Aktualisiert 14.03.2014 16:33

Neues ProjektEine Chance für junge Frauen mit Kind

Junge Mütter werden auf dem Arbeitsmarkt oft benachteiligt. Mit dem neuen Projekt «MiA-Innerschweiz» erhalten die Frauen Unterstützung und werden auf das Berufsleben vorbereitet.

von
Sarah Weissmann

16 Frauen, alle unter 26, ohne Berufsausbildung und mit Kind – das sind die Teilnehmerinnen des Projektes MiA (Mütter in Ausbildung). Anyela (19) ist eine von ihnen: Sie ist in Argentinien geboren, ihre Eltern kamen mit ihr in die Schweiz , als sie ein Jahr alt war. Später kehrten sie nach Argentinien zurück – die damals 14-jährige Anyela musste mit. Doch: Sie sprach damals kaum spanisch. «Ich konnte in Argentinien nicht zur Schule gehen. Es gab keinen Anschluss für mich.» Mit 16 wurde sie ungewollt schwanger und brachte Lucas zur Welt. «Für mich war klar, dass ich wieder zurück in die Schweiz gehen werde. Es ist mir wichtig, dass mein Sohn eine gute Schulbildung bekommt», erzählt sie. Anyela verfolgte ihr Ziel und liess es Realitiät werden: Mit 18 kam sie zusammen mit ihrem Sohn zurück in die Schweiz – ohne ihre Eltern.

Ein mutiger Schritt. Denn nun galt es ohne Schulabschluss und mit Kind einen Ausbildungsplatz zu finden. «Meine Berufsberaterin gab mir die Informationen über das MiA-Projekt und ich bin megaglücklich, dass ich diese Chance bekommen habe.»

«Die Frauen erhalten Strukturen»

MiA-Innerschweiz ist für junge Frauen, die noch vor der ersten Berufsausbildung ein Kind zur Welt bringen. Denn: Diese Frauen haben eine geringere Chance auf eine Arbeitsstelle, da sie im Bewerbungsverfahren gegenüber Frauen ohne Kindern benachteiligt werden. «Wir helfen den jungen Müttern bei der Berufsfindung und unterstützen sie bei der Suche nach einer Lehrstelle», erklärt Bettina Bach (43), Projektleiterin MiA. Die Begleitung dauert ein Jahr und ist ähnlich wie ein Schulbetrieb im 50-Prozent-Pensum: «Die Frauen erhalten bei uns eine Struktur, und in dieser müssen sie sich beweisen. Pünktlichkeit und Verbindlichkeit sind wichtige Aspekte», sagt Bach weiter. «Und wer sich nicht an die Strukturen hält, kann auch rausfliegen.»

Neben der Hilfe im Bewerbungsverfahren werden die jungen Mütter auch bei alltäglichen Fragen unterstützt: «Während der gemeinsamen Zeit ist uns aufgefallen, dass die Frauen dankbar sind für verschiedenste Tipps, wie sie ihr Alltag bewältigen können. Deshalb haben wir zum Beispiel eine Ernährungsberaterin organisiert.» Auch Themen wie Work-Life-Balance, sexuelle Gesundheit, Erste Hilfe oder Fremdbetreuung der Kinder werden besprochen.

MiA ist ein Projekt der Albert Koechlin Stiftung, startete im August 2013 und läuft bis Juli 2014. Das nächste Schuljahr beginnt im August 2014 – mit neuen Teilnehmerinnen. Die Kosten werden individuell geklärt und bei den Frauen, die Sozialhilfe beziehen, vom Sozialamt übernommen. Auch nach dem Projekt werden die Frauen weiter begleitet: «Das ist wichtig für die Frauen und die Arbeitgeber. So haben beide einen Ansprechpartner», erklärt Bach.

«Ich hab eine Stelle»

Das Projekt zeigt Wirkung: Anyela schrieb mehrere Bewerbungen und konnte in verschiedenen Unternehmen schnuppern. «Wir haben den Arbeitgebern alles offen dargelegt und es hat geklappt. Ich habe jetzt eine Stelle als Sanitärinstallateurin und kann im August starten», erzählt sie glücklich. Lucas würde während dieser Zeit in der Kita betreut. Auch Bach zeigt sich stolz: «Anyela wurde vom Arbeitgeber sehr gelobt, das freut mich natürlich.»

Für die anderen Mütter im Kurs zeigt sich das Projekt ebenso erfolgreich: Sechs der 16 Frauen haben bereits eine Lehrstelle gefunden. Debora ist 24 und hat einen 4-jährigen Sohn. Sie beginnt im August eine KV-Lehre. «Ich wusste nicht, wie mein Weg aussehen könnte. Durch MiA konnte ich den ersten Schritt in die richtige Richtung machen.» Auch Olivia (21) ist glücklich: «Ich durfte schnuppern und bin jetzt mit einem Betrieb in den Verhandlungen. Wenn das klappt, habe ich eine Stelle als Polygrafin.» Bach ist es wichtig, dass auch die Arbeitgeber sensibilisiert werden und den jungen Mütter eine Chance geben. Sie ist überzeugt: «Wenn sich die Frauen in unseren Strukturen beweisen können, finden alle eine Ausbildungsstelle.»

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