Fall Veyrac: «Eine Entführung wie aus einem guten Thriller»
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Fall Veyrac«Eine Entführung wie aus einem guten Thriller»

Die Entführung einer Hotelbesitzerin beschäftigt die Polizei von Nizza. Verwickelt sind ein Ex-Paparazzo, ein obdachloser Soldat und ein italienischer Gastwirt.

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Jacqueline Veyrac (76) wurde am 24. Oktober 2016 in Nizza entführt.

Jacqueline Veyrac (76) wurde am 24. Oktober 2016 in Nizza entführt.

Screenshot Twitter
Die wohlhabende Veyrac ist unter anderem Besitzerin des Grand Hôtel in Cannes.

Die wohlhabende Veyrac ist unter anderem Besitzerin des Grand Hôtel in Cannes.

AFP/Fred Dufour
Vor den Augen verdutzter Passanten steckten die Kidnapper die Frau in einen Lieferwagen und fuhren davon.

Vor den Augen verdutzter Passanten steckten die Kidnapper die Frau in einen Lieferwagen und fuhren davon.

AFP/Valery Hache

Die Justiz im südfranzösischen Nizza versucht, die abstruse Entführung der reichen Hotelbesitzerin Jacqueline Veyrac (76) aufzuklären. Am Sonntag ordnete Staatsanwalt Jean-Michel Prêtre eine Untersuchungshaft für sechs Männer an. Die Verdächtigen sind der Entführung, Freiheitsberaubung und Erpressung beschuldigt. Ein weiterer Mann, bei dem es sich angeblich um einen Privatdetektiv handelt, steht im Verdacht, von der Entführung gewusst, aber die Polizei nicht rechtzeitig eingeschaltet zu haben.

Die Geschichte habe «alle Elemente eines guten Thrillers», schreibt die Zeitung «Le Parisien». Denn nicht nur lese sich die Zusammensetzung der Protagonisten wie ein Drehbuch, auch die Art und Weise, wie die Kidnapper handelten, lässt die Ermittler rätseln.

Fussgänger befreit Opfer

Was war passiert? Vergangenen Montag wurde Veyrac am helllichten Tag und vor den Augen erschrockener Passanten entführt. Die Kidnapper verschleppten die wohlhabende Besitzerin des in Cannes gelegenen Grand Hôtel in einem weissen Lieferwagen. Stunden später kontaktierten die Verbrecher die Familie des Opfers und forderten ein happiges Lösegeld.

Doch zur Zahlung kam es nie: Am Mittwoch entdeckte ein Fussgänger durch Zufall die gefesselte Veyrac in dem auf der Strasse parkierten Van und befreite sie.

Ein besonderes Trio

Bald stand ein ehemaliger Angestellter der reichen Seniorin im Visier der Ermittler. Dabei handelt es sich um Giuseppe S., einen Gastwirt aus Turin, der zwischen 2007 und 2009 das Restaurant La Réserve betrieb, das der Familie Veyrac gehörte. Als das Geschäfte pleiteging, wurde S. entlassen. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich S. mit der Entführung an Veyrac rächen wollte und gleichzeitig etwas von seinen verlorenen Investitionen habe zurückerhalten wollen.

Für seine Mission engagierte der Italiener den Fotografen Luc G., in der Paparazzi-Szene auch unter dem Spitzname Tintin bekannt. G. soll am Auto der Hotelbesitzerin ein Kontrollgerät angebracht haben, um sie verfolgen zu können. Der Mann ist der französischen Justiz nicht unbekannt: 2005 wurde er zu vier Monaten Haft und einer Zahlung von 3000 Euro verurteilt, weil er 1996 unerlaubt Fotos von Prinzessin Caroline von Monaco veröffentlicht hatte.

Der dritte Mann im bizarren Entführungsfall ist ein ehemaliger britischer Soldat, Mitglied einer Spezialeinheit, der für die Bande Wache gestanden haben soll. Er soll als Obdachloser auf den Strassen von Nizza gelebt haben. Zusammen mit zwei weiteren Männern soll der britische Ex-Soldat Veyrac monatelang beschattet haben.

Zweiter Entführungsversuch in drei Jahren

Wie die «Libération» berichtet, soll der Plan schiefgegangen sein, weil die Kidnapper womöglich Streit untereinander gehabt hatten.

Veyrac ist wohlauf. Sie wird aber wohl ihr Sicherheitskonzept revidieren müssen, denn das war bereits die zweite Entführung in drei Jahren: Im Dezember 2013 war die reiche Frau schon einmal beinahe verschleppt worden. Die Ermittler prüfen auch eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Vorfällen.

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