Aktualisiert 11.06.2011 13:26

Simplon-Unfall

Eine Million Liter Löschwasser gegen Brand

Der Simplon-Tunnel ist nach dem verheerenden Brand wieder geöffnet. Für die Bekämpfung des Feuers musste eine enorme Wassermenge verwendet werden.

Feuerwehrleute inspizieren den Simplontunnel.

Feuerwehrleute inspizieren den Simplontunnel.

Nach 55 Stunden ist eine Röhre des Simplontunnels für den Zugverkehr wieder geöffnet worden. Am Samstag kurz vor 13 Uhr fuhr ein erster Shuttle-Zug rund 20 Personen von Brig VS nach Domodossola (I).

Am Samstagmorgen führte die SBB erste Testfahrten im unversehrten Tunnel 1 durch. Luftmessungen hatten zuvor weder Rauch noch erhöhte Schadstoffwerte ergeben. Kurz vor 13 Uhr schickte die SBB dann den ersten Personenzug in Brig auf die Strecke.

Seither fährt jede Stunde ein Zug in jede Richtung mit einer Kapazität von 600 Personen. Auch Güterzüge sind seit dem frühen Nachmittag wieder unterwegs. Sie fahren dann, wenn es zwischen den Personenzügen eine Lücke gibt.

Der Unglückstunnel könnte hingegen noch für mehrere Monate gesperrt bleiben. Diese Zeit sei gemäss Spezialisten nötig, um die Röhre wieder in Stand zu stellen, sagte SBB-Sprecher Christian Ginsig zur Nachrichtenagentur SDA.

Wagen bleiben im Tunnel

Im Brandtunnel gab es am Samstagmorgen keinen Rauch und keine Glutnester mehr. Dennoch werden die Löscharbeiten bis Montag «konsequent» weitergeführt, wie Ginsig sagte. Bis am Samstagmittag wurde über eine Million Liter Löschwasser zur Unglücksstelle gepumpt.

Bis Montag bleiben auch die ausgebrannten Güterwagen im Tunnel. Wohin sie danach gebracht werden, ist noch unklar. Laut Ginsig dürften sie nach Italien gefahren werden, da der Unglücksort näher bei Italien liegt.

Inzwischen sind im Brandtunnel die Temperaturen deutlich gesunken. Sie lagen - nachdem sie während des Brands auf 800 Grad angestiegen waren - am Samstagmorgen noch bei 30 Grad. Normalerweise ist es im Tunnel wegen der Bergwärme 27 Grad warm.

Mit dem Bus über den Berg

Bevor die Tunnelröhre wieder geöffnet wurde, waren die Passagiere von Brig Richtung Süden mit dem Bus über den Simplon gefahren worden. Bis zu 19 Busse standen dafür im Einsatz. Die Busfahrt verlängerte die Reise von und nach Italien um zwei bis drei Stunden. Zudem waren verschiedene Anschlüsse nicht gewährleistet.

Am Donnerstagmorgen hatten mehrere Wagen eines Güterzuges der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) Feuer gefangen, nachdem ein Wagen in Brand geraten war. Verletzt wurde niemand. Die Komposition hatte Stahl, Elektrogeräte, Wein und Nudeln geladen. Die BLS ist für die Hälfte aller Transporte auf dieser Achse zuständig.

Die Brandursache ist nach wie vor nicht bekannt. Die Untersuchungen dazu leitet das Bundesamt für Verkehr (BAV).

Der für die Pfingsttage geplante Autoverlad zwischen Kandersteg BE und Iselle (I) fiel bis am Samstag aus. Ob er am Sonntag wieder aufgenommen werden kann, stand am Samstagnachmittag noch nicht fest. Die SBB hat unter der Nummer 0800 99 66 33 eine kostenlose Hotline eingerichtet.

(sda)

Rola will schon bald wieder durch den Simplon rollen

Die Schliessung des Simplon-Tunnels trifft vor allem den Güterverkehr. Bei der Betreiberin der Rollenden Autobahn (Rola), der RAlpin AG in Olten, hofft man deshalb, dass der Güterverkehr bei der teilweisen Wiederinbetriebnahme bevorzugt behandelt wird.

Die Lötschberg- und Simplonachse sei prioritär eine Güterverkehrsachse, sagte RAlpin-Geschäftsführer René Dancet am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Dancet hofft, dass die RAlpin in der kommenden Woche wieder 9 bis 10 Zugspaare durch den Simplon bringen kann. Normalerweise bietet RAlpin täglich zwischen Freiburg (D) und Novara (It) 11 Zugspaare an.

Dancets Hoffnung gründen auf der Tatsache, dass nicht nur ein Röhre für den Zugsverkehr freigegeben wird, sondern «eineinhalb Röhren». In der Mitte des Tunnels befindet sich eine Kreuzungsstation, so dass möglicherweise auch der Nordteil jener Röhre befahren werden kann, in welcher der Güterzug am Donnerstag Feuer gefangen hatte.

RAlpin lässt bis zur Wiederaufnahme des Betriebes am Montagnachmittag rund 64 Züge mit 1000 Lastwagen ausfallen. Die ersten Züge der Rola, die am Montag wieder via Simplon verkehren sollen, sind jene 12.40 Uhr ab Freiburg und 13.45 Uhr ab Novara.

Eine Verlagerung auf die Gotthardachse, wo die RAlpin ebenfalls tätig ist, findet allerdings nicht statt. Der Grossteil der via Lötschberg und Simplon transportierten Lastwagen sei für die Gotthardachse zu gross, erklärte Dancet.

Zudem handle es sich bei der Rola am Gotthard um eine inner- schweizerische Verbindung zwischen Basel und Lugano mit nur einem Zugspaar pro Tag. Die Gotthard-Rola sei deshalb für den alpenquerenden EU-Güterverkehr keine Alternative.

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