Aktualisiert 01.12.2011 15:55

Tiefer Wasserstand

Eine halbe Stadt wegen Bomben evakuiert

Koblenz erlebt die grösste Evakuierung wegen einer Bombenentschärfung in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg. Grund sind mehrere Bomben, die durch den tiefen Wasserstand des Rheins entdeckt wurden.

Im Rhein bei Koblenz ist ein 1,8 Tonnen schwerer Explosivkörper aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Die Entschärfung dieser Bombe, einer zweiten kleineren US-Bombe sowie eines Nebelfasses erfordert nun die zwischenzeitliche Evakuierung von 45 000 Menschen – fast die Hälfte der Einwohner. Sie müssen am Sonntag ihre Häuser für mehrere Stunden verlassen. Die Stadt plant mit rund 2500 Einsatzkräften.

Am Mittwoch wurden die ersten Patienten aus Spitälern in der Sperrzone verlegt, wie ein Sprecher des Roten Kreuzes sagte. Transportiert wurden zunächst nur Kranke aus Intensivstationen, da deren Verlegung aufwendiger sei. Am Samstag folgten dann die Patienten von anderen Stationen.

Bahnverkehr eingeschränkt

Während der Evakuierung am Sonntag wird es auch im Bahnverkehr zu grösseren Störungen kommen. Nach Angaben der Deutschen Bahn wird der Koblenzer Hauptbahnhof bis 8.00 Uhr geräumt. Anschliessend sollen bis zur geplanten Entschärfung am Nachmittag noch einige Züge ohne Halt durch Koblenz fahren.

Die normalerweise auf der Rheinstrecke verkehrenden IC- und ICE- Züge endeten in Mainz und Köln. Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord rät davon ab, am Sonntag nach oder über Koblenz zu fahren.

Der Bau eines provisorischen Damms um die grosse Fliegerbombe im Rhein wurde am Mittwoch fortgesetzt. Es liege nun eine Reihe sogenannter «Big Bags» parallel zum Flussufer, sagte Thomas Weckop vom Wasser- und Schifffahrtsamt Bingen. In die Zwischenräume würden nun kleinere Sandsäcke gestopft, um das Bauwerk dichter zu machen.

«Big Bags» sind grosse Sandsäcke, die jeweils eine Tonne wiegen. Mit rund 350 Stück dieser Säcke soll ein Kreis um die Bombe gelegt werden, aus dem das Wasser abgepumpt wird.

(sda)

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