Radium-Erde verdünnt: «Eine nicht tolerierbare Vertuschung»
Aktualisiert

Radium-Erde verdünnt«Eine nicht tolerierbare Vertuschung»

Die Behörden haben mit Radium verseuchtes Deponiematerial gestreckt und auf einer Mülldeponie gelagert. Umwelt- und Konsumentenschützer sind empört.

von
G. Brönnimann

Das radioaktiv schwerstverseuchte Material aus Biel lagert sicher beim BAG. Doch leichter verstrahlter Müll wurde gestreckt und liegt heute auf einer Mülldeponie ob dem Wohlensee, wie Recherchen von 20 Minuten zeigen.

Fachleute sprechen von «solution through dissolution». Sprich: Der verseuchten Radiumerde wurde so lange unverseuchtes Material beigemischt, bis der Strahlenwert unter dem Grenzwert lag. Laut dem Bundesamt für Gesundheit BAG ist dieses Vorgehen legal und entspricht der Strahlenschutzverordnung.

Radioaktives Material gesamthaft entfernen

Das Vorgehen löst bei Umweltschützern Kopfschütteln aus. Florian Kasser, Mitglied der Strahlenschutzgruppe von Greenpeace Schweiz, hat kein Verständnis dafür, dass das leichter verseuchte Material nicht auch als Gefahrgut entsorgt wurde: «Ich kann dieses Vorgehen nicht gutheissen. Wenn radioaktives Material entdeckt wird, sollte es nicht verdünnt, sondern gesamthaft entfernt und dann sicher gelagert werden.»

BAG-Vizedirektor zu Radium-Rückständen

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz sorgt der Fall ebenfalls für Kopfschütteln. «Aus Konsumentensicht geht mir der Fall in Biel sehr nahe, geht es doch um das höchste Gut des Menschen, seine Gesundheit», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. «Die Menschen leben dort, haben dort gespielt und Gemüse angepflanzt, und die Behörden haben geschwiegen. Das darf nicht sein.» Den radioaktiven Abfall sollte man gesamthaft sicher entsorgen, wie es sich gehöre. Eine Verdünnung vor Ort und eine Lagerung auf einer normalen Mülldeponie sei eine «nicht tolerierbare Vertuschung», sagt Stalder.

Deine Meinung