08.06.2019 06:20

Austin-Healey 100M

Eine Le-Mans-Ausrüstung für den Privatfahrer

Als 1952 der Austin-Healey 100 erstmals gezeigt wurde, stiess er auf enormes Interesse. Es gab keinen günstigeren 170-km/h-Sportwagen.

von
B. v. Rotz
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Die Frontscheibe des Austin-Healey 100M von 1955 lässt sich mit wenigen Griffen herunterklappen.

Die Frontscheibe des Austin-Healey 100M von 1955 lässt sich mit wenigen Griffen herunterklappen.

Daniel Reinhard/Courtesy Bonhams/www.zwischengas.com
Mit heruntergeklappter Frontscheibe sinkt natürlich der Luftwiderstand, die Scheibe wirkt gleichzeitig wie ein Spoiler.

Mit heruntergeklappter Frontscheibe sinkt natürlich der Luftwiderstand, die Scheibe wirkt gleichzeitig wie ein Spoiler.

Daniel Reinhard
Natürlich kann man den Austin-Healey 100M auch mit Dach fahren. Die Schönheit leidet kaum.

Natürlich kann man den Austin-Healey 100M auch mit Dach fahren. Die Schönheit leidet kaum.

Daniel Reinhard

Die Presse reagierte begeistert auf das Erscheinen des Austin-Healey 100 anlässlich der Earls Court Motorshow in London im Oktober 1952. Für 850 britische Pfund wurde den Besuchern ein hinreissend aussehender Sportwagen mit einem Leistungsgewicht von 10 Kilo pro PS präsentiert.

Statt einer normalen Testfahrt auf öffentlichen Strassen erhielt der britische Journalist John Bolster die Gelegenheit, den Sportwagen im Prototypenstatus auf der berühmten Hochgeschwindigkeitsstrecke bei Jabekke in Belgien zu fahren. Dabei handelte es sich um eine lange Gerade, die hohe Geschwindigkeiten zuliess, aber nicht gesperrt war. So begegneten dem Testfahrer bei seinen Messfahrten nicht nur Lastwagen, sondern auch Kühe, was ihm erlaubte, gleich auch noch mehrfaches Bremsen aus hohen Geschwindigkeiten zu prüfen.

Rekorde zum Einstand

Trotzdem erreichte Bolster 106 Meilen pro Stunde, umgerechnet fast 174 km/h. Nicht schlecht für einen Sportwagen, der kaum mehr kostete als eine gemütliche Limousine. Noch schneller ging es dann in den USA, wo Donald Healey 229,45 km/h über eine Meile erreichte. Hier dürfte die Motorleistung allerdings deutlich mehr als 110 PS betragen haben.

Auch hierzulande preiswert

In der Schweiz kostete der Austin-Healey 100 14'500 Franken. Man bewegte sich preislich also ungefähr auf einer Ebene mit einem Mercedes-Benz 170 oder einem Sunbeam 90 Mark II, zahlte aber weniger als die Hälfte von dem, was damals für einen ähnlich schnellen Sportwagen von Delahaye oder Talbot anzulegen war.

21 Sekunden dauerte der Spurt von 0 auf 130 km/h, und auch die Strassenlage bewegte sich auf oberstem Niveau. Die Technik war anspruchslos, denn Motor und Getriebe stammten aus dem Austin-Regal. Im Healey genügten vorerst drei Gänge und ein Overdrive, um die überdurchschnittlichen Fahrleistungen zu realisieren.

Le-Mans-Erfolg

Für das Jahr 1953 meldete Donald Healey gleich zwei seiner Austin-Healey für die 24 Stunden von Le Mans an. Gefahren wurden die leicht modifizierten Sportwagen jeweils von einem holländisch- respektive französisch-britischen Duo. Den einen Wagen fuhren Maurice Gatsonides und Johnny Locket, den anderen Marcel Becquart und Gordon Wilkins. Ohne grössere Probleme erreichten die zuverlässigen Autos den 12. und 14. Platz, allerdings fast 40 Runden hinter den Klassensiegern Maurice Trintignant/Harry Schell auf einem Gordini T26 S.

Der Erfolg wurde natürlich sofort in kommerzielle Aktionen umgesetzt. Besitzer des Erstgenerations-Austin-Healey BN1 konnten alsbald ein Tuning-Kit bestellen, das unter anderem eine sportlichere Vergaserbestückung und andere Verbesserungen beinhaltete und damit die Motorleistung auf 100 PS anhob.

Serienausführung im BN2

Im Oktober 1955 erschien der leicht verbesserte Typ BN2 an der Londoner Automobilausstellung. Und mit ihm gab es nun auch das Le-Mans-Kit direkt ab Werk (als Typ 100M) eingebaut. Damit erhielt man 111 PS und eine Haube mit Lüftungsschlitzen, wie sie die Rennwagen gehabt hatten. Inzwischen verfügte das Getriebe auch über vier Gänge.

Nur bis 1956 wurde der 4-Zylinder-Austin-Healey gebaut, dann ersetzte ihn ein verstärkter, auf Komfort ausgerichteter Sechszylinder. Nicht ganz 15'000 Vierzylinder-Varianten waren entstanden. Viele haben überlebt, nur wenige davon dürften werksgefertigte 100-M-Versionen gewesen sein, wie der abgebildete silberne Wagen.

Weitere Informationen und viele Bilder zum Austin-Healey 100M gibt es auf www.zwischengas.com.

www.zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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