Guantánamo: «Eine falsche Frage, schon war die Führung vorbei»
Aktualisiert

Guantánamo«Eine falsche Frage, schon war die Führung vorbei»

Das US-Militär lädt unter dem Motto «sicher, human, legal und transparent» zur Pressereise nach Guantánamo. Journalistin Karin Bauer sagt, warum sie das eine Farce fand.

von
Mareike Rehberg

13 Seiten lang ist die Verbotsliste, die Journalisten unterschreiben müssen, um auf das US-Militärbasis Guantánamo auf Kuba zu gelangen. Das Gefangenenlager steht seit seiner Eröffnung vor rund 13 Jahren wegen der Haftbedingungen und Foltermethoden international in Kritik. Und obwohl die Regierung von US-Präsident Barack Obama die Schliessung des Lagers versprach, existiert es noch immer.

Um das Image zu polieren, lädt das Pentagon nun zu Pressereisen. Die Botschaft: Guantánamo ist «sicher, human, legal und transparent». Die wichtigste Regeln vor Ort: Gesichter dürfen nicht gefilmt werden, keine Interviews mit Gefangenen.

Doch nur wenigen Journalisten wird Zutritt in das Gefängnis gewährt. «10 vor 10»-Korrespondentin Karin Bauer ist dies gelungen. 20 Minuten hat mit ihr gesprochen.

Frau, Bauer, war es schwierig, zur Pressereise zugelassen zu werden?

Wir mussten diverse Formulare ausfüllen und einreichen, mittels derer das US-Militär prüfte, ob man uns auf die Militärbasis lassen wollte. Der Kameramann und ich mussten über unsere bisherige Arbeit Auskunft geben, über SRF, über die Art der Berichterstattung, die wir planten. Und der Kameramann musste jedes Stück seiner Ausrüstung beschreiben, das er auf die Insel bringen wollte.

Wie lange im Voraus war die Reise geplant?

Ungefähr vier Monate. So lange dauerte es, bis wir die Bewilligung bekamen.

Was hat Sie vor Ort am meisten erstaunt, erschreckt?

Die dauernde Kontrolle durch Aufpasser von morgens bis abends. Wir wurden sogar noch bis zum Flugzeug für den Rückflug begleitet. Meine kritischen Fragen wurden immer wieder abgeklemmt. Und der Kameramann musste sich an restriktive Anweisungen halten, welche Ausschnitte des Gefängnisses er filmen kann. Am meisten erstaunt hat mich darum die Diskrepanz und der offenkundige Widerspruch einer Pressereise unter dem Motto «sicher, legal, human und transparent» und der Realität vor Ort.

Waren Sie und Ihr Team die einzigen Teilnehmer der Pressereise?

Mein Kameramann und ich waren zusammen mit einem zweiten TV-Reporterteam unterwegs.

Wie wirkte sich das auf die Atmosphäre aus?

Auf die Atmosphäre hatte das weiter keinen Einfluss, ausser dass man sich die Interview-Zeiten aufteilen musste. Das hiess meist 15 Minuten pro Team statt 30 Minuten Totalzeit.

Wie war es, den Häftlingen von aussen zuzuschauen?

Es kam mir absurd vor. Natürlich konnten wir uns so überhaupt kein Bild machen, ausser dass wir sahen, dass sie sich in einem Gemeinschaftsraum bewegten, dass sie assen und TV schauten. Aber die Kritik an Guantánamo betrifft nicht die Haftbedingungen im Gemeinschaftsraum, sondern das grundlegende Problem, dass die meisten Männer seit Jahren ohne Anklage und ohne Urteil widerrechtlich festgehalten werden.

Haben Sie sie wirklich nur drei Minuten gesehen?

Ja, nach drei Minuten fragte ich, wo sich die angeklagten Häftlinge befinden, worauf die Führung abgebrochen wurde.

Wie viel des gedrehten Materials wurde gelöscht?

Zirka 20 Prozent. Gelöscht wurden zum Beispiel Aufnahmen von Militärunterkünften bei Fahrten, Totalaufnahmen des Gefängnisses, Türschlössern und Gängen im Gefängnis. Aber auch die ersten Anweisungen im Medienbüro, wie wir uns während den drei Tagen verhalten sollten.

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