Hungerstreik: «Eine Flamme, die langsam erlischt»
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Hungerstreik«Eine Flamme, die langsam erlischt»

Der Walliser Hanfbauer Bernard Rappaz, der im Gefängnistrakt des Berner Inselspitals liegt, denkt nicht an ein Ende seines Hungerstreiks – doch seine Angst hat zugenommen.

Zu seinem Zustand nach über 50 Tagen Hungerstreik meinte Rappaz in einem Interview mit «Tages-Anzeiger» und «Bund»: «Ich fühle mich wie eine Flamme, die flackert und langsam erlischt.» Manchmal verlasse sein Geist seinen Körper.

Seit er in Bern liege, fühle er sich zudem ängstlich. Nach Bern war Rappaz am 12. Juli verlegt worden, weil die Ärzte ihn dort zwangsernähren würden, falls er ins Koma fällt. Das Genfer Unispital, wo er zuvor lag, hatte dies abgelehnt.

Zwangsernährung verlängert die Qual

Aus Rappaz' Sicht kommt eine Zwangsernährung einem Verstoss gegen die Menschenrechte gleich. Und es würde auch nichts bringen: «Wenn man mich zwangsernährt, verlängert das nur die Qual. Man stirbt einfach später.» Zum Sterben sei er bereit, Angst habe er davor nicht. Er fühle sich aber nicht als Märtyrer: «Ich will kein Monument. Meine Person ist unwichtig.»

Mehrmals bekräftigte Rappaz im Interview, dass sein Hungern auch der Legalisierung von Hanf gelte. Auf die Frage, ob das Leben nicht wichtiger sei als Hanf, sagte Rappaz: «Es ist besser aufrecht zu sterben, als liegend zu leben.»

Bundesgericht für Zwangsernährung

Eine Zwangsernährung Rappaz' stützte am Donnerstag indirekt das Bundesgericht, das sich mit dem Fall Rappaz zu beschäftigen hatte. Der Kanton Wallis müsse Rappaz am Leben erhalten, ordnete es an. Dazu müsse der Kanton jede nötige Massnahme ergreifen, welche die Verfassung zulasse. Welche Massnahmen dies sein sollen, liess das Bundesgericht offen.

Das Gericht hielt aber fest, dass es selbst keine Massnahmen anordnen müsse, da die Walliser Sicherheitsdirektorin Esther Waeber- Kalbermatten bereits eine Zwangsernährung beschloss, sollte sie denn nötig werden.

Zu entscheiden hatte das Bundesgericht über eine Freilassung Rappaz' als vorsorgliche Massnahme, bis das Bundesgericht über seinen Rekurs zu einem abgelehnten Haftunterbruch befindet. Die Freilassung lehnte es ab. Der Entscheid zum Rekurs fällt spätestens im August.

Ende nach Parlamentsentscheid

«Ich habe bisher nie aufgehört zu hungern, bis ich frei war», hielt Rappaz zudem fest. Nicht mehr hungern will Rappaz erst, wenn der Grosse Rat des Kantons Wallis über sein Begnadigungsgesuch entschieden hat. Das habe er der Walliser Sicherheitsdirektorin Esther Waeber-Kalbermatten versprochen.

Als «ungerechte und kolossale Strafe» bezeichnete Rappaz gegenüber «Tages-Anzeiger» und «Bund» die Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 8 Monaten, die er wegen Hanfanbaus und -handels sowie weiterer Delikte zurzeit absitzen muss.

(sda)

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