13.06.2020 07:56

BMW 320i Cabriolet

Eine gelassene Zeitmaschine für Sonnenanbeter

Nein, wie ein Oldtimer wirkt ein BMW 320i Cabriolet der Baureihe E30 nicht, noch nicht einmal wie ein Youngtimer. Dass der Wagen über 30 Jahre alt ist, kann man kaum glauben.

von
Bruno von Rotz
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Doppelscheinwerfer und Niere – der 320i ist sofort als BMW zu identifizieren.

Doppelscheinwerfer und Niere – der 320i ist sofort als BMW zu identifizieren.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Die frühen Exemplare wurden noch ohne hintere Kopfstützen ausgeliefert, das Heck änderte sich beim Facelift in den 1990er-Jahren.

Die frühen Exemplare wurden noch ohne hintere Kopfstützen ausgeliefert, das Heck änderte sich beim Facelift in den 1990er-Jahren.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Einen Überrollbügel gibt es keinen, dafür sitzt die Frontscheibe in einem festen Rahmen.

Einen Überrollbügel gibt es keinen, dafür sitzt die Frontscheibe in einem festen Rahmen.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com

Darum gehts

  • Dass er schon über 30 Jahre alt ist, sieht man dem BMW 320i Cabriolet nicht an.
  • Mit einem Kaufpreis von damals über 40’000 Franken passte er nicht in jedes Budget.
  • Doch die Anschaffung lohnte sich: In manchen Dingen ist ein 30-jähriges BMW-Cabriolet vielen heutigen Autos überlegen.

Eine Fahrt im BMW 320i Cabriolet von 1988 wirkt wie eine Zeitreise, vor allem dann, wenn man eines seiner Mixtapes aus den späten 1980er-Jahren in den Schacht des Kassettengeräts schiebt.

Damals sang Tracy Chapman «Talking ‘Bout a Revolution» und ein bisschen nach Revolution sah es 1985 schon aus, als BMW das E30-Cabriolet vorstellte. Schliesslich war das Angebot an Voll-Cabriolets damals ziemlich übersichtlich. Neben dem Alfa Romeo Spider, dem Saab 900, dem Mercedes-Benz SL (R107) und dem Porsche Carrera gab es kaum Volumenmodelle, wenn man einmal von den Bügelcabrios wie VW Golf oder Fiat (Bertone) Ritmo sowie offenen Amerikanern absah. Umso grösser war die Überraschung, als auf der IAA ein offener BMW 325i stand.

Perfekt

«Perfect» war der Hit von «Fairground Attraction», der es Ende der 1980er-Jahre bis auf die obersten Ränge der Charts schaffte, und (fast) perfekt war auch das BMW-3er-Cabriolet. Es verwand sich kaum, das Dach liess sich auch ohne motorische Unterstützung schnell öffnen, selbst am Platz im Innern mangelte es nicht. Der 3er war als Cabriolet alltags- und ganzjahresfähig. Nur billig war er nicht, über 40’000 Franken passten nicht in jedes Budget.

Im Windschatten

«Better Be Home Soon» lassen Crowded House aus den Lautsprechern des 320i Cabriolets erklingen – und tatsächlich, BMW wartete nicht allzu lange, um dem 325i Cabriolet eine etwas gemütlichere Schwester nachzusenden. Im Herbst 1987 war es bereits so weit. Die Autozeitschriften kümmerten sich allerdings kaum um den Neuankömmling, warum auch. Im Prinzip handelte es sich einfach um ein 325i Cabriolet mit etwas weniger Hubraum und Leistung, also a priori weniger interessant.

Deutlich mehr Sinn machte das Zweiliter-Cabriolet für die Käufer, denn immerhin mussten sie deutlich weniger Geld vom Konto abheben (CHF 36’850 oder DM 43’100), zumindest wenn sie sich mit der Basisausstattung abfanden. Dies taten allerdings wohl die wenigsten, nur selten jedenfalls taucht ein 320i Cabriolet mit Stoffsitzen, Stahlrädern und fehlender Unterhaltungselektronik in den Gebrauchtwagenmarkt- oder Liebhaberinserate-Rubriken auf.

Paradies

Mit «Paradise» lieferte Sade Ende der 1980er-Jahre sicherlich einen idealen Cabriolet-Soundtrack! Und tatsächlich entwickelten sich die Verhältnisse für Sonnenhungrige vor 30 Jahren in paradiesischer Weise. Die Lust am Cabriolet war wiedererwacht, die Absatzzahlen gingen schnell nach oben. Kein Wunder, tauchte schon bald Konkurrenz zum BMW Cabriolet auf. Audi hiess der Gegner und er schlug sich gut.

Fortan teilten sich die beiden Konkurrenten in ihrem Segment den Markt und für weitere Auswahl sorgten zusätzliche Motoren, so gab es für beide zusätzlich Vierzylindermotoren und bei Audi ab 1992 auch einen Sechszylinder.

Jungbrunnen

«Forever Young» sang Rod Stewart und genauso fühlt sich heute auch das kompakte E30-Cabriolet an. Dass die frühen Autos inzwischen bereits Oldtimer sind, das spürt man beim Fahren kaum. Und in manchen Dingen ist ein 30-jähriges BMW-Cabriolet vielen heutigen Autos überlegen, etwa in der kaum eingeschränkten Rundumsicht, bezüglich der übersichtlichen Karosserie und des superschnell ablesbaren Instrumenten-Clusters. Eine Bedienungsanleitung benötigt auch kaum ein frischgebackener E30-Fahrer.

«Tougher Than The Rest» lässt sich Bruce Springsteen nun erklingen und auch hier passt der Songtitel wieder zum BMW. Möge der gefahrene BMW 320i noch viele sonnige Jahre erleben.

Weitere Informationen, viele Bilder, technische Daten und einen Verkaufsprospekt gibts online auf www.zwischengas.com.

Zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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82 Kommentare
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S. W.

14.06.2020, 23:01

Ich hatte mal den 323i. Anfälliges, im Unterhalt sehr teures Auto. Hatte zweimal einen Riss im Motorblock. Das war eine Fehlkonstroktion. Zu wenig Wandstärke (Material). Und extremer Pneuverschleiss, auch wenn man zurückhaltend fuhr. Auch der Einstieg auf die hintere Sitzreihe war ein Abendteuer. Zum Glück sind heute (die meisten ;-)) Autos ausgereifter.

info

14.06.2020, 22:49

Die Tesla-Aktie ist seit ihrem Börsendebüt im Jahr 2010 bereits etwa 4660 %!!! gestiegen (09.06.2020). Viele Anleger waren zu Beginn jedoch sehr skeptisch, denn die Bewertung war hoch, das Unternehmen erzielte noch keine Gewinne und nur die Hoffnungen waren sehr groß. Hier konnten die Aktionäre also nur auf Elon Musk setzen, denn er hatte bereits zuvor mit PayPal bewiesen, dass er ein genialer Erfinder und Ingenieur ist.

info

14.06.2020, 22:49

Die Tesla-Aktie ist seit ihrem Börsendebüt im Jahr 2010 bereits etwa 4660 %!!! gestiegen (09.06.2020). Viele Anleger waren zu Beginn jedoch sehr skeptisch, denn die Bewertung war hoch, das Unternehmen erzielte noch keine Gewinne und nur die Hoffnungen waren sehr groß. Hier konnten die Aktionäre also nur auf Elon Musk setzen, denn er hatte bereits zuvor mit PayPal bewiesen, dass er ein genialer Erfinder und Ingenieur ist.