Zürcher Derby: Eine Leidensgeschichte zum Verzweifeln
Aktualisiert

Zürcher DerbyEine Leidensgeschichte zum Verzweifeln

Yassine Chikhaoui bereitet sich auf seinen nächsten Comebackversuch in der Super League vor. Am Sonntag könnte der FCZ-Stürmer im Derby auf der Ersatzbank Platz nehmen.

von
Eva Tedesco
Yassine Chikhaoui (hier im Spiel im April 2010) absolvierte in dieser Saison nur die ersten vier Partien.

Yassine Chikhaoui (hier im Spiel im April 2010) absolvierte in dieser Saison nur die ersten vier Partien.

Seinen ersten Einsatz hat der Tunesier schon hinter sich. Am Wochenende spielte Chikhaoui mit der U21-Mannschaft in der 1. Liga gegen Grenchen die ersten 45 Minuten und holte einen Penalty heraus. Auch heute Samstag wird er mit dem Nachwuchs gegen den FC Schötz antreten. Der erste Ernstkampf in der Super League könnte für den Stürmer am Sonntag Tatsache werden. Sportchef Fredy Bickel: «Wir haben uns sehr auf diesen Moment gefreut. Trainer Urs Fischer will sich zwar kurzfristig entscheiden, aber es ist gut möglich, dass Yassine gegen GC auf der Bank sitzt.»

Es würde das Ende einer langen Verletzungsgeschichte zum Verzweifeln eines Spielers bedeuten, der schon bald nach seiner Ankunft im Sommer 2007 von Etoile du Sahel in Zürich als die Attraktion der Liga bezeichnet wurde. Dabei hatte der FCZ den Tunesier «zufällig» entdeckt, als er sich für einen anderen Spieler interessierte und diesen beobachtet hatte. Aber schon nach wenigen Monaten war der Vater von Al Mahdi (1) auch bei Vereinen aus der Bundesliga und der Ligue 1 gefragt. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Chikhaoui liess sich in Barcelona behandeln

Im März 2008 setzte den 24-Jährigen eine Entzündung der Patellasehne ausser Gefecht und er musste sich im April einer Operation unterziehen. Sowohl Verein als auch Spieler gaben sich zuversichtlich und kündigten eine Rückkehr des tunesischen Internationalen für Juni an – und haben wohl versäumt das Jahr anzuhängen. Denn aus dem raschen Comeback wurde nichts. Die Schmerzen liessen nie nach. Im März 2009 lässt sich der strenggläubige Muslim in der medizinischen Abteilung des FC Barcelona behandeln. Erfolgreich. Die Zuversicht stieg wieder. Und tatsächlich kehrt Chikhaoui auf den Rasen zurück – für nur sechs Spiele. Dann war wieder Schluss. Der FCZ spielte in der Champions League. Chikhaoui litt.

Im März 2010 das nächste Comeback. Und nach nur einem Monat die nächste Verletzungsmeldung. Die Adduktorenzerrung war zum Glück schnell auskuriert und Chikhaoui kam immer besser in Form. Im Mai verlängerte er seinen Vertrag beim FCZ bis 2014. Doch schon am 11. August 2010 kam es wieder knüppeldick für den Stürmer: Er brach sich in einem Länderspiel mit Tunesien gegen Tschad das rechte Schienbein.

Nur 36 Ligaspiele in vier Jahren

Seit Januar trainiert Chikhaoui wieder mit der Mannschaft. Aber kann der Tunesier auch an seine Form aus der Saison 2007/08 anschliessen, in der er in 18 Partien 8 Tore erzielt hatte? Bickel: «Wir wissen, was wir an Yassine haben.» Gewisse Zweifel nach so langen Absenzen und wenigen Ligaspielen – in 4 Saisons kommt Chikhaoui auf 36 Meisterschaftsspiele (9 Tore) – kann der Zürcher Sportchef aber auch nicht ausräumen.

Deine Meinung