Heikle Verhandlungen: Eine Million weniger in der HCD-Kriegskasse?
Aktualisiert

Heikle VerhandlungenEine Million weniger in der HCD-Kriegskasse?

Der HC Davos wird in Zukunft wohl eine Million weniger in der Transfer-Kriegskasse haben. Die anderen Klubs wollen sich die Spengler-Cup-Pause künftig bezahlen lassen.

von
Klaus Zaugg
Rund eine Million Franken muss der HCD den anderen Klubs wegen dem Spengler Cup an Entschädigungen zahlen.

Rund eine Million Franken muss der HCD den anderen Klubs wegen dem Spengler Cup an Entschädigungen zahlen.

Der HCD ist Veranstalter und Besitzer des Spengler Cups. Auf den neuen HCD-Präsidenten Gaudenz Domenig warten daher heikle Verhandlungen. Die anderen NLA-Klubs sind zwar bereit, in der Altjahrswoche den Spielbetrieb weiterhin für die Spengler Cup-Pause einzustellen. Aber dafür wollen sie nun erstmals Geld. Auch wegen der neuen Vertragssituation im TV-Business. Bisher hat die SRG mit dem Verband (Swiss Ice Hockey) einen Globalvertrag ausgehandelt, der sämtliche Hockey-TV-Rechte (Qualifikation, Playoffs, Länderspiele ausserhalb der WM, Spengler Cup) umfasste. Dieser Vertrag läuft Ende Saison aus und bereits steht fest, dass der Spengler Cup darin nicht mehr enthalten sein wird.

Das hat Folgen für den HCD. Bisher lautete die Formel: Weil der Spengler Cup auch im TV-Vertrag ist, gibt es mehr Geld und das kommt allen Klubs zugute. Der Netto-Gesamtertrag aus den TV-Rechten belief sich für die Nationalliga bisher auf rund zehn Millionen. Mit etwas Glück wird es gelingen, im neuen TV-Vertrag mit der SRG und der Cinetrade AG (Teleclub, Swisscom-TV) etwa gleich viel Geld und etwas mehr TV-Präsenz bei der SRG (ein Livespiel pro Woche ab Januar bis Qualifikationsende) herauszuholen.

Live-Übertragungen im Schweizer Fernsehen entscheidend

Der HCD aber muss mit TV-Sportchef Urs Leutert den Spengler Cup selber verhandeln. HCD-Präsident Gaudenz A. Domenig wird versuchen, bei der SRG so viel Geld wie möglich für diese TV-Rechte herauszuholen. Aber es ist für Domenig ein Jass ohne Trumpfkarten: Ohne die Live-Übertragungen im Schweizer Fernsehen verkommt das Turnier zur Bedeutungslosigkeit und das wäre das Ende für den HCD: Nur mit dem Gewinn aus dem Spengler Cup kann der Meister die Nachteile seiner exponierten geographischen Lage (weniger als 5000 Fans pro Heimspiel) kompensieren. Der EHC Arosa konnte ohne solche Zusatzeinnahmen in einem ähnlich exponierten Bergdorf den Spielbetrieb nicht mehr finanzieren und stieg 1986 freiwillig in die 1. Liga ab.

Der HCD ist also auf Gedeih und Verderb auf die SRG angewiesen. TV-Sportchef Urs Leutert sagte denn auch gegenüber 20 Minuten Online klar, dass der HCD nicht mit einer siebenstelligen Summe rechnen könne: «Unsere Produktionskosten sind hoch und die Einschaltquoten waren in den letzten Jahren eher leicht rückläufig.» Es wird darauf hinauslaufen, dass die SRG den Spengler Cup weiterhin wie bisher überträgt, dafür aber dem HCD kein Geld für die Übertragungsrechte überweist. Davos kann die NLA-Klubs also kaum mit dem Ertrag aus den TV-Rechten entschädigen.

Einigung der Vertreter der NLA-Klubs

Am Mittwoch haben sich die Vertreter der NLA-Klubs im Nachgang an die offizielle Nationalliga-Zusammenkunft auf eine klare Linie geeinigt:

Erstens eine Entschädigung für die Pause in der Altjahrswoche für die Klubs, die nicht am Spengler Cup teilnehmen können. Die Klubs argumentieren, man verliere durch den Verzicht auf die sehr guten Spieltage in der Altjahrswoche ligaweit jedes Jahr rund 20 000 Zuschauer.Zweitens eine Pauschalentschädigung für die Spieler, die von den Klubs für Team Canada freigegeben werden müssen. Weil der Spengler Cup für Team Canada als Länderspiel deklariert wird, müssen die Klubs ihre Kanadier für das Turnier freigeben. Drittens eine Pauschalentschädigung pro Spiel, das ein Spieler verpasst, der sich beim Spengler Cup verletzt.

Der HCD gibt keinen Einblick in seine Buchhaltung. Die Klubmanager im Flachland schätzen den Gewinn aus dem Spengler Cup auf zwei bis vier Millionen Franken.

Rund eine Million Entschädigungen

Wie viel muss nun der HCD den Klubs für die Pause bezahlen? Die Flachland-Hardliner möchten 100 000 Franken für jedes Team, das nicht am Turnier teilnimmt. Mit dieser Forderung wird die Liga wahrscheinlich nicht ganz durchkommen. Aber schliesslich und endlich dürfte die Gesamtsumme der zu bezahlenden Entschädigungen (inkl. jene für die fürs Turnier freigegebenen Spieler) für den HC Davos doch rund eine Million ausmachen. Das heisst künftig Million weniger für die «Transfer-Kriegskasse» des HC Davos.

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