Aktualisiert 25.12.2007 10:12

Eine halbe Million Franken pro «gestohlenes» Kind

Im Prozess um die Entführung von Kindern aus dem Tschad haben deren Eltern eine Entschädigung von 300 000 Euro für jedes der 103 Kinder gefordert. Eine der angeklagten Krankenschwestern brach vor Gericht zusammen.

Vor dem Gericht in N'Djamena warfen mehrere Eltern den sechs Angeklagten der französischen Hilfsorganisation L'Arche de Zoé vor, ihre Kinder «gestohlen» zu haben. Ein Verwandter sagte am Montag vor Gericht aus, die Franzosen hätten versprochen, die Kinder in einer Schule zu unterrichten. «Und dann haben sie sie zusammengepfercht wie Vieh, um sie in Frankreich zu verkaufen.»

Vor Gericht zusammengebrochen

Eine französische Krankenschwester ist beim Prozess gegen die im Tschad angeklagten Mitarbeiter der Hilfsorganisation Arche de Zoé zusammengebrochen. Nadia Merimi, die sich seit einiger Zeit im Hungerstreik befindet, wurde am Montag aus dem Gerichtssaal getragen. Sie ist wie die fünf anderen Franzosen wegen versuchter Kindesentführung und Betrugs angeklagt.

Den sechs Franzosen wird vorgeworfen, die Entführung der 103 Kinder geplant zu haben. Die Kinder sollten demnach als angebliche Waisen aus der sudanesischen Krisenregion Darfur zu Pflegeeltern nach Frankreich gebracht werden. Zusammen mit vier Mitangeklagten aus dem Tschad und dem Sudan drohen ihnen 5 bis 20 Jahre Zwangsarbeit. Das Urteil wird für Mittwochabend erwartet.

Sarkozy hält sich zurück

Der Chef und Gründer von Arche de Zoé, Eric Breteau, weist alle Vorwürfe von sich. Seine Versicherungen während des Prozesses lösten bei den Anwälten der Eltern Ärger aus. Sie bedauerten, dass er sich bisher zu keinem einzigen Wort des Bedauerns habe durchringen können. Die Kinder sind bis heute noch nicht zu ihren Familien zurückgekehrt.

In dem Fall wurden im Tschad insgesamt 17 Personen festgenommen. Mehrere Journalisten, Flugbegleiter und Piloten kamen zwischenzeitlich wieder frei. Die Angeklagten traten aus Protest gegen ihre Inhaftierung in den Hungerstreik und erklärten, sie seien von Frankreich im Stich gelassen worden. Die französische Regierung hat sich in dem für sie peinlichen Fall bislang weitgehend zurückgehalten.

(SDA/AP)

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