Umfrage zeigt: Eine Mehrheit befürwortet legales Kiffen
Aktualisiert

Umfrage zeigtEine Mehrheit befürwortet legales Kiffen

Die Eidgenössische Drogenkommission rennt mit ihrem Vorschlag einer Cannabis-Liberalisierung offene Türen ein. 55,4 Prozent sprechen sich in einer Umfrage für eine Legalisierung aus.

von
J. Büchi

Die Idee einer Cannabis-Legalisierung geniesst in der Schweizer Bevölkerung durchaus Sympathien. Das zeigt eine repräsentative Befragung, die das Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com im Auftrag von 20 Minuten durchgeführt hat. 36,5 Prozent der gut 500 Befragten sprechen sich dafür aus, Cannabis bis zu einer staatlich vorgegebenen Höchstmenge zu legalisieren, 18,9 Prozent finden sogar, dass der Besitz von Cannabis in der Schweiz in unbegrenzter Menge erlaubt sein sollte.

Nur 44,6 Prozent lehnen die Idee einer Hanf-Legalisierung klar ab. Damit ist die Akzeptanz fürs Kiffen ungleich grösser als jene für härtere Drogen: Auf Substanzen wie Heroin, Kokain, Amphetamine und Ecstasy angesprochen, geben jeweils über 90 Prozent der Befragten an, eine Legalisierung komme nicht infrage.

Ähnlich sind die Mehrheiten bei der Frage verteilt, ob ein kontrollierter Handel mit Cannabis erlaubt sein sollte. 32,1 Prozent würden einen Verkauf unter staatlicher Aufsicht befürworten, 25,1 Prozent finden, dass der Handel über die freie Marktwirtschaft abgewickelt werden könnte. Eine Minderheit von 42,8 Prozent ist gegen einen straffreien Hanfhandel.

«Es hat sich sehr viel getan»

Das Ergebnis der Befragung überrascht Sven Schendekehl vom Verein «Legalize it» nicht: «Im letzten Jahr hat sich weltweit sehr viel getan, was straffreies Kiffen betrifft – die Leute gehen deshalb offener mit dem Thema um.» Er verweist auf den US-Bundesstaat Colorado, in dem seit Anfang des Jahres legal gekifft werden kann. Ein weiteres Beispiel ist Uruguay: Im Land wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Produktion und den Verkauf von Cannabis unter staatlicher Kontrolle erlaubt.

In der Schweiz hat die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen die Debatte neu lanciert: Wie am Sonntag bekannt wurde, lässt sie derzeit von einer Arbeitsgruppe prüfen, ob Liberalisierungsmodelle wie jene in Colorado oder Uruguay auch für die Schweiz infrage kämen. In Genf steht zudem ein Pilotprojekt zur Diskussion, in dessen Rahmen in sogenannten «Cannabis Social Clubs» legal gekifft werden dürfte.

«Reif für Veränderung»

«Ich könnte mir gut vorstellen, dass damit auch in anderen Städten Bewegung in die Diskussion kommen wird», sagt Schendekehl. Politik und Gesellschaft hätten gemerkt, dass sie nicht darüber entscheiden können, ob gekifft werde oder nicht. «Die Frage ist vielmehr: Will man das Hanf-Business in einen geregelten Markt überführen – oder überlässt man es der Kriminalität?»

Auch für Nationalrat Bastien Girod (Grüne) bilden die neuen Resultate den Zeitgeist gut ab. «Das Cannabis-Verbot wird in der Schweiz schon längst nicht mehr gelebt – viele Leute taxieren einen vernünftigen Genusskonsum nicht als illegal.» Wenn sogar in den USA, wo die Prohibition sehr stark verankert gewesen sei, ein Umdenken stattfinde, sei wohl auch die Schweiz reif für eine Veränderung.

SVP warnt vor «Einstiegsdroge»

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner hingegen will nichts wissen von einer Legalisierung: «Für mich ist und bleibt Cannabis eine Einstiegsdroge, die viele Menschen ins Elend führt.» Auch dass eine Liberalisierung in der Schweiz tatsächlich Chancen hätte, glaubt er nicht. Frehner verweist auf die Hanf-Initiative, die 2008 gerade einmal einen Ja-Stimmen-Anteil von 36,7 Prozent erreichte. «Die Mehrheiten werden sich in der Zwischenzeit kaum dermassen verschoben haben.» Meinungsumfragen seien nur eine Momentaufnahme.

Auch Girod und Schendekehl räumen ein, dass eine Cannabis-Legalisierung an der Urne weiterhin einen schweren Stand hätte. «Das Schwierige ist, dass solche Abstimmungskämpfe in der Regel sehr emotional geführt werden», sagt Girod. Man diskutiere in den Kampagnen darüber, ob Kiffen «gut» sei – und nicht darüber, wie man damit umgehen soll. Schendekehl sieht zudem institutionelle Hürden: Bei einer Initiative bräuchte es ein Volks- und ein Ständemehr. «Dafür würde es zum jetzigen Zeitpunkt wohl noch nicht reichen.»

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