30.06.2016 07:54

Fussball-EM

Eine kleine Firma gewinnt dank Isländern

Schon seit 2002 rüstet Erreà die isländischen Fussballer aus. Nun macht sich die langjährige Zusammenarbeit bezahlt: Die isländischen Trikots sind ein Renner.

von
F. Lindegger
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Der Isländer Kolbeinn Sigthorsson feiert mit seiner Familie den Sieg über England an der Fussball-EM in Frankreich.

Der Isländer Kolbeinn Sigthorsson feiert mit seiner Familie den Sieg über England an der Fussball-EM in Frankreich.

epa/Peter Powell
Der überraschende Erfolg der Isländer hat auch Auswirkungen auf ihren italienischen Ausrüster.

Der überraschende Erfolg der Isländer hat auch Auswirkungen auf ihren italienischen Ausrüster.

AP/Ariel Schalit
Die Trikots der Firma Erreà sind so beliebt, dass sie praktisch ausverkauft sind.

Die Trikots der Firma Erreà sind so beliebt, dass sie praktisch ausverkauft sind.

epa/Sebastien Nogier

Island ist die Überraschungsmannschaft an der Fussball-EM in Frankreich. Der Erfolg der Inselnation wirkt sich auch auf den Verkauf der Trikots aus. Die isländischen Leibchen des italienischen Herstellers Erreà sind zurzeit in ganz Europa Mangelware. In der Schweiz waren sie überhaupt nur in wenigen Sportgeschäften zu kaufen. Grosse Anbieter wie Athleticum oder Sportxx führten die Trikots erst gar nicht im Sortiment. Athleticum versucht nun, noch Trikots der Isländer für den Verkauf zu erhalten.

Doch das dürfte schwierig sein. «Nach unserer Schätzung wurden nicht mehr als 20'000 Trikots überhaupt produziert», erklärt der Sportmarketing-Fachmann Peter Rohlmann dem «Mananger Magazin». Diese seien nun ausverkauft und eine Nachproduktion innerhalb von kurzer Frist kaum möglich.

EM als Werbeplattform

Neben unerhofftem Erlös sei der Auftritt der Isländer an der EM in Frankreich vor allem ein unschätzbarer Image-Gewinn für Erreà, erklärte Vizepräsident Roberto Gandolfi dem italienischen Onlineportal Calciofinanza.it. Für die internationalen Sportausrüster wie Nike oder Adidas sind die grossen Turniere besonders wichtige Werbeplattformen: Nike (Portugal, Frankreich, Polen) und Adidas (Deutschland, Belgien und Wales) haben je noch drei im Rennen. Puma mit Italien und eben Erreà mit Island je ein Team.

Vor allem die Marktführer Nike und Adidas liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. 2015 setzte Adidas mit Fussball rund 2,2 Milliarden Euro um. Nike kommt auf ähnliche Zahlen. Adidas will bis 2020 die Nummer eins auf dem Fussballmarkt sein. Dabei helfen soll auch der neue Vertrag mit dem Deutschen Fussball-Bund, der für die Jahre 2018 bis 2022 abgeschlossen wurde. 65 bis 70 Millionen Euro soll sich Adidas die Zusammenarbeit kosten lassen.

Dankbarer isländischer Verband

Der Umfang des Vertrags von Erreà mit den Isländern dürfte einiges geringer sein. Seit 2002 rüstet das italienische Unternehmen das Nationalteam des Inselstaats aus. Damals soll keine Firma bereit gewesen sein, die Isländer mit Trikots auszustatten. Als Island nur knapp die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien verpasste, sollen sich auch andere Ausrüster um die Inselkicker bemüht haben. Aus Dankbarkeit gegenüber Erreà habe der isländische Verband die Avancen aber abgelehnt und die Zusammenarbeit mit den Italienern verlängert. Bis 2020 läuft der Vertrag noch.

Erreà wurde in San Polo di Torrile in der Provinz Parma 1988 von der Familie Gandolfi «aus Leidenschaft für den Fussball und den Sport im Allgemeinen» gegründet, wie der Textilhersteller schreibt. Die Familie Gandolfi besitzt und führt die Firma mit rund 1000 Beschäftigten noch heute. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Erreà einen Umsatz von rund 58 Millionen Euro, rund 10 Prozent mehr als im vergangenen Geschäftsjahr. Das Unternehmen ist vor allem als Ausrüster in den Sportarten Basketball, Volleyball und Fussball präsent. In der Schweizer etwa beim FC Sion und zahlreichen Amateurvereinen.

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