20-Jährige alleine auf dem Posten erschienen. «Er war geständig und reuig», sagte Pius Bernasconi, Stv. Leiter Verkehrs- und Sicherheitspolizei Nidwalden auf Anfrage. Das Kontrollschild habe der Mann am Auto belassen. Der Sportwagen sei nicht auf den Unfallverursacher eingelöst, sagt Bernasconi weiter. Weitere Auskünfte machte er mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.

«Vielleicht waren Drogen oder Alkohol im Spiel»

Dafür kann ein Verkehrspsychologe vermuten, warum der Junglenker wie beschrieben reagiert haben könnte: «Ein Unfall ist immer eine absolute Ausnahmesituation und ein ziemlicher Schock. Möglicherweise waren auch Drogen oder Alkohol im Spiel. Ich glaube, der Unfallverursacher geriet in Panik, fürchtete sich vor den Konsequenzen und dachte nur noch, Hauptsache weg», sagt Uwe Ewert. Das Vorstandsmitglied der Schweizerischen Vereinigung für Verkehrspsychologie spricht von einem «absolut irrationalen Verhalten, wie man es nicht oft sieht bei Unfällen wie hier, wo massiver Sachschaden entstand. Führerflucht sieht man viel häufiger bei Unfällen, wo es nur zu ganz geringen Sachschäden kommt».

«Auto einfach stehen lassen, das hätte schlimme Folgen haben können»

Rechtlich gesehen indes sei der vorliegende Fall gar keine Führerflucht, da es zum Glück keine verletzten oder gar getöteten Personen gab. Sonder es handle sich um «Nichtgenügen der Meldepflicht, was weniger gravierend ist und mit Geldbusse bestraft ist». Erschwerend aber könne beim Strafmass der Umstand hinzukommen, dass das Auto mitten auf der Autobahn zurückgelassen wurde. «Das zu tun, war eine absolute Katastrophe, das hätte schlimme Folgen haben können», sagt Verkehrspsychologe Ewert weiter.

Auch über die Gründe, warum der Mann sich elf Stunden nach dem Selbstunfall doch noch meldete, könne man nur spekulieren: «Es könnte sein, dass er zuerst ausnüchtern wollte, oder einfach darüber schlafen. Oder vielleicht hat ihm jemand gesagt, dass es sowieso aussichtslos ist, da ihn die Polizei ohnehin ermitteln würde.» Möglich sei auch eine «gewisse Einsicht. Aber sich erst nach elf Stunden zu melden, dass ist schon sehr spät. Ich weiss nicht, ob dies noch strafmildernd bewertet wird, er hätte auch deutlich früher reagieren können».

Derweil läuft die Untersuchung gegen den Unfallverursacher. Der Führerausweis wurde ihm zuhanden der Administrativbehörde vorläufig abgenommen.

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