Aktualisiert 20.02.2013 14:16

«Time-out»

Eine Entlassung aus Angst vor dem Erfolg

Die verrückteste Trainerentlassung seit Beginn des Playoff-Zeitalters: Felix Hollenstein ersetzt bei den Kloten Flyers Tomas Tamfal.

von
Klaus Zaugg

Als SCB-General Marc Lüthi im vorletzten Herbst unmittelbar nach einer Heimniederlage gegen die ZSC Lions Trainer Larry Huras feuerte, schien das auf alle Zeiten die verrückteste Trainerentlassung. Doch nun hat Klotens Sportchef André Rötheli diesen Coup überboten. Per sofort übernimmt der im letzten Sommer in Kloten entlassene Felix Hollenstein wieder das Traineramt. Tomas Tamfal muss gehen.

Spektakulär ist der Trainerwechsel deshalb, weil er längst angekündigt worden ist. Und weil er doch nie kam, sind eigentlich alle davon ausgegangen, dass er doch nicht kommt. Gestern ein Telefonat mit Felix Hollenstein. Um wieder einmal die Temperatur zu messen. Nein, er werde vorerst nicht Trainer bei Kloten. Er müsse sich das schon noch überlegen und er habe ja auch noch das Angebot, beim Verband U20-Trainer zu werden.

Wusste Tamfal von der Entlassung?

Ja, und eine Option sei ja vielleicht auch ein Engagement in Ausland. Er sei jetzt gerade ein wenig im Stress. Er füttere die Hunde und müsse gleich los. Er wolle das Derby im Hallenstadion sehen. Und nach diesem Derby war übrigens Trainer Tomas Tamfal noch gänzlich ahnungslos. Der Chronist des «Tages Anzeigers» fragte ihn, wann am Mittwoch Training sei. Tamfal gab höflich Auskunft. Niemand ahnte, dass er bei diesem Mittwochtraining schon nicht mehr im Amt sein würde.

Was lernen wir daraus? Manchmal hat einer auch das Recht zur Notlüge. Und vielleicht weiss Felix Hollenstein ja auch nicht ganz genau, auf was er sich da einlässt. Das Kloten, das er als charismatischer Leitwolf zu vier Titeln und später als Trainer (er war Assistent von Anders Eldebrink und doch der Chef) bis ins Finale coachte, gibt es so nicht mehr. Das wissen wir alle. Es ist der Lauf der Zeit.

Zwischen Hundezwinger und Schluefweg

Es ehrt Felix Hollenstein, den ehrlichen Mann des Eishockeys, dass er diese Herausforderung annimmt. Der Hockeyplanet Kloten ist sein Universum – zwischen Hundezwinger und Schluefweg. Er kommt nicht davon los. Wenn er wieder an der Bande steht, wird er sich sagen: Hier steh ich und kann nicht anders.

Aber was ist die Motivation des Managements, Hollenstein jetzt schon zurückzuholen? Mit intakten Chancen auf die Playoffs, trotz der 2:4-Niederlage gegen die ZSC Lions? Mit einer Mannschaft, die, wenn es die Hockeygötter wollen, sogar im Falle eines Falles die Meisterschaft gewinnen kann?

Trainerwechsel? Jetzt oder nie

Genau hier finden wir die Lösung: Wir haben es mit der ersten Trainerentlassung aus Angst vor dem Erfolg zu tun. Deshalb ist es die ungewöhnlichste, spektakulärste. Wenn die Kloten Flyers unter Tomas Tamfal die Playoffs erreicht hätten, drohte die Gefahr einer Halbfinal-Qualifikation. Ja, sogar eines Vorstosses ins Finale. Das aber hätte alle Planung, alle Logik über den Haufen geworfen. Tomas Tamfal hätte dann ganz einfach nicht mehr – wie längst beschlossen – entlassen werden können.

Die Kloten Flyers bescheren uns die besten Storys dieser Saison. Und wenn Felix Hollenstein jetzt in die Playoffs kommt und dort für Spektakel sorgt – dann wollen wir fair sein. Ich werde ihn loben und preisen und rühmen. Aber ich werde auch die Arbeit von Tomas Tamfal würdigen.

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