Aktualisiert 04.08.2004 08:46

Eine Million Dollar für vertauschten Embryo

Für eine folgenschwere Verwechslung bei einer künstlichen Befruchtung hat ein Gericht in San Francisco einer Frau eine Million Dollar Entschädigung zugesprochen.

Susan Buchweitz wurde bei einer In-Vitro-Fertilisation vor dreieinhalb Jahren ein falscher Embryo eingesetzt. Ihre Ärzte verbargen den Fehler vor ihr, bis das Kind zehn Monate alt war, wie es in der am Montag veröffentlichten Gerichtsentscheidung hiess.

Der Junge ist das Kind eines Ehepaars, das sich am selben Tag in der Klinik in San Francisco der Prozedur unterzog. Der Embryo wurde aus dem Sperma des Mannes und dem Ei einer anonymen Spenderin gezeugt. Nun möchte das Paar, das nach der Befruchtung eine Tochter bekam, das Sorgerecht für deren biologischen Bruder. Das Ehepaar hat die beiden verantwortlichen Ärzte, Steven Katz und Imam El-Danasouri, ebenfalls auf Schadenersatz verklagt.

Katz erklärte, der Fehler sei schon kurz nach dem Eingriff aufgefallen. Er und El-Danasouri hätten sich aber entschlossen, der Natur ihren Lauf zu lassen, da Buchweitz damals schon 47 Jahre alt gewesen sei und zwei Jahre lang vergeblich versucht hätte, schwanger zu werden. Die Wahrheit hätte sie zu einem Schwangerschaftsabbruch veranlassen können. Mehrere Experten stimmten dieser Ansicht zu.

Buchweitz wurde im Dezember 2001 von der kalifornischen Ärztekammer auf den Tausch hingewiesen, die auf einen anonymen Hinweis eines früheren Mitarbeiters der Klinik reagierte. Katz und El-Danasouri klärten dann Buchweiz und das Ehepaar auf, das nun das Sorgerecht für den Jungen beantragt hat. Der Mann hat von einem Familiengericht als biologischer Vater ein Besuchsrecht zugesprochen bekommen. «Es ist so ironisch, dass Leute, die sich nicht kennen, von einem Gericht gebeten werden, ein Kind gemeinsam aufzuziehen», sagte Buchweitz. «Es steht in keinem Psychologiebuch, wie man damit umgehen soll.» (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.