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«Gangster mit Diplom»Eine Akademie für professionelle Einbrecher

Einbrecher sind in der ganzen Schweiz auf Beutezug. Zuvor werden sie in einer «Akademie» ausgebildet. Die rumänische Polizei fand dafür einen Beleg.

Brutal und rücksichtlos: Ein Gangster überfällt die Bijouterie Kirchhofer in Bern im März 2007.

Brutal und rücksichtlos: Ein Gangster überfällt die Bijouterie Kirchhofer in Bern im März 2007.

In Banden organisierte Einbrecher gehen unglaublich professionell vor. Das musste auch Johannes Maag Inhaber der Bijouterie Zinniker in Zollikon ZH erfahren. Der 55-Jährige wurde brutal ausgeraubt – zum dritten Mal, wie er im «Sonntagsblick» erzählt. Die Räuber hätten ihn gefesselt und ihn so gezwungen zuzuschauen, wie sie sein Geschäft plünderten. Die Männer seien nach nur drei Minuten mit Uhren und Schmuck im Wert von rund 100'000 Franken geflüchtet, die Fahndungsanstrengungen der Polizei bis heute erfolglos geblieben.

Hinter allen drei Überfällen auf Bijoutier Maag steckten «organisierte Räuberbanden aus dem Ausland», die in der Schweiz regelmässig auf Beutetour seien, schreibt der «Sonntagsblick». Dabei erlernten die Einbrecher ihr Handwerk und das professionelle Vorgehen in einer kriminellen «Akademie» in Osteuropa. Das zeige ein Handbuch, das die

rumänische Polizei im letzten Jahr fand. «Die Schweiz hat seit Anfang 2014 Kenntnis von der ‹Akademie›», bestätigt ein Sprecher vom Bundesamt für Polizei (Fedpol) der Zeitung.

Gegenüber 20 Minuten hält Sprecher Alexander Rechsteiner allerdings fest: «Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen waren die ‹Abgänger› dieser ‹Akademie› bis heute in der Schweiz nicht deliktisch tätig.» Mehr noch: Sie ist laut Rechsteiner gar nicht mehr aktiv.

Strenger Drill an der Einbrecher-Schule

In dem Buch ist laut «Sonntagsblick» folgendes festgehalten: Potenzielle Mitglieder müssen zwischen 18 und 26 Jahre alt und mindestens 1,60 Meter gross sein. Wer diese Anforderungen erfüllt, verpflichtet sich vertraglich für zehn Jahre als professioneller Räuber. Der Vertrag hält zudem fest, dass der Unterzeichner sich den Risiken seines künftigen «Arbeitsgebietes» bewusst ist: Gefängnisstrafen oder das Risiko, dass von der Polizei auf einen geschossen werde, sind offenbar explizit festgehalten.

Innerhalb der «Einbrecher-Schule» herrscht eine strenge Hierarchie. Ein Chef befehligt so genannte Offiziere, welche die angehenden Einbrecher anweisen. Wer einen Befehl missachte, müsse vor eine Kommission treten und mit harten Strafen rechnen. «Militärischer Drill, so das Kalkül der Ausbildner, macht die Absolventen der kriminellen Akademie zu schwer besiegbaren Gegnern für die europäische Polizei», schreibt der «Sonntagsblick».

Keine Chance gegen die «Gangster mit Diplom»

Die Räuber müssen auf der «Akademie» einen strengen Trainingsplan einhalten – täglich 200 Liegestützen, Rumpfbeugen sowie Crosslauf – damit sie für spätere Fluchten fit genug seien und die Polizei abhängen könnten.

«Die Räuber werden immer brutaler und dreister», sagt der überfallene Bijoutier Johannes Maag im «Sonntagsblick». Gegen die «Gangster mit Diplom» hätten Schweizer Bijoutiers kaum eine Chance.

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