Phaedra Almajid: Eine Mutter kämpft gegen die Fifa und lebt in Angst
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Phaedra AlmajidEine Mutter kämpft gegen die Fifa und lebt in Angst

Katar hat bei der WM-Vergabe getrickst. Das sagt Phaedra Alamjid. Die Alleinerziehende kämpft gegen eines der reichsten Länder und die reichste Sportorganisation der Welt.

von
gux

Bei der Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaft war sie die Pressechefin des Bewerbungskomitees von Katar. Dann wurde Phaedra Almajid entlassen. Wenig später erhielt Katar den Zuschlag für die WM – und Almajid trat an die Öffentlichkeit: Sie warf Katar vor, Fifa-Funktionären für den Zuschlag Geld angeboten zu haben. Später zog sie diese Anschuldigungen zurück – um jetzt in ihrem Exil in den USA öffentlich zu machen, dass man sie unter Drohungen zu diesem Schritt gezwungen habe.

In einem Interview mit BBC erklärt Almajid: «Ich hatte keinen Anwalt mehr. Ich war allein und das als alleinerziehende Mutter zweier Kinder, von denen eines schwer behindert ist.» In Katar habe man ihr gedroht, sie auf über eine Million Dollar zu verklagen, sollte sie mit ihren öffentlichen Anschuldigungen nicht aufhören. «Ich werde für den Rest meines Lebens über die Schulter schauen, ob mir jemand folgt», sagt sie heute. Näher wolle sie nicht über die Drohungen sprechen, «aus Angst um mich und meine beiden Söhne».

«Katar hat die WM unsauber geholt»

Über zwei Jahre lieferte Almajid Fifa-Chefermittler Michael Garcia Informationen, die in dessen Bericht über Korruption bei der WM-Vergabe einflossen. Demzufolge war Mohammed Bin Hammam, der mittlerweile entlassene Präsident der Asiatischen Fussballkonföderation, eine der Schlüsselfiguren bei der gekauften WM-Vergabe.

Auch berichtete Almajid von einer geheimen Absprache zwischen dem spanischen und dem katarischen Verband. Diese Informationen wurden aber nie publiziert. Vielmehr stellte der 42-seitige Bericht der Fifa-Ethikkommission die Whistleblowerin als unglaubwürdige Zeugin dar. «Ich musste sofort weinen, dann fühlte ich nur Wut», sagt Almajid zu «Bild am Sonntag».

Almajid stellt noch einmal klar: «Katar hat die WM unsauber geholt. Aber das hat fast jeder andere Kandidat auch versucht. Weil die Fifa ein korruptes System unterstützt.»

«Fifa hat eigenen Ethik-Code gebrochen

Sie sei sehr naiv gewesen und habe nicht damit gerechnet, was für ein Wind Whistleblowern entgegenschlage («Auf einmal war ich die Böse»). Bereuen tut Almajid nichts. Denn die Fifa habe «ihren eigenen Ethik-Code gebrochen. Ich bin eine alleinerziehende Mutter, die gegen eines des reichsten Länder der Welt und gegen die reichste Sportorganisation der Welt kämpft», sagt sie auf «Skysports».

Katar zufolge verlief bei der WM-Vergabe alles rechtens. Es verweigert jeglichen weiteren Kommentar zu den Anschuldigungen. Die Fifa hat nach dem Skandal um die Untersuchung der WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) weitere Untersuchungen angekündigt. Zuvor hatte der Fifa-Ethik-Hüter Hans-Joachim Eckert die WM-Gastgeber 2018 und 2022 vom Vorwurf der Korruption freigesprochen und damit weltweit Empörung ausgelöst.

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