Aktualisiert 30.05.2011 12:14

Heftige AnschuldigungenEine Million und Laptops für alle?

Der suspendierte Fifa-Vize-Präsident Jack Warner kündigte einen «Fussball-Tsunami» an. Das sind die Vorwürfe, welche er gegen Sepp Blatter erhebt.

von
fox
Jack Warner gibt nach seiner Suspendierung einigen Journalisten Auskunft.

Jack Warner gibt nach seiner Suspendierung einigen Journalisten Auskunft.

«In den kommenden zwei Tagen werden sie einen Fussball-Tsunami erleben, der die Fifa und die Welt erfassen wird, und das wird sie schockieren», kündigte Jack Warner, Präsident des Fifa-Regionalverbandes für die Karibik und Nord- und Mittelamerika (Concacaf), schon vor seiner Reise nach Zürich an. Am Sonntag wurden er und Mohamed Bin Hammam – der schon am Sonntagmorgen seine Präsidentschaftskandidatur zurückzog – von der Ethikkommission suspendiert.

Ob der angekündigte «Tsunami» bis zur «Farce-Wahl» am Mittwoch noch über die Fussballwelt hereinbricht, ist unklar. Denn Präsident Sepp Blatter wurde von allen Anschuldigungen freigesprochen. Warner scheint damit nicht zufrieden zu sein. Er wirft dem Walliser Bestechungsversuche vor: «Ich sagte der Ethikkommission, dass beim Concacaf-Kongress in Miami am 3. Mai Mister Blatter dem Concacaf eine Million Dollar für Projekte spendete, welche der Verband als wichtig erachte», so Warner in einem Statement nach der Anhörung in Zürich am Sonntag.

Laptops für die Mitglieder

Der Mann aus Trinidad und Tobago fügte hinzu: «Dies habe den ebenfalls anwesenden Uefa-Präsidenten Michel Platini geärgert. Er beschwerte sich bei Generalsekretär Jerome Valcke, dass der Präsident keine Erlaubnis des Finanzkomitees für dieses Geschenk habe. Jerome (Valcke) habe nur geantwortet, dass er das Geld für Mister Blatter auftreiben werde.»

Es sei allerdings nicht der einzige Bestechungsversuch des Wallisers in den letzten Tagen gewesen. «Ich sagte der Ethikkommission auch, dass beim CFU-Meeting (Karibischer Fussballverband) am 10. Mai in Trinidad die Fifa durch Mister Blatter Laptops und Projektoren für alle Mitglieder organisierte.» Das Treffen am 10. Mai war übrigens jener Anlass, an welchem Bin Hammam die 25 Mitglieder mit gesamthaft einer Million Dollar bestochen haben soll. Dieser Vorwurf führte zur Suspendierung des Katarers.

Anscheinend waren die Vorwürfe gegen Blatter nicht schwer genug oder konnten nicht bewiesen werden. Denn der 75-Jährige wurde bekanntlich durch die Ethikkommission freigesprochen. Wie es aktuell aussieht, wird die Wahl am Mittwoch durchgeführt und Blatter in seinem Amt bestätigt.

«Glaubte Bin Hammam er könne die Fifa kaufen?»

Neben den Vorwürfen gegen Blatter nahm Warner auch Generalsekretär Jerome Valcke unter Beschuss. So habe der Franzose ihm eine E-Mail geschrieben und darin angedeutet, dass Bin Hammam die WM 2011 «gekauft» habe. Er habe Valcke zurückgeschrieben: «Der Ausgang der Wahl könnte in der Arabischen Welt für Unmut sorgen und er schlage darum vor, dass Bin Hammam seine Kandidatur zurückziehen sollte.» Dies machte der Katarer noch vor der Sitzung der Ethikkommission.

Spannend ist allerdings auch hier wieder die angebliche Antwort Valckes: «Ich habe nie verstanden, warum er sich überhaupt stellte. Ob er wirklich dachte, dass er eine Chance hatte oder war es einfach ein extremer Weg, um seine Missgunst gegenüber Blatter auszudrücken? Oder glaubte Bin Hammam, er könne die Fifa kaufen, wie er es mit der WM geschafft hatte?»

ab 18 Uhr live.

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