Aktualisiert 27.03.2013 09:44

Obamas Leibgarde

Eine Frau soll im Secret Service «aufräumen»

Die Leibwächter des US-Präsidenten erhalten erstmals eine Chefin: Julia Pierson übernimmt eine Organisation, deren Ruf nach dem Prostitutions-Skandal in Kolumbien angeschlagen ist.

von
pbl

Erstmals soll eine Frau den Sicherheitsdienst leiten, der für den Schutz des US-Präsidenten zuständig ist. Barack Obama habe sich für Julia Pierson als Chefin des Secret Service entschieden, sagten zwei Regierungsvertreter am Dienstag. Die 53-Jährige aus Florida stiess vor 30 Jahren zu der Organisation, die den Präsidenten, seine Familie und andere Politiker beschützt, aber auch für die Bekämpfung von Finanzkriminalität zuständig ist.

Obama bezeichnete Julia Pierson in einer Mitteilung als «ausserordentlich qualifiziert für die Führung der Behörde». Die neue Chefin übernimmt einen Laden mit angeschlagenem Ruf: Der Secret Service wurde im vergangenen Jahr in einen Skandal verwickelt, der international für Aufsehen sorgte: Einige Agenten sollen kurz vor dem Eintreffen Obamas zum Amerika-Gipfel in der kolumbianischen Stadt Cartagena Prostituierte auf ihre Hotelzimmer genommen haben. 13 Agenten waren betroffen, mehrere wurden gefeuert, darunter zwei Vorgesetzte.

Eine «Schreibtischtäterin»?

Mit der Ernennung von Julia Pierson sende das Weisse Haus die Botschaft aus, dass diese Macho-Kultur nicht toleriert werde, schreibt der «Guardian». Nicht alle in der Organisation sind von der neuen Chefin begeistert. Pierson war nur während der Amtszeit von George Bush senior von 1988 bis 1992 im Personenschutz tätig und wechselte danach in die Verwaltung. Ein namentlich nicht genannter Agent bezeichnete sie gegenüber der «Washington Post» als «Schreibtischtäterin», die «nicht im Schützengraben gedient hat».

Ein anderer Insider wies diese Einschätzung als «vollkommen unfair und unangemessen» zurück. Julia Pierson habe ihre Führungsqualitäten unter Beweis gestellt, zuletzt als Büroleiterin ihres Amtsvorgängers Mark Sullivan. Dieser geriet nach dem Cartagena-Skandal unter Druck und ging im Februar in den Ruhestand. Die Besetzung des Chefpostens muss nicht vom Senat bestätigt werden. Der republikanische Senator Charles Grassley betonte in einer Mitteilung, die neue Chefin habe «viel Arbeit vor sich», um das Vertrauen in die Organisation wieder herzustellen. (pbl/sda)

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