Afghanistan: Eine Frau, ein Radiosender und 13 Geschichten
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AfghanistanEine Frau, ein Radiosender und 13 Geschichten

Während fünf Jahren hörte die Radiomoderatorin Zarghuna Kargar die traurigen Schicksale der afghanischen Frauen. Nun hat sie die Geschichten in einem Buch zusammengetragen.

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Die Radiomoderatorin Zarghuna Kargar sammelte 13 tragische Lebensgeschichten aus Afghanistan. Am 28. Juni erscheint ihr Buch «Dear Zari».

Die Radiomoderatorin Zarghuna Kargar sammelte 13 tragische Lebensgeschichten aus Afghanistan. Am 28. Juni erscheint ihr Buch «Dear Zari».

Hinter «Dear Zari» verbirgt sich die Journalistin Zarghuna Kargar, eine junge Afghanin, die zwischen 2005 und 2010 auf dem internationalen BBC-Sender die Übertragung «Afghan Woman's Hour» («Die Stunde der afghanischen Frau») produzierte. Neben den üblichen Ratgebern und Informationssegmenten versuchte Kargar die Afghaninnen über ihre Rechte aufzuklären. Sie öffnete die Debatte über Themen wie den Verkauf von kleinen Mädchen an ältere Männer oder die nicht so unüblichen Vergewaltigungen auf ländlichen Gebieten oder die Wichtigkeit der Jungfräulichkeit.

Doch besonders beliebt war ein Abschnitt des Programms, bei dem die Frauen ins Studio anrufen und über ihre Probleme sprechen konnten. Kargars Sendung entwickelte sich promt zu einer Art Ventil für viele Frauen, die in schwierigen Situationen lebten, aber mit niemand darüber reden konnten. Das Ziel der Moderatorin war, noch in den abgelegensten Gegenden den Frauen einen Kanal für ihre persönliche Tragödien zu bieten. Die Hörerinnen, die meisten Analphabeten, erzählten in einfachen Worten, was ihnen auf dem Herzen lag.

Vom homosexuellen Ehemann bis zu den zugedröhnten Kindern

Doch die Geschichte, die die Frauen in der Sendung erzählten, waren in den meisten Fällen sehr dramatisch. Es meldete sich die Teppichweberin Samira, die zugab, ihre Kinder mit Opium zu betäuben, damit sie sich auf der Arbeit konzentrieren könne. Oder Wazma, die glücklich verheiratet war, bis sie während einer Bombardierung ein Bein verlor und von da an von ihrem Mann und ihrer eigenen Familie ausgesetzt wurde und ihre Kinder nicht mehr sehen durfte. Da war auch mal Anesa, die einen homosexuellen Mann heiraten und seinen Liebhaber verpflegen und tolerieren musste, damit man ihr die Kinder nicht wegnahm.

Zarghuna Kargar sammelte im Laufe der Jahren die traurigen Lebensgeschichten. Nun fasste sie 13 der tragischsten Schicksale in einem Buch zusammen. «Dear Zari: Hidden Stories from Women of Afghanistan» lässt in den fremden Alltag der Afghaninnen blicken.

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