Aktualisiert 14.06.2013 17:05

«Time-Out»Eine Modusänderung ohne jede Not

Die National League hat sich nach neun Jahren für eine Modusänderung entschieden. Es ist eine unnötige und dumme Entscheidung, die viel Geld kostet.

von
Klaus Zaugg

Neun Jahre lang haben wir nicht mehr am Modus gebastelt. Kontinuität, Stabilität, Glaubwürdigkeit und eine hohe, unverfälschte Leistungskultur sind die wichtigsten Gründe für den Erfolg der NLA im Eishockey. Sport ist klar und wahr. Dem Sieger den Triumph, dem Verlierer das Drama.

Wenn Liga-Bürokraten versuchen, die Folgen von Niederlagen zu verwässern und die Leistungskultur zu untergraben, dann schaden sie dem Sport. Die Idee einer geschlossenen Liga ohne Auf- und Absteiger kommt aus dieser Küche. Sie konnte sich zum Glück bei uns nie durchsetzen. Mehrere ausländische Ligen sind durch ständige Moduswechsel und vorübergehende Abschaffung des Auf- und Abstieges in den letzten Jahren in Schwierigkeiten geraten.

Abstiegsrunde statt Playouts

Nun haben sich die Liga-Bürokraten mit einer dummen, unnötigen und teuren Modusänderung wieder einmal in Szene gesetzt. Neun Jahre lang war unser Hockey klar und wahr: Oben die Playoffs, unten die Playouts. Ab nächster Saison haben wir neu nicht mehr die klaren und wahren Playouts. Es kommt zu einer Abstiegsrunde um die Playout-Finalisten zu ermitteln.

Die Begründung, dass der Neunte um den Lohn seiner Anstrengungen gebracht werde, wenn er die Punkte nicht mitnehmen könne, ist barer Unsinn. Der Qualifikationssieger kann beim Playoff-Modus auch in einer Runde um den Lohn aller Anstrengungen gebracht werden. Das gehört zum Sport. Dem Sieger den Triumph, dem Verlierer das Drama.

Noch nie ein Neunter abgestiegen

Der Neunte ist im Playout-Modus sowieso noch nie abgestiegen. Aber die anstehende Bewährungsprobe Playouts hat stets dafür gesorgt, dass auch jene, die keine Chance mehr auf die Playoffs hatten, in der Qualifikation immer hellwach geblieben sind und das Medien- und Publikumsinteresse nicht nachgelassen hat. Und sehr oft ist es den Klubs dann gelungen, die Playouts zu zelebrieren und mit dem Drama um den Liga-Erhalt gutes Geld zu verdienen.

Nun wird sich dies ändern: Noch jedes Jahr war in der Qualifikation bald einmal ein Team ohne Hoffnung nach oben und Angst nach unten im Niemandsland des 10. Ranges. Sehr oft war bald entschieden, wer die Ränge 11 und 12 belegen wird. Die Gefahr, dass es in dieser neuen Abstiegsrunde um rein gar nichts mehr gehen wird, ist sehr gross. Mit entsprechenden, verheerenden Folgen fürs Publikums- und Medieninteresse. Diese Modusänderung kann die Klubs also Hunderttausende von Franken kosten. Und ich höre die Sportchefs schon jammern, wenn jene Klubs, die aufgrund der Tabellenlage schon im Januar nichts mehr zu befürchten haben, ihre Spieler an die Konkurrenz ausleihen und zugleich durch Preisgabe der Leistungsfähigkeit die Meisterschaft (den Kampf um die Playoffs) verfälschen.

Modusänderung ohne Zwang

Diese Modusänderung ist ohne jede Not erfolgt. Die Liga-Bürokraten haben mit dieser Modusänderung den Klubs einen Floh ins Ohr gesetzt: Vorschläge, die weniger Leistungsdruck versprechen, werden von den Klubmanagern an Liga-Versammlungen immer angenommen.

Ebenso negativ wirkt sich aus, dass sich die NLB-Klubs neu schon im Herbst für den Aufstieg entscheiden müssen. Was soll diese Bürokratie? Sport ist nicht berechenbar. Mit dieser unsinnigen Regelung wäre beispielsweise Langnau gar nie zwischenzeitlich in die NLA zurückgekehrt. Im Herbst 1997 war Langnau nicht aufstiegsfähig und entwickelte sich erst im Laufe der Saison wirtschaftlich und sportlich zum NLA-Klub. Während einer Saison kann vieles passieren. Auf und neben dem Eis.

Liga-Bürokraten verhindern Weiterentwicklung

Wer aufsteigen will, soll aufsteigen können. Dieses frühe Festlegen auf den Aufstieg bringt nichts. Ohnehin versagen sämtliche von den Liga-Bürokraten entwickelten Kontrollen: Das sinnlose Lizenz-Verfahren hat zuletzt den Konkurs von Sierre weder verhindert noch vorausgesehen, und die Lizenz-Dilettanten stolperten vor einem Jahr ahnungslos ins Kloten-Abenteuer. Sport soll klar und wahr bleiben: Den Siegern den Triumph, den Verlierern das Drama.

Dank einer hoch entwickelten Leistungskultur und Kontinuität hat sich unsere Meisterschaft im 21. Jahrhundert zu einer der besten der Welt entwickelt. Die Liga-Bürokraten gefährden diese Entwicklung. Denn sie wissen nicht, was sie tun.

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