Infektionsgefahr: «Eine Corona-Impfung für Kinder ist ethisch fragwürdig»
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Infektionsgefahr«Eine Corona-Impfung für Kinder ist ethisch fragwürdig»

Um die Pandemie aufzuhalten sollen auch Minderjährige bald gegen Corona geimpft werden, fordern Experten – obwohl eine Erkrankung meist schwach verläuft. Doch inwiefern können Kinder mitbestimmen?

von
Céline Krapf
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Auch Kinder sollen bald geimpft werden, sagen Experten.

Auch Kinder sollen bald geimpft werden, sagen Experten.

Tamedia
Dies, weil eine Studie gezeigt hat, dass gegen das Coronavirus geimpfte Personen deutlich weniger ansteckend sind.

Dies, weil eine Studie gezeigt hat, dass gegen das Coronavirus geimpfte Personen deutlich weniger ansteckend sind.

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Sollte sich dies bestätigen, müsste allenfalls die Impf-Strategie angepasst werden.

Sollte sich dies bestätigen, müsste allenfalls die Impf-Strategie angepasst werden.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Neue Erkenntnisse zeigen, dass gegen das Coronavirus geimpfte Personen deutlich weniger ansteckend sind.

  • Sollte sich dies bestätigen, müsste allenfalls die Impf-Strategie angepasst werden, sagen Experten.

  • Dass Kinder gegen Corona geimpft werden sollten, ist umstritten.

Trotz schwacher Krankheits-Verläufe sollen Kinder gegen Corona geimpft werden, damit sie das Virus nicht weiterverbreiten. Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, sprach sich für eine Kinderimpfung aus, die Vakzin-Hersteller arbeiten bereits an entsprechenden Tests. Aber ist dies ethisch vertretbar? Und inwiefern können Kinder dabei mitreden?

In der Praxis unterscheide sich die Entscheidungsfindung bezüglich Impfung nicht von anderen Massnahmen, wie zum Beispiel Blutentnahme oder Röntgenaufnahme, sagt Heidi Zinggeler Fuhrer, Vize-Präsidentin Haus- und Kinderärzte Schweiz. «Mit einer Sechzehnjährigen können Nutzen und Risiken diskutiert werden, sie kann selber über eine Impfung entscheiden. Ein Zehnjähriger kann das nur in sehr eingeschränktem Masse, jüngere Kinder können bezüglich Impfung nicht selber entscheiden», sagt die Ärztin. «Diese Verantwortung dafür müssen die Eltern übernehmen – auch dann, wenn das Kind nicht einverstanden ist.»

«Die Meinung des Kindes muss zwingend berücksichtigt werden», sagt Anu Sivaganesan, Präsidentin der Kinderlobby Schweiz. Kinder sollten altersadäquate Entscheidungsmöglichkeiten haben, insbesondere wenn es um körperliche Eingriffe gehe. «In der Pflicht sind Eltern, andere Institutionen und auch das Gesundheitspersonal», sagt die Juristin. Die Urteilsfähigkeit der Kinder bei einer Meinungsverschiedenheit zwischen Eltern und Kind werde rechtlich von Fall zu Fall beurteilt. «Der Entscheid der Eltern, urteilsfähige Minderjährige unter Impfzwang zu setzen, ist rechtlich heikel», sagt Sivaganesan. «Es braucht Partizipation der Kinder, auch in der Familie.»

«Schadet Erkrankung oder Impf-Nebenwirkungen mehr?»

Kinder hätten bereits vor ihrem 18. Geburtstag ein Anrecht, mitzubestimmen, wenn es um gesundheitliche Eingriffe gehe, sagt auch Ruth Baumann-Hölzle, Institutsleiterin der Stiftung Dialog Ethik. «Eine Impfung ist wie jede medizinische Massnahme eine Körperverletzung und braucht normalerweise eine Einwilligung.» Es stelle sich einerseits die Frage, ob Kindern eine Covid-19-Erkrankung oder Nebenwirkungen der Impfung mehr schaden. Andererseits würden sich Fremdgefährdung und potentielle Nebenwirkungen gegenüberstehen. «Im Moment sind die Aussagen über die Fremdgefährdung der Kinder widersprüchlich», sagt Baumann-Hölzle. Es stelle sich die Frage, was mehr zu gewichten ist: «Ein potentieller Impfschaden bei Kindern oder eine potentielle Erkrankung von anderen Menschen.»

Das Vakzin sei bislang vor allem an Menschen mittleren Alters getestet worden, sagt die Institutsleiterin. «Man weiss aber, dass Medikamente bei Frauen, Männern, Kindern, jungen und alten Menschen teils ganz anders wirken.» Angesichts dieser grossen Unsicherheiten und Wissenslücken sei es derzeit «ethisch fragwürdig», ob Kinder schon gegen Covid-19 geimpft werden sollten.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

862 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Irukandji Stinger

10.02.2021, 19:12

Kinder werden auch gegen Kinderkrankheiten geimpft (macht bitte kein Theater). Vielleicht stellt man bei infizierten Kindern erst viel später Langzeitschäden fest. Das weiss man aktuell nicht, weil dazu gibt es noch keine Daten.

Ueli Sauber

10.02.2021, 18:48

Ich habe gerade die aktuellen Fallzahlen in Europa gecheckt: Die Schweiz scheint wieder einer der Spitzenreiter bei den Neuinfektionen zu sein. Weshalb kriegen wir das nicht in den Griff.

Mut Mut

10.02.2021, 18:34

Risikogruppen freiwillig bis Ende März 2021 impfen lassen und anschliessend öffentliches Leben und Wirtschaft vollständig hochfahren. So einfach geht das! Den mutigen gehört die Welt.