Aktualisiert 08.09.2009 07:53

Ajatollah Chamenei«Eine der grössten Fallen des Teufels»

Im Konflikt innerhalb der iranischen Machtelite hat der Oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor Selbstüberschätzung gewarnt. Dies war die erste offene Kritik Chameneis an Ahmadinedschad seit dessen umstrittener Wiederwahl am 12. Juni.

«Auch wenn das Votum des Volkes Quelle des Stolzes sein kann, sollte jede Selbstüberschätzung vermieden werden, weil sie eine der grössten Fallen des Teufels ist», sagte er laut iranischen Medien am Montag bei einem Treffen mit dem Präsidenten und seinem neuen Kabinett.

Der Oberste Führer des Landes hatte Ahmadinedschad bei der Wahl unterstützt und diesen danach gegen massive Kritik verteidigt, die zu blutigen Unruhen geführt hatte. Jetzt erklärte Chamenei, auch wenn ein Teil der Kritik an der Regierung von ausländischen Medien gesteuert werde, so gebe es auch «wohlmeinende Kritik, die beachtet werden sollte».

Gleichzeitig griff er Kritik auf, Ahmadinedschad habe einige seiner neuen Minister ausgewählt, weil sie ihm nahestünden und nicht weil sie am geeignetsten seien. «Es sollte nichts überstürzt werden, aber du solltest lieber Expertenmeinungen vor allem im Wirtschaftsbereich nutzen, weil das Ignorieren solcher Meinungen grossen Schaden anrichten kann», sagte Chamenei an Ahmadinedschad gewandt.

Zwei Ministerinnen und eine Vizepräsidentin

In der vergangenen Woche hatte das Parlament das Kabinett von Ahmadinedschad grösstenteils gebilligt und damit den Weg für seine zweite Amtszeit freigemacht. Der Regierung gehören ein im Ausland als Terrorist gesuchter General als Verteidigungsminister und erstmals seit der Gründung der Islamischen Republik 1979 eine Frau an, Gesundheitsministerin Marsieh Wahid-Dastdscherdi.

Zwei weitere Frauen hatten die Parlamentarier abgelehnt, darunter eine Kandidatin für das Bildungsministerium. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens soll nun die Abgeordnete Fatemeh Alia neue Bildungsministerin werden. Am Montag kündigte Ahmadinedschad zudem an, er wolle auch eine Vizepräsidentin in seine Regierung berufen. (sda)

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