06.11.2019 07:37

Doktor Sex«Eine Beziehung und guter Sex – geht das?»

Dimitri leidet, da seine langjährige Freundin die Prioritäten anders setzt als er, wenn es um Lust und Leidenschaft geht.

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Die Sexvorstellungen von Dimitri (35) stimmen nicht mit denjenigen seiner Freundin überein, dies bereitet ihm je länger, je mehr Mühe.

Die Sexvorstellungen von Dimitri (35) stimmen nicht mit denjenigen seiner Freundin überein, dies bereitet ihm je länger, je mehr Mühe.

Katarzynabialasiewicz

Frage von Dimitri (35) an Doktor Sex: Ich habe seit acht Jahren eine Beziehung. Wir lieben uns und haben viele gemeinsame Interessen. Aber beim Sex ist es schwierig. Schon nach drei Jahren hatten wir nur noch monatlich Sex. Heute ist es oft noch weniger und immer muss ich die Initiative ergreifen. Ich denke, sie hat nur noch Sex mit mir, um mich bei der Stange zu halten.

Ich vermisse ihre Leidenschaft und das Gefühl, dass sie Sex will. Und ich vermisse es, begehrt zu werden! Diese Unzufriedenheit wirkt sich negativ auf den Alltag, mein Selbstwertgefühl und die Beziehung aus. Ich habe meine Bedenken auch schon angesprochen. Sie meinte, der Sex mit mir sei zwar gut, aber ihr halt nicht so wichtig.

Ich frage mich: Ist es überhaupt möglich, eine langjährige Beziehung und guten Sex zu vereinbaren, oder muss ich mich vielleicht zwischen Beziehung und Sex entscheiden? Könnte in meinem Fall eine offene Beziehung eine Lösung sein?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Dimitri

Du benutzt in deiner Frage den Begriff Sex so, als ob damit eindeutig klar wäre, worum es geht. Beim Lesen zeigt sich dann jedoch, dass du damit eine Vielzahl von unterschiedlichsten Bedürfnissen verbindest.

Ich erlebe in meinem Beratungsalltag oft, dass auf den Sex alle möglichen bewussten und unbewussten Wünsche und Sehnsüchte projiziert werden.

Dass das körperliche Zusammensein mit allerlei Ansprüchen und Bedürfnissen aufgeladen wird, die aber nicht wirklich etwas damit zu tun haben oder zumindest nicht zwingend durch Sex befriedigt werden müssten, lässt viele Menschen leiden. Und führt in Beziehungen zu endlosen Diskussionen und Machtkämpfen.

Erst wenn das beidseitige Bedürfnis nach Gesehen-und-Angenommen-werden auf körperlicher Ebene ins Zentrum rückt, kommt Bewegung in die Sache und es wird Verständigung möglich. Lösungsideen, die letztlich nur Symptombekämpfung sind – wie beispielsweise die erwähnte offene Beziehung –, treten dann in den Hintergrund.

Letztlich können nur ehrliche Gespräche und schonungslos kritische Selbstreflexionen zu einer Lösung führen. Und auch diese wird immer nur vorübergehend sein, da sich die Bedürfnisse von Menschen lebenslang verändern.

Du scheinst mir ziemlich abhängig zu sein vom Verhalten deiner Freundin. Es dürfte daher Sinn machen, einmal etwas genauer bei dir selbst hinzuschauen, statt die Lösung ausserhalb, also bei deiner Freundin und dem Sex zu suchen.

Nichts währt für immer und es gibt Bedürfnisse und Sehnsüchte, die letztlich unerfüllbar sind, da sie jenseits dessen angesiedelt sind, was ein Partner leisten oder mit Geld gekauft werden kann. Dies zu erkennen, ermöglicht einen Perspektivenwechsel und geistig-spirituelles Wachstum. Alles Gute!

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