Tennis-Experiment: Eine neue Liga mit Nadal, Sampras und Hingis
Aktualisiert

Tennis-ExperimentEine neue Liga mit Nadal, Sampras und Hingis

Der indische Weltklasse-Doppelspieler Mahesh Bhupathi will eine asiatische Tennisliga mit vier Städte-Teams etablieren. Nun wurden dafür Stars für 24 Millionen Dollar ersteigert.

von
Kai Müller

Nicht selten haben führende Tennisspieler in der jüngeren Vergangenheit über die grosse Belastung auf der ATP-Tour geklagt und sprachen sich für eine Verkürzung der Saison aus. Trotzdem liessen sich manche noch im Dezember, der Zeit für Regeneration und die Vorbereitung der neuen Saison, zu Schaukämpfen in der Ferne hinreissen. Wie Roger Federer, der 2012 durch Südamerika tingelte und danach, von Rückenschmerzen geplagt, so schlechte Resultate wie seit elf Jahren nicht mehr einfuhr.

Die Erfahrungen des Schweizers scheinen jedoch nicht als abschreckendes Beispiel zu taugen. So verpflichteten sich gleich mehrere aktuelle Topspieler für eine neue Liga in Asien, genannt International Premier Tennis League (IPTL). Diese kaufte – in Anlehnung an die indische Cricket- und Hockey-Liga – Profis für Städteteams, die sich von Ende November bis Mitte Dezember duellieren.

Wawrinka bei der Auktion übergangen

Das Konzept klingt abenteuerlich, ist allerdings nicht dem Kopf eines Fantasten entsprungen, sondern jenem von Mahesh Bhupathi, dem Weltklasse-Doppelspieler. Zusammen mit seiner Agentur Globosport hat der Inder einen Plan ausgearbeitet, der dem fernöstlichen Bedürfnis nach mehr Spitzentennis Rechnung tragen soll. Er sieht vor, dass Mumbai, Dubai, Bangkok und Singapur gegeneinander antreten.

Vertreter der vier Städte – Kuala Lumpur, das als fünfter Teilnehmer gedacht war, blieb der Auktion fern – nahmen am Sonntag in Dubai die Möglichkeit wahr, aus einem Pool mit 70 Namen Spieler zu ersteigern, die für sie auf Punktejagd gehen sollen. Dabei wurden zahlreiche Stars wie Rafael Nadal, Novak Djokovic, Andy Murray, Jo-Wilfried Tsonga, Serena Williams, Viktoria Asarenka, Andre Agassi oder Pete Sampras gedraftet (siehe Übersicht unten).

Knapp 24 Millionen Dollar sollen für die 28 Spieler ausgegeben worden sein. Überraschend übergangen wurden unter anderem Australian-Open-Sieger Stanislas Wawrinka und David Ferrer. Roger Federer hatte schon zu einem früheren Zeitpunkt erklärt, dass er vorerst verzichten werde. Er wolle die Entwicklung des Projekts abwarten.

Nadal für eine Million pro Abend

Der Modus soll so aussehen: Die Teams messen sich jeweils während drei Tagen in einer der vier Städte und ziehen dann in die nächste weiter. Jedes Duell geht über fünf Sätze, wobei zuerst zwei Männer gegeneinander spielen, dann zwei Frauen, gefolgt von einem Männer-Doppel und einem Mixed. Den letzten Durchgang bestreiten die ehemaligen Champions.

Bhupathi hat errechnet, dass ein solcher Match höchstens drei Stunden dauert, womit das Format durchaus fernsehtauglich sei. Wichtig ist ihm, dass die Wettkämpfe ernst genommen werden. «Das Wort Exhibition ist tabu», sagt er. Nadal und Djokovic zeigten sich jüngst angetan vom neuen Konzept. Vielleicht hat das aber mehr mit persönlichen Seilschaften zu tun: Djokovic-Coach Boris Becker ist ein IPTL-Mitgründer, auch Nadal-Manager Benito Perez-Barbadillo gehört zum Gremium. Und Geld verdienen lässt sich auch gut in Fernost: Nadal soll gegen eine Million Dollar erhalten. Pro Abend.

Mumbai: Rafael Nadal, Pete Sampras, Ana Ivanovic, Gael Monfils, Rohan Bopanna, Sania Mirza, Fabrice Santoro.

Dubai: Novak Djokovic, Caroline Wozniacki, Goran Ivanisevic, Janko Tipsarevic, Nenad Zimonjic, Martina Hingis, Malek Jaziri.

Bangkok: Andy Murray, Viktoria Asarenka, Jo-Wilfried Tsonga, Carlos Moya, Daniel Nestor, Kirsten Flipkens.

Singapur: Andre Agassi, Serena Williams, Tomas Berdych, Lleyton Hewitt, Patrick Rafter, Bruno Soares, Nicholas Kyrgios.

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