Beinahe-Crash zwischen Drohne und Airbus: «Eine Drohne kann ein Triebwerk zerstören»

Aktualisiert

Beinahe-Crash zwischen Drohne und Airbus«Eine Drohne kann ein Triebwerk zerstören»

Eine Drohne und ein Swiss-Airbus sind beinahe zusammengestossen. Es ist bereits der fünfte solche Fall allein in diesem Jahr.

von
Qendresa Llugiqi
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29. September 2018: Eine Drohne und ein Swiss-Airbus prallen fast zusammen. Das Flugzeug startete in Berlin und war gerade im Landeanflug auf Piste 14. Plötzlich tauchte eine Drohne auf. Diese surrte rund zehn Kilometer vor der Pistenschwelle in einem Abstand von weniger als 20 Metern oberhalb des Flugweges der A319 vorbei. An Bord waren 103 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder. Verletzt wurde niemand.

29. September 2018: Eine Drohne und ein Swiss-Airbus prallen fast zusammen. Das Flugzeug startete in Berlin und war gerade im Landeanflug auf Piste 14. Plötzlich tauchte eine Drohne auf. Diese surrte rund zehn Kilometer vor der Pistenschwelle in einem Abstand von weniger als 20 Metern oberhalb des Flugweges der A319 vorbei. An Bord waren 103 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder. Verletzt wurde niemand.

Keystone/Symbolbild / Christian Merz
6. Mai 2017: Drohne und Swiss-Airbus fliegen beim Anflug auf die Piste 34 des Flughafen Zürich knapp aneinander vorbei. Abflugort war Dar es Salaam in Tansania. An Bord waren 185 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder. Die Flugbesatzung konnte gerade noch erkennen, dass es sich um eine Drohne mit mehreren Rotoren (Multikopter) und einem Durchmesser von rund einem Meter handelte, bevor der Airbus geschätzte 10 Meter unter ihr durchflog. Für ein Ausweichmanöver bestand keine Zeit.

6. Mai 2017: Drohne und Swiss-Airbus fliegen beim Anflug auf die Piste 34 des Flughafen Zürich knapp aneinander vorbei. Abflugort war Dar es Salaam in Tansania. An Bord waren 185 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder. Die Flugbesatzung konnte gerade noch erkennen, dass es sich um eine Drohne mit mehreren Rotoren (Multikopter) und einem Durchmesser von rund einem Meter handelte, bevor der Airbus geschätzte 10 Meter unter ihr durchflog. Für ein Ausweichmanöver bestand keine Zeit.

Keystone/Symbolbild / Christian Merz
14. Juli 2016: Eine Drohne und ein Easyjet-Airbus, der von Amsterdam aus losflog, crashen beim Anflug auf die Piste 33 des Flughafen Basel beinahe zusammen. An Bord waren 169 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder. Nach Einschätzung des Kommandanten handelte es sich dabei um eine weisse Drohne mit roten Lichtern in einem vertikalen Abstand von rund 10 Metern, die stationär war oder sich nur mit geringer Geschwindigkeit vorwärts bewegte. In der verbleibenden Zeit von wenigen Sekunden verblieb der Flugbesatzung keine Zeit, dem fliegenden Objekt auszuweichen.

14. Juli 2016: Eine Drohne und ein Easyjet-Airbus, der von Amsterdam aus losflog, crashen beim Anflug auf die Piste 33 des Flughafen Basel beinahe zusammen. An Bord waren 169 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder. Nach Einschätzung des Kommandanten handelte es sich dabei um eine weisse Drohne mit roten Lichtern in einem vertikalen Abstand von rund 10 Metern, die stationär war oder sich nur mit geringer Geschwindigkeit vorwärts bewegte. In der verbleibenden Zeit von wenigen Sekunden verblieb der Flugbesatzung keine Zeit, dem fliegenden Objekt auszuweichen.

epa/Symbolbild / Maurizio Gambarini

Während eines Landeanflugs eines Swiss-Airbus aus Berlin auf die Piste 14 des Flughafens Zürich tauchte plötzlich eine Drohne auf. Diese surrte rund zehn Kilometer vor der Pistenschwelle in einem Abstand von weniger als 20 Metern oberhalb des Flugweges der A319 vorbei. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) spricht von einem «schweren Vorfall». An Bord waren 103 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder.

Gleich nach dem Vorfall hat die Swiss das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) informiert. Der Täter sei bis anhin nicht eruiert worden, so Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). «Wir gehen davon aus, dass es sich um die Drohne einer Privatperson handelte und sie die in den Kontrollzonen geltende Maximalhöhe von 150 Metern überschritten hat. Da keine Bewilligung vorlag, war der Flug illegal.» Es sei fast unmöglich, den Piloten der Drohne zu eruieren. «Vor allem, wenn sie die Drohne gar nicht von der Nähe aus steuern, sondern über eine Kamera», erklärt Holderegger.

Drohne kann Triebwerk oder Cockpit-Scheibe zerstören

Das Bazl habe dieses Jahr bereits vier bis fünf Vorfälle mit Drohnen registriert, in denen die Drohne eine Gefahr dargestellt habe, so Holderegger. Letztes Jahr seien es 8 bis 9 Fälle gewesen. Bereits eine Mini-Drohne mit einem Gewicht unter 500 Gramm könne einen Schaden am Flugzeug anrichten. «Je grösser die Drohne, desto grösser der Schaden», sagt Holderegger. So könne eine grosse Drohne ein Triebwerk zerstören: «Zwar muss ein kaputtes Triebwerk nicht zum Absturz führen, jedoch kostet dies Millionen. Auch kann eine Drohne eine Cockpit-Scheibe zerstören oder etwa an den Flügeln grossen Schaden anrichten.» Weltweit gebe es bisher aber nur fünf bis sechs bestätigte Unfälle zwischen Drohnen und Flugzeugen. «Dabei gab es keine Toten und auch keine Abstürze», sagt Holderegger.

Holderegger bezweifelt, dass die Piloten von Drohnen absichtlich einen Crash mit einem Flugzeug herbeiführen wollen: «Vielmehr wollen sie tolle Aufnahmen von Flugzeugen im Anflug und vergessen dabei, dass sie die Sicherheit der Passagiere gefährden. Andere wiederum kennen die Gesetzeslage nicht.» Wer wissentlich den öffentlichen Verkehr stört, muss in der Schweiz mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren rechnen. Handelt der Täter fahrlässig, muss er mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen.

«Drohne kann Helikopter vom Himmel holen»

Um die Sicherheit in der Luft zu gewährleisten, arbeitet das Bazl an Grundlagen für die Einführung eines elektronischen Registrierungssystems für die Piloten von Drohnen. Weitere Massnahmen für eine höhere Sicherheit hält der Flughafen Zürich auch im aktuellen «Politikbrief» fest: Neben der Registrierung von Drohnen wird auch eine Ausbildung für Piloten gefordert. Auch spricht er sich für Bewusstseinskampagnen aus. Und: Methoden zur Detektion und Abwehr von Drohnen seien zu prüfen. CVP-Nationalrat Martin Candinas fordert, dass der Bund Gas gibt: «Eine Drohne kann aber auch einen Helikopter vom Himmel holen. Wir müssen den Drohnenbetrieb in geordnete Bahnen lenken, bevor etwas passiert.» Candinas hat diesen März eine Motion eingereicht, die vom Parlament angenommen wurde. Darin verlangt er, dass der Bundesrat eine rechtliche Grundlage schaffen solle, damit die Besitzer von Drohnen mittels Registrierung identifiziert werden können.

Candinas erklärt: «Durch eine Registrierungspflicht kann man zurückverfolgen, wer die Drohne geflogen hat und allenfalls rechtliche Schritte einleiten. Auch gehen Menschen so verantwortungsvoller mit ihren Drohnen um. Weiter haben führende Schweizer Unternehmen gezeigt, dass es heute technische Mittel gibt, Drohnen zu identifizieren und zu kontrollieren. Dieses zukunftsorientierte Vorhaben muss rasch vorangetrieben werden.»

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