Eine italienische Krawallnacht
Aktualisiert

Eine italienische Krawallnacht

In Italien ist es nach dem Tod eines Fussballfans durch einen Polizeibeamten gestern zu schweren Strassenschlachten gekommen. Rund 400 Fans, die der Lazio-Szene zugeordnet werden, haben am Abend mehrere Polizeistationen in Rom angegriffen.

Einige der Randalierer seien mit Steinen und Knüppeln ausgerüstet gewesen, berichtete ein Beamter. Sie hätten Scheiben eingeschlagen und Autos in Brand gesetzt. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Die Polizei bestätigte den Angriff, wollte aber zunächst keine Einzelheiten nennen. Mindestens zehn Beamte wurden nach einer Meldung der Nachrichtenagentur ANSA verletzt, ebenso zwei Kameraleute von Fernsehsendern.

Ausserdem blockierten Jugendliche mit Mülltonnen und Metallbarrieren eine Tiberbrücke in der Nähe des Stadions und schlugen Fensterscheiben am nahegelegenen Sitz des Italienischen Olympischen Komitees ein, wie ein AP-Fotograf beobachtete. Laut einem Bericht des staatlichen Senders RAI wurde ein Kameramann verletzt, auch ein Kameramann eines Privatsenders sei verletzt worden.

Zuvor hatte es in mindestens vier Städten gewaltsame Proteste gegeben - als Reaktion darauf, dass ein italienischer Polizist beim Versuch, eine Schlägerei rivalisierender Fussballfans zu beenden, einen jungen Fan von Lazio Rom auf einem Autobahnrastplatz erschossen hatte.

Polizist erschiesst Lazio-Fan

Laut Polizei hatten zwei Streifenwagen an einer Raststätte nahe Arezzo in der Toskana Fahrzeuge kontrolliert. Die Beamten hörten Schreie und sahen, wie die Insassen von drei Fahrzeugen miteinander kämpften. Auf das Einschalten der Sirene hätten die Fans nicht reagiert. «Einer der Beamten entschloss sich, zwei Warnschüsse in die Luft abzugeben, um die Leute einzuschüchtern», erklärte die Polizei.

In diesem Moment sei eines der Autos losgefahren, und einer der Schüsse haben den 26-Jährigen in den Hals getroffen. Der Fahrer sei noch ein paar Kilometer weit gefahren, um Hilfe zu holen, doch eine Ambulanz habe den tödlich Getroffenen nicht wiederbeleben können, teilte die Polizei mit. Bei dem Toten handelt es sich um einen 26 Jahre alten Disc-Jockey aus Rom.

Die Polizei sprach von einem «tragischen Irrtum» und kündigte eine Untersuchung an.

Quelle: SDA/AP/kub

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