Held vom Hudson : «Eine Notlandung auf dem Rhein ist möglich»
Aktualisiert

Held vom Hudson «Eine Notlandung auf dem Rhein ist möglich»

Chesley B. Sullenberger (62) hat mit seiner Notlandung auf dem New Yorker Hudson River im Januar 2009 über 150 Menschen das Leben gerettet. An der Baselworld gab er 20 Minuten ein Interview.

von
Samuel Hufschmid
Chesley «Sully» Sullenberger, der «Held vom Hudson River» an der Uhren- und Schmuckmesse «Baselworld».

Chesley «Sully» Sullenberger, der «Held vom Hudson River» an der Uhren- und Schmuckmesse «Baselworld».

Für viele Menschen auf der ganzen Welt sind sie ein Held. Tragen Helden Schweizer Uhren?

Chesley Sullenberger: Es gibt so unendlich viele Helden, nur werden deren Taten häufig nicht bemerkt. Und ich bin sicher, von diesen Helden tragen viele Schweizer Uhren.

Vor etwas über vier Jahren sassen sie im Cockpit eines US-Airways-Flugzeugs, als kurz nach dem Start alle Triebwerke ausfielen. Wie kam es zum Plan, auf dem Fluss zu landen?

Mangels anderer Optionen, würde ich sagen. Weder Umkehren noch eine Landung auf dem Flughafen von Jersey war möglich. Also entschied ich, auf dem Hudson zu landen. Sobald die Entscheidung gefällt war, habe ich alles andere ausgeblendet und den Plan durchgezogen.

Sind Sie immer so ein kompromissloser Mensch?

Nein, eigentlich bin ich eher zögerlich. Aber im Vergleich zu vielen alltäglichen Entscheidungen mit Dutzenden von Möglichkeiten war die Ausgangslage damals im Cockpit ziemlich simpel, weil es eigentlich nur diese eine Option gab.

Sind Sie seither jemals wieder selber geflogen?

Ja, ich habe nach der Notlandung noch rund ein Jahr als Pilot weitergearbeitet und das war sehr wichtig für mich.

Und wie haben die Passagiere reagiert, wenn sie «Captain Sullenberger» per Mikrofon willkommen geheissen hat?

Sie haben applaudiert. Aber auch daraus habe ich etwas gelernt, denn mein Ziel war immer, jeden Flug noch sicherer zu machen als alle vorherigen. Also legte ich, was ich vorher nie getan hatte, nach dem «This is Captain Sullenberger» jeweils eine Pause ein. Denn die folgenden Ankündigungen sind zu wichtig um im Applaus unterzugehen.

Sehen Sie die Passagiere und Crewmitglieder von «Flug 1549» heute noch?

Ja, seit diesem Erlebnis gehören wir gewissermassen zusammen. Wir treffen uns jedes Jahr, um diesen denkwürdigen Tag zu feiern.

Nun sind Sie als Botschafter für den Schweizer Uhrenhersteller Jeanrichard erstmals an der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Wie gefällt Ihnen die Schweiz?

Es ist mein dritter Aufenthalt hier. An der Schweiz liebe ich die pünktlichen Züge und das gute Essen. Ich fühle mich auch immer sehr willkommen und habe das Gefühl, die Schweizer setzen sich mit Hingabe dafür ein, dass ihr Land so wunderbar funktioniert.

Denken Sie, im Extremfall wäre auch eine Landung auf dem Rhein möglich?

Ja, eine Notlandung auf dem Rhein wäre möglich, aber sehr, sehr riskant. Zudem müssten die Bedingungen stimmen, wie sie das bei meiner Landung auf dem Hudson getan haben, der wesentlich breiter ist und weniger Strömung hat: Tageslicht, gutes Licht, die richtige Position zum Fluss. Und wegen der Strömung müsste extrem schnell Hilfe kommen.

Chesley «Sully» Sullenberger ist pensionierter Pilot, Flugsicherheitsexperte und Markenbotschafter des Uhrenherstellers «Jeanrichard». Am 15. Januar 2009 gelang ihm eine Notlandung auf dem New Yorker Hutson River, bei der er 155 Passagieren und Crewmitgliedern das Leben rettete.

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