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Architektur in Basel Eine grüne Oase mitten im Quartier

Mit dem neu renovierten Boutiquehotel Volkshaus komplettieren Herzog & de Meuron das Ensemble am Basler Claraplatz.

von
Lilia Glanzmann
Die «Terrace-Suite» auf Kleinbasler-Seite bietet Aussicht auf Grossbasel und das Basler Münster.

Die «Terrace-Suite» auf Kleinbasler-Seite bietet Aussicht auf Grossbasel und das Basler Münster.

Foto: Robert Rieger

Boulevard Clara hiess einst die Strecke zwischen Messe und Claraplatz. Heute ist der Glanz verflogen. Doch das Basler Volkshaus an der Rebgase 12-14 lässt die Gegend wieder mondän aufschimmern. Bereits vor zehn Jahren renovierten Herzog & de Meuron die Bar und Brasserie der ehemaligen Burgvogtei, deren Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert reichen. Das Volkshaus selbst entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. Stetig an die veränderten Bedürfnisse der jeweiligen Dekade angepasst, veränderte sich das Haus innerlich und äusserlich über die Zeit, ohne je ein gesamtheitliches Konzept zu verfolgen.

Es wurden Veranstaltungsräume, eine Konzerthalle, Büroräumlichkeiten, ein Laden und ein Restaurant sowie zuoberst unter dem Dach Personalzimmer addiert. Für ihr Projekt orientierten sich Herzog & de Meuron an den Plänen des damaligen Architekten Henri Baur. Ihr Ziel war es, die originale Architektur freizulegen und das Haus von den Einbauten und Verkleidungen der Siebzigerjahre zu befreien.

Auch im Boutique-Hotel haben Herzog und de Meuron die ursprüngliche Architektur freigelegt. 

Auch im Boutique-Hotel haben Herzog und de Meuron die ursprüngliche Architektur freigelegt.

Foto: Robert Rieger

Möglich machten diese Verjüngungskur die beiden Immobilienentwickler und Gastronomieunternehmer Leopold Weinberg und Adrian Hagenbach, die das Volkshaus Basel vom Kanton Basel-Stadt übernahmen. Ihre Vision ist es, das Volkshaus als Ort der Begegnung im ursprünglichen Sinne wieder aufleben zu lassen. Durch die Zusammenarbeit mit Herzog & de Meuron gelingt ihnen dies nicht nur konzeptionell, sondern auch architektonisch. Entstanden ist eine grüne Oase mitten im belebten Quartier am Rhein. Die Bar und die Brasserie sind seit Jahren wieder beliebter Treffpunkt. Ebenso die vier Eventsäle, die für Veranstaltungen aller Art gebucht werden.

Das Boutique-Hotel komplettiert nun das Ensemble. Wie bereits im gesamten Haus haben Herzog & de Meuron mit viel Fingerspitzengefühl die historische Substanz ergründet, aufgearbeitet und modern interpretiert. Die 45 Zimmer und Suiten sind pragmatisch schlicht eingerichtet, bleiben aber behaglich und elegant. Aufgrund der historischen Bausubstanz ist jeder Raum individuell geschnitten, die jeweilige Inneneinrichtung ist entsprechend darauf abgestimmt. Allen gemeinsam ist die grosszügige Raumaufteilung und Helligkeit sowie das wiederkehrende Farbkonzept in Grüntönen.

Mit über 70 Quadratmetern ist die «Terrace-Suite» das grösste Zimmer des Hauses.

Mit über 70 Quadratmetern ist die «Terrace-Suite» das grösste Zimmer des Hauses.

Foto: Robert Rieger

Trotz des entspannt eleganten Interieurs, mit von Herzog & de Meuron entworfenen Lounge Chairs, filigranen Steh- und Tischlampen und den bereits aus der Brasserie bekannten Merian-Stich-Tapeten, zeigen alle Zimmer Referenzen an die ursprünglichen, einfachen Personalzimmer. Die Toiletten und Duschen befanden sich oft ausserhalb der Hotelzimmer.

Das Interieur erinnert an die ursprünglichen einfachen Personalzimmer.

Das Interieur erinnert an die ursprünglichen einfachen Personalzimmer.

Foto: Robert Rieger

In Analogie ist nun auch im Volkshaus Basel nur der Waschtisch zu sehen, die Nasszellen mit Dusche und Toilette verstecken sie hinter einer schwarz gebeizten, massiven Eichenholz-Schrankwand. Das erinnert gleichzeitig an die Grand Hotels des frühen 20. Jahrhunderts, als die Zimmer lediglich einen Waschtisch und eingebaute Schrankwände boten.

Das Bad verbirgt sich hinter einer Eichenholz-Schrankwand.

Das Bad verbirgt sich hinter einer Eichenholz-Schrankwand.

Foto: Robert Rieger

Die Atmosphäre ist durch die Mischung aus erdigen sowie dezent warmen Farbtönen und Textilien, die als Raumtrenner und Fenstervorhänge dienen, behaglich und gemütlich. Die Vorhänge verstecken zudem den Fernseher, was den Zimmern ein wunderbar analoges Gefühl verleiht, ohne auf die Annehmlichkeiten von Netflix und Co. zu verzichten.

Vorhänge dienen als Raumtrenner – und verströmen Behaglichkeit. 

Vorhänge dienen als Raumtrenner – und verströmen Behaglichkeit.

Foto: Robert Rieger

Das Highlight aber empfängt die Gäste bereits beim Betreten des Hotels: Die Lobby erinnert an Wes Andersons Filmkulissen und schafft eine besondere Atmosphäre. Dazu trägt vor allem der aufwendig handgearbeitete Marmor-Mosaikboden bei, der auch in der Bar zu finden ist.

Die Lobby mit dem aufwendig handgearbeiteten Marmor-Mosaikboden strahlt Glamour aus.  

Die Lobby mit dem aufwendig handgearbeiteten Marmor-Mosaikboden strahlt Glamour aus.

Foto: Robert Rieger

Clever ist zudem die Kooperation mit der Basler Galerie von Bartha, die im grosszügigen Entrée unter dem Titel «Von Bartha Insight» ein Offsite-Konzept der Galerie umsetzen und vier bis fünf Mal pro Jahr grossformatige Kunstpositionen präsentieren. Den Anfang macht der französische Bildhauer und Konzeptkünstler Bernar Venet mit seiner kraftvollen Stahlskulptur, die in einen starken Dialog mit der eleganten Architektur des Hotels tritt.

Ende November startete das neue Boutique-Hotel in eine dreimonatige Preview-Phase. Nun empfängt das Team um Hoteldirektor Martin Reinshagen seine Gäste jeweils Samstags und im April über Ostern.

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