20.06.2018 07:26

Weiterbildungen

«Eine Lehre allein reicht heute nicht mehr»

Die Anforderungen an Berufstätige steigen. Ein Experte erklärt, warum die Arbeitslosigkeit droht, wenn man sich nicht weiterbildet.

von
Sandro Büchler
1 / 7
Nur mit einer Berufslehre ist es nicht mehr getan: Bis im Jahr 2045 werden in der Schweiz 60 Prozent einen Abschluss aus der tertiären Stufe haben, wie es im Bildungsbericht 2018 heisst.

Nur mit einer Berufslehre ist es nicht mehr getan: Bis im Jahr 2045 werden in der Schweiz 60 Prozent einen Abschluss aus der tertiären Stufe haben, wie es im Bildungsbericht 2018 heisst.

Keystone/Ennio Leanza
Zum tertiären Sektor gehören Abschlüsse der ETH, von Universitäten und Fachhochschulen – aber auch Berufsprüfungen oder Abschlüsse von höheren Fachschulen.

Zum tertiären Sektor gehören Abschlüsse der ETH, von Universitäten und Fachhochschulen – aber auch Berufsprüfungen oder Abschlüsse von höheren Fachschulen.

Keystone/Christian Beutler
Der tertiäre Sektor steht damit nicht nur Maturanden offen, sondern auch Personen mit einer Berufslehre. Sie können etwa an einer höheren Fachschule eine Weiterbildung absolvieren.

Der tertiäre Sektor steht damit nicht nur Maturanden offen, sondern auch Personen mit einer Berufslehre. Sie können etwa an einer höheren Fachschule eine Weiterbildung absolvieren.

Keystone/Martin Ruetschi

Im Jahr 2045 werden 60 Prozent einen Abschluss aus dem tertiären Sektor haben. Das steht im Bildungsbericht 2018, den der Bildungsforscher Stefan Wolter verfasst hat. Im Interview erklärt er, wieso eine Lehre allein nicht mehr reicht.

Herr Wolter, wieso streben immer mehr nach Bachelor- und Masterabschlüssen?

Dies ist eine Folge der Ansprüche der Wirtschaft. Für immer mehr Berufe wird ein Studium verlangt.

Zum Beispiel?

Lehrer müssen heute etwa eine pädagogische Hochschule absolvieren, für gewisse Funktionen im Informatikbereich ist es unabdingbar, dass man Informatik studiert hat – ansonsten hat man keine Chance auf den Job. Zum Glück haben die Jugendlichen die Signale wahrgenommen und planen ihre Bildungskarriere dementsprechend.

Wie sind Lernende heute gefordert?

Eine Lehre allein reicht heute nicht mehr. Man muss aktiv bleiben und sich weiterbilden, sonst steigt die Gefahr von längeren Phasen der Arbeitslosigkeit. Denn der technologische Wandel beschleunigt sich, einfache und repetitive Arbeiten werden entweder ins Ausland verlagert oder durch Maschinen ersetzt.

Wann sind Weiterbildungen zentral?

Weiterbildungen sind nach der Lehre enorm wichtig. Nach dem Lehrabschluss bilden sich die Leute aber weniger stark weiter als Personen mit einem höheren Tertiärabschluss. Hier haben wir Nachholbedarf.

Ist das das Ende des dualen Bildungssystems?

Im Gegenteil. In den letzten Jahren kam es zu einer Verdoppelung von tertiär Gebildeten, ohne dass die gymnasiale Maturitätsquote gestiegen ist. Das heisst, ein Grossteil der Jugendlichen hat erst eine Lehre und anschliessend eine Fachhochschule oder höhere Berufsbildung absolviert.

Stefan Wolter

Stefan Wolter ist Bildungsökonom und leitet die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.